Sylt: SIE wollten helfen, eine Vermisste zu finden – doch sie durften es nicht!

Auf Sylt sind die Seiten zwischen dem DRK und den Johannitern offenbar verhärtet (Symbolbild).
Auf Sylt sind die Seiten zwischen dem DRK und den Johannitern offenbar verhärtet (Symbolbild).
Foto: imago images/Rainer Weisflog

Bei diesem Einsatz auf Sylt gab es offenbar so manches Missverständnis. Dabei geht es um ein Menschenleben.

Und bei solchen Rettungsaktionen sollten doch eigentlich verschiedenste Einsatzkräfte als Einheit zusammenarbeiten. Eine derartige Einigkeit scheint auf Sylt aber gerade wohl nicht zu existieren.

Sylt: Frau wird vermisst

Seit Anfang Oktober wird auf Sylt eine 22-jährige Frau vermisst. Zur Suchaktion wird normalerweise auch die Rettungshunde-Staffel der Johanniter dazugerufen. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die vom Deutschen Roten Kreuz alarmiert werden.

„Wenn das DRK uns nicht nachalarmiert, kommen wir nicht zum Einsatz“, teilt Simone Bahnsen, Mitglied der Rettungshundestaffel, der „Sylter Rundschau“ mit. Das DRK auf Sylt wird von der Rettungsleitstelle benachrichtigt, wenn es zum Einsatz kommt.

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Als nächster Schritt folgt die Alarmierung der Johanniter. Dies blieb aber aus.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Dabei ist „das DRK dazu verpflichtet“ die Johanniter „nachzualarmieren“, so Bahnsen. Ein Grund hierfür sehen sie und ihre Vereinsmitglieder in einem Zwist zwischen den beiden Einsatzeinheiten. Es läge ein langjähriger Streit vor.

Sylt: Ist ein persönlicher Streit schuld?

„Wie allen bekannt ist, haben sie ein persönliches Problem mit unserer Staffel“, sagt Bahnsen. Die geht deshalb bei dem Einsatz von einer bewussten Täuschung aus.

Dass das DRK hierbei nicht nur Leben riskiert – „Es ist für uns nicht nachvollziehbar das Menschenleben so aufs Spiel gesetzt werden“ – sondern auch gegen gesetzliche Regeln verstößt, stellt Bahnsen klar: „Das DRK darf laut DRK- Richtlinien erst alleine in den Einsatz gehen, wenn sie fünf geprüfte Teams haben, sie haben aber nur zwei“.

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Klärende Gespräche gab es bislang noch nicht.

Der Einsatz am 5.Oktober sei mit zwei geprüften Flächenhunden sowie einer freien Staffel vom DRK erledigt worden. Unterstützend hätten die Johanniter nochmals sechs Flächenhunde liefern können.

DRK wehrt sich gegen Vorwürfe der Johanniter auf Sylt

Zu den Vorwürfen der Johanniter meldet sich nun auch der DRK-Vorstizende Karl-Heinz Kroll: „Es ist nicht unsere Aufgabe, andere Vereinen zu Einsätzen hinzuzuholen. Das ist die Aufgabe der Polizei, der Feuerwehr beziehungsweise der Leitstelle.“

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Er weist auch darauf hin, dass der DRK hierbei keine Verantwortung übernehmen könne, auch aufgrund der ungeklärten Haftung.

Zusammenarbeit auf Sylt „schnell unübersichtlich“

Weiterhin hebt er hervor, dass beide Vereine mit unterschiedlichen Systemen arbeiteten und das zu Problemen bei der praktischen Zusammenarbeit führen könne: „Das könnte dann schnell unübersichtlich werden.“

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Auch den Regelverstoß wehrte er ab. Die von Bahnsen vorgestellte Regel, dass beim DRK erst ab fünf geprüften Teams ein Einsatz erlaubt ist, gelte seit 2014 nicht mehr: „Das ist für uns daher nicht mehr relevant“.

Die Seiten wirken verhärtet. Es bleibt nur zu hoffen, dass die 22-jährige Vermisste, Ksenja Bajkalov, bald gefunden wird. Sie gilt seit den 02. Oktober als verschwunden.

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Konkrete Spuren haben die Ermittler bislang noch nicht. Nur der Mantel der 22-Jährigen wurde an einem Fähranleger auf Sylt gefunden.

(pag)