Sylt: Inselbewohner trauern um diesen Verlust – „Nicht zu verantworten“

Die Menschen auf Sylt haben kein Verständnis: „Wirklich traurig, wie wenig die Sylter Geschichte wertgeschätzt wird“
Die Menschen auf Sylt haben kein Verständnis: „Wirklich traurig, wie wenig die Sylter Geschichte wertgeschätzt wird“
Foto: imago images

Sylt. Das Jahr 2019 sollte für die Archäologie in Schleswig-Holstein und speziell auf der Insel Sylt ein Jubiläumsjahr werden.

1869 veröffentlichte der Archäologe Ferdinand Wibel eine Publikation zu seinen Ausgrabungen und Untersuchungen zu dem bekanntesten Grabhügel auf der Insel Sylt. Doch trotz des 150-Jahre-Jubiläums ist den Syltern nicht zum Feiern zumute.

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Seit Anfang 2019 soll nämlich auf dem Nachbargrundstück des Großsteingrabes Denghoog eine Baustelle für ein Appartementhaus eingerichtet werden. Der betroffene Verein, der auch Führungen durch den Grabhügel anbietet, setzte sich dagegen von Anfang an zur Wehr.

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Der Verein „Sölring Foriining" sammelte bereits deutschlandweit 6.000 Unterschriften gegen das Vorhaben.

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Der Denghoog ist in Schleswig-Holstein ein Denkmal aus der jüngeren Steinzeit und neben vier Dutzend weiteren Großsteingräbern auf Sylt ein wichtiges Zeugnis der Besiedelung der Insel. Errichtet wurde das Hügelgrab zwischen 3200 und 2800 vor Christus.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Bereits 1929 wurde ein Gebäude neben dem Großsteingrab platziert, da es bis dato noch keinen Denkmalschutz gab.

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Seitdem ist denkmalschutzrechtlich in Schleswig-Holstein einiges geschehen. Aber anscheinend nicht genug.

Gegen das Bauvorhaben auf Sylt wird Einspruch eingelegt

Gegen das Bauvorhaben wurde im September vergangenen Jahres ein Widerspruch der Unteren Baubehörde des Kreises Nordfriesland eingelegt. Laut Beschluss sieht die Kammer die Baugenehmigung allerdings als denkmalschutzrechtlich gewürdigt an.

Das geplante Haus sei zwar etwas größer, aber von den Ausmaßen „noch vertretbar“, so der Standpunkt des Verwaltungsgerichts. Auch den Parkplatz, der vom Denghoog nur drei Meter entfernt ist, sowie der damit verbundene Alltagsverkehr werden nicht als Belastung für einen würdigen Museumsbetrieb angesehen.

Der Vorstand der „Sölring Foriining" hat nach diesem Urteil Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Das Großsteingrab stelle einen überregionalen Wert dar und dessen Erscheinungsbild soll für zukünftige Generationen auf jeden Fall gesichert sein. Das blieb allerdings ohne Erfolg.

Sylt: Denghoog wird geschlossen

In einem Facebook-Post verkündete der Verein Mitte Oktober die Schließung des Denghoogs: „Mit dem heutigen Tag müssen wir das Steinzeitgrab Denghoog schließen. Die Abrissarbeiten auf dem Nachbargrundstück haben begonnen. Ein Besucherverkehr in dem Ganggrab ist daher leider nicht mehr zu verantworten“.

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Sylt: Denkmal wird geschlossen

Viele Menschen reagierten bestürzt darauf. Eine Frau kommentierte: „So traurig. Ich hatte wirklich gehofft, dass durch eure Unterschriftenaktion noch eine Einsicht kommt. Ein großer Verlust für unsere Kultur aufgrund von Profitgier“.

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Eine andere Frau kritisierte das ganze Vorhaben mit den Worten: „Wirklich traurig, wie wenig die Sylter Geschichte wertgeschätzt wird.“

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Dass nicht mal ein Denkmal dieses Kalibers geschützt wird, empfinden die Menschen, um die meisten Kommentare unter dem Bild zusammenzufassen, als „unglaublich“. (pag)