Sylt: Insulaner mit bitterem Geständnis – „Die Insel hat es selbst versaut“

Strandbesucher gehen über einen Steg vom Strand auf Sylt. Vor allem im Sommer ist die Insel voll von Touristen.
Strandbesucher gehen über einen Steg vom Strand auf Sylt. Vor allem im Sommer ist die Insel voll von Touristen.
Foto: imago images/spfimages

Schon sein Leben lang wohnt Alfred Bartling auf Sylt. Daher hat der 81-Jährige auch hautnah miterlebt, wie der Tourismus gewachsen und die Insel im Laufe der Jahre vor Urlaubern förmlich explodiert ist.

Gerade dieses Thema spaltet immer wieder die Gemüter. Denn natürlich profitiert Sylt von den Einnahmen aus dem Tourismus – doch die Insel und ihre Bewohner leiden massiv unter dem Ansturm.

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„Das hat die Insel eigentlich selbst versaut“, sagt Alfred Bartling.

Sylt florierte bereits in den 60er-Jahren

Der 81-Jährige lebt in Morsum, wo es noch weniger touristisch zugeht. Aber auch in dem 1.100-Einwohner-Dorf gebe es bereits 700 Zweitwohnsitze.

Das sei in den 60er-Jahren noch undenkbar in dem von Landwirtschaft geprägten Örtchen gewesen. „Aber in Westerland florierte die Vermietung bereits“, erzählt Alfred Bartling MOIN.DE.

Sylt stellt auf Massentourismus um

Die Nachfrage sei so enorm gewesen, „dass die Leute nachts schon in den Badewannen schliefen“, wenn der Platz knapp wurde.

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Dann habe die Politik immer mehr auf den Massentourismus umgeschaltet. „Das war am Anfang auch nicht schlecht“, erinnert der 81-Jährige sich.

Sylt beginnt zu boomen

Ställe wurden zu Ferienwohnungen umgebaut, immer mehr Sylter stiegen in die Vermietung ein – der Tourismus auf der Insel boomte.

Das eigentliche Übel begann in den 80er Jahren, als die Politik laut Alfred Bartling die Gelegenheit verpasste, „den Hebel wieder umzulegen und eher auf Qualität statt auf Quantität zu setzen.“

Sylt ist selbst schuld

Schuld daran seien die Insulaner selbst gewesen. „Der Sylter hat in dem Sinne Schuld, weil er immer ein Dollarzeichen im Auge hat“, klagt der 81-Jährige.

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Lukrative Angebote hätten viele Einheimische dazu bewogen, ihre Immobilien zu verkaufen. „Viele sind auf das Festland gezogen und haben sich dort ein Haus gekauft“, erzählt der Morsumer MOIN.DE.

Einwohner auf Sylt „arme Schweine geblieben“

Wenn dann einige Zeit später das Geld ausgehe, „fahren sie mit dem Zug hierher und putzen die Scheiben ihrer alten Häuser.“

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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So hätten die Insulaner selbst die Entwicklung des Massentourismus befeuert. Aber: „Die Sylter sind die armen Schweine dabei geblieben“, bedauert Alfred Bartling.

Einheimische auf Sylt profitieren kaum von Tourismus

Denn die Einnahmen aus dem Tourismus gehen in den wenigsten Fällen an die Insulaer.

Hotels, Unternehmer und „die, die alles gekauft haben, machen das Geld“, sagt der 81-Jährige MOIN.DE. Außerdem fehlt den Syltern meist jegliches Mitspracherecht.

Dauermieter statt Feriengäste auf Sylt

Auch Alfred Bartling hat in seinem Haus gemeinsam mit seiner Frau Ferienwohnungen vermietet. Seit 25 Jahren wohnen dort aber ausschließlich Dauermieter.

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Sein 30 Hektar großes Grundstück zu verkaufen, hat er nie in Erwägung gezogen.

Sylt muss sich zusammenschließen

Um dem Massentourismus Einhalt zu gebieten, müsse sich laut dem Morsumer die ganze Insel zusammenschließen „statt Fronten zwischen den Gemeinden aufzubauen“.

Proteste gegen bereits bewilligte Projekte seien in seinen Augen ohnehin wirkungslos. „Was genehmigt ist, kriegt man nicht mehr weg“, sagt Alfred Bartling MOIN.DE.

Umdenken durch Corona auf Sylt

Stattdessen müsse man einen klaren Einschnitt in Richtung Qualität statt Quantität fordern. Der Sylter bleibt optimistisch und hofft, dass die Gemeinden die nächsten Jahre doch noch zusammenfinden.

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Die Corona-Zeit, als die Insel komplett ohne Gäste war, könnte bei vielen ein Umdenken bewirkt haben. „Das kann die erste Weichenstellung werden“, glaubt Alfred Bartling.