Usedom: Sei bloß vorsichtig, wenn du auch diese Entdeckung am Strand machst

Schilder auf Usedom weisen Strandbesucher auf die potentielle Gefahr hin.
Schilder auf Usedom weisen Strandbesucher auf die potentielle Gefahr hin.
Foto: picture alliance / Stefan Sauer/

Usedom. Auf Usedom ist es ruhig geworden: Die Hauptsaison ist zu Ende und bedingt durch den Teil-Lockdown dürfen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen momentan keine Gäste aufnehmen.

Den Sommer haben jedoch zahlreiche Urlauber auf der Ostsee-Insel verbracht. Oft suchen Touristen am Strand nach Souvenirs aus dem Meer – doch das kann teilweise ein schmerzhaftes Ende nehmen! Hinter manch harmloser Entdeckung steckt nämlich ein brandgefährlicher Fund.

Usedom: Reste von Brandbomben am Strand

Denn auf dem Grund der Ostsee liegt immer noch jede Menge Munition aus den beiden Weltkriegen, die den Strandbesuchern gefährlich werden kann.

+++ Ostsee: An dieser Stelle geschah eines der größten Schiffsunglücke aller Zeiten – noch Jahre später starben Menschen hier +++

An den Stränden von Usedom wird besonders häufig weißer Phosphor angespült. Dabei handelt es sich um das Innere einer Brandbombe. Doch äußerlich sieht der Stoff wie Bernstein aus.

Eine fatale Täuschung, die Strandbesuchern zum Verhängnis werden kann! Im Glauben, ein Schmuckstück gefunden zu haben, packen sie den Phosphorbrocken in die Hosentasche.

+++ Ostsee: Kai Diekmann geht bei Usedom schwimmen – plötzlich macht er eine gruselige Entdeckung! +++

Brandgefährlicher Fund auf Usedom

„Dann trocknet er ab und entzündet sich selbst auf über 1.200 Grad Celcius“, warnt Meeresbiologe Stefan Nehring, der seit fünfzehn Jahren die Munitionsaltlasten an den deutschen Küsten erforscht.

---------------

Das ist Usedom:

  • Insel in der Ostsee
  • Befindet sich im äußersten Nordosten von Deutschland
  • Die Insel hat zwei Grenzübergänge nach Polen
  • Usedom ist die zweitgrößte Insel Deutschlands
  • Bekannte Ostseebäder sind Zinnowitz, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck
  • Auf Usedom gibt es einen Flughafen, dieser ist bei Garz gelegen
  • Die größte Stadt auf der Insel ist Swinemünde (Polnische Seite)

---------------

Allein der Kontakt mit dem Luftsauerstoff reicht aus, damit sich der gefährliche Stoff in Brand setzt. „Der Phosphor ist in der Regel mit Kautschuk vermischt“, erklärt der Experte.

Bomben über Usedom sollten verheerende Schäden anrichten

Damit sollte die im Zweiten Weltkrieg abgeworfene Brandbombe noch größere Schäden anrichten.

„Nach Durchschlagen des Dachs explodierte die Brandbombe und verteilte die klebrige Kautschuk-Phosphormasse an die Wände der Räume, wodurch eine Vielzahl von Brandnestern entstanden“, erklärt der Meeresbiologe MOIN.DE.

Strandbesucher auf Usedom erleiden Brandwunden

Deshalb hat der Versuch, die brennende Chemikalie mit der bloßen Hand auszuschlagen, üble Folgen: Der Phosphor bleibt an der Hand kleben.

+++ Nordsee: Bedrohliche Situation – Menschen verlieren langsam die Hoffnung +++

Den vermeintlich kostbaren Fund zahlen Strandbesucher nicht selten mit schweren Verbrennungen dritten Grades an den Oberschenkeln und Händen. „Grässliche Brandwunden sind die Folge“, warnt der Experte.

Phosphor auf Usedom entwickelt giftige Dämpfe

Die Haut kann bis auf die Knochen abbrennen. Mehrwöchige Krankenhausaufenthalte sowie Hauttransplantationen sind keine Seltenheit.

Neben den schmerzhaften Verletzungen, die das Weltkriegsrelikt am Körper hinterlässt, entwickelt brennender Phosphor hochgiftige Dämpfe, die im schlimmsten Falle sogar tödlich sein können!

Usedom ist ein „Hotspot“

Dass Usedom ein „Hotspot“ für Phosphor-Funde ist, ist auf einen Luftangriff der Briten im Jahre 1943 zurückzuführen.

+++ Urlaub an der Nordsee: Spaziergänger geht durchs Watt – dann entdeckt er DAS aus dem Zweiten Weltkrieg! +++

Nachdem die Britische Armee auf die Heeresversuchsanstalt in Peenmünde – eine Forschungs- und Testanlage für Raketentechnik – aufmerksam wurde, bombardierten sie die deutsche Militäreinrichtung in einem Luftangriff.

Munition landet im Meer vor Usedom

Durch einen Irrtum verfehlten die Briten allerdings einen Großteil der eigentlichen Ziele. Deshalb landete jede Menge Munition in der Ostsee direkt vor den Stränden.

Darunter nach Unterlagen der Royal Air Force und des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern 4.100 Phosphorbrandbomben.

Allein deren Zündladungen bestand aus insgesamt bis zu 2,5 Tonnen weißen Phosphors. Hinzu kommen laut den Unterlagen noch einmal 13 weitere Tonnen der eigentlichen, phosphorhaltigen Brandladung.

Nicht nur Usedom ist betroffen

Zwar kommen Phosphor-Funde an den Usedomer Stränden besonders oft vor, aber auch an anderen Orten kann die tückische Chemikalie angespült werden. Schließlich ist nicht nur die Ostsee-Insel ein Angriffsziel gewesen.

+++ Usedom: Frau macht eine sonderbare Entdeckung – „Auch noch nicht gesehen“ +++

„Die phosphorhaltigen Brandbomben wurde von den Briten eingesetzt, um Gebäude massenhaft in Brand zu stecken“, erklärt Stefan Nehring. Und das ist nicht nur auf Usedom der Fall gewesen.

Andere Angriffsziele als Usedom

Auch an anderen Küstengebieten der Ostsee oder Nordsee kann weißer Phosphor angespült werden. Sogar am Plöner See oder am Elbufer können Passanten auf die gefährlichen Klumpen stoßen.

Erst im September hat ein Passant an letzterem Ort einen vermeintlichen Bernstein mitgenommen – mit grauenhaften Konsequenzen. Hier kannst du mehr darüber lesen.

Usedom: Nassen Sand statt Meerwasser nutzen

Wann man mit dem Pseudobernstein in Berührung kommt und dieser sich entzündet, ist schnelles Handeln gefragt. „Es geht darum, die Sauerstoffzufuhr sofort zu stoppen“, sagt der Experte.

-------------

Mehr News aus dem Norden:

-------------

Statt Wasser solle man auf nassen Sand zurückgreifen. Denn Wasser kann den Phosphorbrocken nur kurzzeitig ablöschen. Sobald der Phosphor wieder abgetrocknet ist, kann er sich erneut entzünden.

+++ Usedom: Debakel um neue Brücke verärgert Einwohner – „Sollten sich alle schämen“ +++

Bei einem vermeintlichen Bernstein-Fund ist also höchste Vorsicht geboten! Im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen.