Sylt: Einheimischer erzählt vom „Irrsinn“ auf der Insel – und sagt am Ende ausgerechnet das

Diesen Sommer ist die Insel Sylt besonders beliebt.
Diesen Sommer ist die Insel Sylt besonders beliebt.
Foto: dpa-Bildfunk

Es ist ein Thema, das Einheimische und Urlauber auf der Insel Sylt in diesem Jahr besonders beschäftigt. Wegen des Coronavirus verbringen viele Menschen ihren Urlaub an Nord- und Ostsee. Und gerne auch auf Sylt. So stellt sich die Frage: Sind Touristen nun Fluch oder Segen für die Insel?

Erst kürzlich schrieb eine Urlauberin einen traurigen Brief, in dem sie sich >> Sorgen um die Insel machte. Jetzt meldet sich ein Einheimischer zu Wort. Auch für ihn herrscht ein gewisser „Irrsinn“ auf Sylt.

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Sylt: Einheimischer schreibt seine Gedanken nieder

„Meine Familie und ich waren heute wieder am Strand – lange hatten wir nicht mehr so viele Strandtage wie dieses Jahr. Das Wetter ist sensationell, wohin man blickt Menschen, die einfach strahlen und den Moment genießen“, leitet er seinen Beitrag in der gleichen Facebook-Gruppe ein, in der auch die Frau ihren Brief verfasste.

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Für ihn liegt eine „wunderliche Ruhe über dem Meer und dem Strand, kein Grund für laute Worte. Irgendwie ist alles weit weg. Das Leben ist ganz einfach.“ Klingt idyllisch, oder?

Der Mann führt aus: „Ja, vieles verändert sich hier laufend, auch war die Insel vermutlich noch nie so voll – wir haben zur Zeit wirklich 100% Bettenauslastung.“

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Das bemerke er vor allem dann, wenn das Wetter schlecht sei und „komischerweise alle gleichzeitig in die Westerländer Innenstadt fahren müssen beziehungsweise sich gleich im ganzen Familienverbund durch die Supermärkte trollen.“

Einheimischer kann die Kritik von Sylt-Urlaubern verstehen

Dann könne er sämtliche Kritik nachvollziehen. „Verständlich, wer kommt auf eine Insel, nur um Großstadtverhältnisse zu erleben?“, schreibt der Admin der Sylter Facebook-Gruppe. Er spricht weitere Diskussionspunkte an: Der Spekulations- und Bauwahn ist für ihn ein „wahrer Irrsinn“ und „über den Verkehr braucht man gar nicht erst reden.“

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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Seiner Meinung nach müssten selbst Fahrradwege auf der Insel mittlerweile eigentlich vierspurig gebaut werden. „Noch nie zuvor habe ich gehört, dass man praktisch nirgends mehr Räder ausleihen kann. Unfassbar“, schreibt er, um nur kurz danach eine komplette Kehrtwende zu vollziehen.

Einheimischer gönnt jedem einen „wunderschönen Moment“ auf Sylt

„Na gut, dann betrachte ich die Menschen am Strand und eigentlich freue ich mich zu sehen, wie glücklich sie einfach in diesen Momenten sein können“, sagt der Mann. Natürlich sei auch er genervt von dem Getummel und dem Verkehr – und ihn mache der Immobilienhandel und die Bautätigkeit und „dieses um jeden Preis auch noch ein dickes Stück vom Kuchen 'Sylt' einzuheimsen“ ebenso wütend wie andere.

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Aber genauso „mag ich unsere Gäste und freue mich, dass sie trotz Corona, idiotischen Impf- und Maskengegnerdemos, Bauwahn, Spekulation, Katastrophen usw. diese wunderschönen Moment auf 'meiner Insel' erleben. Jedem Einzelnen gönne ich es.“

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Der Mann hat nur eine Bitte: „Zieht die Maske beim Einkaufen über die Nase und haltet etwas Abstand. Ist gar nicht so schwer.“ Schließlich seien gerade rund 80.000 Gäste auf der Insel, die „nach durchschnittlich 7,25 Tagen von den nächsten 80.000 Menschen abgelöst werden.“ Da könne man froh sein, „hier noch ziemlich glimpflich durch die Corona-Zeit durchgekommen zu sein.“

Insulaner spricht zu Einheimischen und Urlaubern auf Sylt

Und dann zieht er sein Fazit. „Sylt geht noch nicht unter“, sagt er und richtet einen Appell an die anderen Einheimischen: „Auch diese Hochsaison überstehen wir, genauso wie die der Vorjahre. Wir rücken etwas zusammen.“ Und an die Urlauber gerichtet sagt er: „Ihr seid willkommen, bitte genießt die Zeit.“

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Für seinen ausführlichen Text erhält der Einheimische viel Zuspruch. Mehr als 1.300 Likes erhält der Beitrag, dazu kommen (aktuell) 171 Kommentare. 20 Mal wird der Beitrag zudem geteilt. Na wenn das mal keine Zustimmung widerspiegelt. (mk)