Sylt: Katastrophe auf der Insel! Menschen sind frustriert – „Man fühlt sich ausgeliefert“

Die Insel Sylt ist zwar ein Tourismus-Magnet, aber kämpft derzeit mit einer Plage.
Die Insel Sylt ist zwar ein Tourismus-Magnet, aber kämpft derzeit mit einer Plage.
Foto: imago images / Chris Emil Janßen & imago images / Panthermedia

Landwirte müssen immer wieder mit Problemen kämpfen. Dürre, Handelskriege oder auch mit Plagen. Wie beispielsweise in Morsum auf der Insel Sylt.

Dort beklagt ein Morsumer Landwirt jetzt, dass Wildgänse ihm auf Sylt viel Ärger bereiten.

Sylt: Plage führt bei Tieren zu Durchfall

Sieht man die Wildgänse, wie sie sich in die Luft erheben, ist es ein toller Anblick. Doch sie machen es vielen Landwirten auf Sylt echt schwer. Die Population wächst immer weiter, die Gänse fressen die ganzen Wiesen kahl.

Der Morsumer Jens Nielsen berichtet über die daraus folgenden Probleme. „Etwa Dreiviertel meiner Grünflächen sind betroffen, meinen Rindern muss ich regelmäßig zufüttern, damit sie überhaupt noch genug zu fressen bekommen“, sagt Nielsen der „Sylter Rundschau“.

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Doch damit nicht genug: Die Gänse sonderten auch alle drei Minuten Kot ab. Das verbliebene Gras sei anschließend für die Kühe stark verschmutzt, erzählt Nielsen: „So kommt es bei meinen Tieren immer wieder zu Durchfall.“

Vogelscheuchen helfen nicht

Was könnte dagegen helfen? Man könnte es ja mit Vogelscheuchen probieren, doch auch die helfen nicht. „Man fühlt sich einfach ausgeliefert“, sagt Nielsen. Mit dem Problem steht er nicht alleine da, denn auch Jan Petersen, der viele Flächen im Osten der Insel besitzt, ist frustriert.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Durch die Wildgans-Plage fielen rund zwei Drittel seines Weizens in diesem Jahr dem Hunger der Gänse zum Opfer. „Zwei große Schwärme mit etwa 1400 und 1800 Individuen suchen die Felder immer wieder heim.

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Wenn sie alles abgefressen haben und dann neuer Wuchs kommt, sind sie sofort wieder da und verätzen zusätzlich mit ihrem Kot die Pflanzen“, sagt Petersen in der „Sylter Rundschau“.

Auch Petersen hat es mit Vogelscheuchen versucht. „Das funktioniert ein, zwei Tage. Dann lachen die Vögel quasi nur noch darüber.“ Seiner Meinung nach müsste man die Plage anders bekämpfen, wie etwa mit Hilfe der Jäger. Nielsen und Petersen hoffen indes auf die Hilfe des Landes in Sachen Gänse-Problematik.

„Gänse-Population gefährdet Existenzen“

Die Politik hat sich mittlerweile eingeschaltet. Die nordfriesische Bundestagsabgeordnete Astrid Damerow (CDU) richtet dabei deutliche Worte an Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne).

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„Die Gänse-Populationen haben inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass sie das ökologische Gleichgewicht, die bäuerlichen Existenzen und nicht zuletzt den sozialen Frieden in den betroffenen Regionen massiv gefährden. Dies ist so nicht länger hinnehmbar“, sagt Damerow und fordert außerdem„eine erhebliche Ausweitung der Jagdzeiten wie auch einen vollständigen Ausgleich der Schäden für die betroffenen Betriebe“.

Landesregierung reagiert auf Anfrage

Laut der „Sylter Rundschau“ gab die Landesregierung in diesem Jahr diese Auskunft auf die Anfrage eines Abgeordneten:

„Zur effizienten Reduktion der Gänseschäden in der Landwirtschaft ist eine Kombination aus präventiven Maßnahmen, Duldung, Vertreibung und Regulierung erforderlich. Neben den Möglichkeiten, die Landwirte selbst bei der Verminderung von Fraßschäden haben (etwa Verbrämung, Anbau von für Gänse weniger attraktiven Kulturen), hat das Land seit vielen Jahren verschiedene Instrumente zur Minderung der Schäden bzw. der Ertragseinbußen angewendet.“

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Und weiter: „Ein wesentliches Instrument stellt der Vertragsnaturschutz dar. Es stehen verschiedene Vertragsvarianten für Grünlandflächen und Äcker zur Verfügung, die in unterschiedlichem Maße Ausgleichszahlungen für die Duldung der Gänse bereitstellen.“

Das scheint einige Landwirte auf Sylt aber nicht zu beruhigen.

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