Sylt: Einheimischer tritt heiße Debatte los! „Brauchen wir das nochmal?“

Am Hafen von List auf Sylt
Am Hafen von List auf Sylt
Foto: imago/imagebroker

Der große Ansturm auf die Insel Sylt hält an – trotz Nebensaison wird es teilweise richtig eng ganz im Norden von Deutschland (MOIN.DE berichtete). Die Insel rüstet sich derweil für die Zukunft, will beispielweise mehr Platz am Verladeterminal in Westerland schaffen (MOIN.DE berichtete), gleichzeitig entstehen neue Riesenhotels.

Zwischen all dem Trubel sind immer wieder die Stimmen von Insulanern zu hören, denen das alles zu viel wird. „Der extreme Ansturm ist wunderbar für die Gastronomie, die Hotellerie, den Einzehandel etc., um die diesjährigen Defizite auszugleichen“, schreibt ein Einwohner auf Facebook und spielt damit auf die Verluste an, die während der Zeit des Lockdowns auf Sylt entstanden.

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Sylt: Vorgeschmack auf die nächsten Jahre?

Aber dennoch fügt er an: „Dieses Jahr ist hoffentlich kein Vorgeschmack auf die nächsten Jahre“. Ob sich diese Hoffnung bewahrheitet? Aktuell ist das bei all der Beliebtheit der Insel und den Baumaßnahmen schwer vorstellbar. Sollte die Corona-Pandemie auch das nächste Jahr bestimmen, wird wohl auch der Urlaub in Deutschland wieder von vielen Menschen gegenüber dem Ausland bevorzugt.

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„Wir sind gerade hier und es ist echt mühsam. Es war immer unsere Lieblingsinsel, aber wir fragen uns: brauchen wir das nochmal?“, antwortet eine Urlauberin auf das Posting des Einheimischen.

Sie kriegt dafür ebenso viel Zuspruch wie ein andere, die schreibt, sie sei nach zehn Jahren mal wieder zurück auf Sylt und habe sich jeden Tag nur gedacht „es ist noch nicht mal Saison. Ich fand es echt schlimm. Als ich am Ellenbogen ankam, habe ich gesagt, was ist das für eine Völkerwanderung.“

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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Andere verweisen auf Probleme wie vermehrten Hundekot, rücksichtslose Radfahrer oder Partytourismus, der sich angeblich vom Ballermann nach Sylt verlagert habe. Ein Argument, das auch gerne auf anderen Nordsee-Inseln wie zum Beispiel Norderney ins Feld geführt wird, wenn sich Menschen an Feiernden stören.

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Weniger Gäste, mehr Übernachtungen im Juli auf Sylt

Offizielle Zahlen liegen für die aktuelle Nebensaison noch nicht vor. Im Juli, während der Hauptsaison, ging die Zahl der Gäste auf der Insel im Vergleich zum Vorjahresmonat noch um 1,1 Prozent zurück – dafür buchten diese aber 1,6 Prozent mehr Übernachtungen auf Sylt.

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Zwischen 2010 und 2019 hat sich die Zahl der Ankünfte und Übernachtungen auf der Insel um ungefähr 50 Prozent erhöht. Das bestätigt den Eindruck der Urlauberin, die zuletzt vor zehn Jahren auf der Insel war.

Es gibt allerdings nicht nur Leute, die sich beschweren. So schreibt eine andere Urlauberin: „Ich weiß nicht, wo sich die hier Klagenden aufhalten, dass sie so viel zu beklagen haben. Ich habe im August zwei wundervolle Wochen in Wenningstedt verbracht und fühlte mich von niemandem gestört.“ Sie habe die Orte, an denen Partys gefeiert werden, gemieden. „Wer Ruhe und Erholung sucht, der findet sie auch.“ Auch sie erhält verhältnismäßig viel Zuspruch.

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Sylt: Auf das Schlimmste vorbereitet

Eine weitere Frau meint: „Wir waren auf das Schlimmste vorbereitet im August. Und ich fand es voll, aber nicht sooo schlimm, wie prophezeit wurde. Am Ellenbogen waren wir alleine, am Strand konnten wir locker 2 Meter zum nächsten Strandmuschelbesitzer wahren.“

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Der Beitrags-Verfasser glaubt, dass irgendwann die Grenze der Belastbarkeit für die Insel und Insulaner erreicht sei. Er hoffe, dass es bald vernünftige Regulierungen gebe, „die für alle Beteiligten gleichermaßen befriedigend sind.“

Eine weitere Urlauberin kritisiert den Beitrag und schreibt, dass es doch nur so viele Menschen auf der Insel wie Betten geben könne. „Oder gibt es so viele Tagestouristen? Sind nun die Touristen schuld, die auch gern die Insel erleben wollen, oder liegt die Schuld bei all denen, die die Bebauungen für Hotels und Co. zulassen und damit ihr Geld verdienen?“.

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Das Reizthema neue Hotelbauten beschäftigt auch die Lokalpolitik auf der Insel immer wieder. Zuletzt forderte eine Fraktion, einen Genehmigungsstopp zu verhängen. Die ganze Geschichte kannst du >>> hier lesen. (rg)