Hamburg: 23-jähriger Künstler auf der Überholspur – für seine Bilder verzichtet er sogar DARAUF

Bea Swietczak
Wenn Grafy arbeitet, ist er zielstrebig und fokussiert. Nichts kann ihn ablenken.
Wenn Grafy arbeitet, ist er zielstrebig und fokussiert. Nichts kann ihn ablenken.
Foto: privat

Kunstkenner wie Elfie Barlach, Betreiberin der Barlach Halle, nennen Grafy den jungen Wilden. Jung ist er mit seinen 23 Jahren. Und etwas wild ist er auch. Immerhin verkauft der umtriebige Künstler aus Hamburg seine Werke schon auf dem internationalen Markt. Zwischen 2.500 Euro und 35.000 Euro, je nach Format und Aufwand, kosten seine Arbeiten.

Gerade bereitet Grafy seine erste große Ausstellung in Hamburg vor, zu der am 30. Oktober rund 300 handverlesene Gäste in die Barlach Halle kommen. Dort zeigt er seine Arbeiten. Ein Mix aus Street- und Pop-Art, den er „abstrakten Realismus“ nennt. Grundlage sind oft Porträts von Prominenten wie Andy Warhol, Winnie Harlow oder Frida Kahlo, denen er mit Acrylfarben und Spray-Technik einen neuen Ausdruck verleiht.

Hamburg: „Brotlose Kunst“

MOIN.DE besuchte ihn in seinem Atelier am Rothenbaum. Schnell wird klar, dass Grafy sich nicht auf seinen Erfolg als Solist verlässt. Er hat ein Team um sich versammelt, das ihm den Rücken stärkt. Außerdem stehen ihm eine Managerin und ein Event-Profi zur Seite. „Das ist dadurch entstanden, weil die Energien zwischen den Parteien sehr harmonisch und fruchtbar sind“, erzählt Grafy.

„Ich habe gern Menschen um mich herum, die ich inspirierend finde. Denn daraus kann etwas Wunderbares entstehen, so wie mein erstes Kunstevent in Hamburg.“ Durch seinen Vater, einen Hobby-Maler, entdeckte er die Liebe zu Pinsel und Farbe. „Ich habe schon immer gern gemalt“, sagt er. „Doch mir wurde bereits als Kind vermittelt, dass es sich um eine brotlose Kunst handelt.“

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Davon hat sich der ganz junge Grafy aber nicht abschrecken lassen. Mit 16 Jahren verbrachte er mehrere Monate in den USA. Dort beeindruckten ihn Künstler, die ihre Werke in großen, renommierten Museen ausstellten. Er besuchte auch Künstler in New York und Texas, malte mit ihnen zusammen. Alles auf Eigeninitiative und durch Unterstützung seiner Familie.

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Das ist Grafy aus Hamburg:

  • Er wurde im März 1998 in Mannheim geboren.
  • Grafy wuchs ohne Geschwister auf.
  • Sein Vater ist Kaufmann, die Mutter Dolmetscherin.
  • Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Bremen, wo er bis zur 11. Klasse blieb.
  • Dort besuchte Grafy ein Sportgymnasium, war begeisterter Ruderer.
  • Von dort zog die Familie nach Lübeck, wo er sein Abi machte.
  • Vor einem Jahr kam er nach Hamburg, weil es hier eine große Kunstszene gibt.
  • Sein Hobby ist Kampfsport und er lernt Mandarin.

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Hamburg: Eltern wollten einen anderen Weg

„Ich wollte diese künstlerische Energie aufsaugen und spüren“, erzählt er. „Tief im Innern wusste ich da schon, dass ich das auch ein Leben lang machen möchte. Danach habe ich mich darauf fokussiert, noch viel mehr zu malen“, erzählt er. Obwohl Grafy in seiner Heimatstadt Lübeck Abitur machte, hat er sich ganz bewusst gegen eine gängige Berufsausbildung entschieden. Wozu Zeit vergeuden, wenn die Mission doch klar ist?

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Seine Eltern hätten für ihn lieber einen anderen Weg gewollt: erst studieren, dann arbeiten. Aber Druck übten sie nicht aus. Stattdessen schickten sie ihn sogar zu einem sehr kontroversen Künstler nach München. In der leisen Hoffnung, dass sich ihr Sohn das mit der brotlosen Kunst doch noch überlegt.

Aber das Gegenteil ist passiert. „Ich stand jeden Morgen früh auf seiner Matte, habe die ganzen Fehler wahrgenommen und wollte am liebsten alles optimieren“, sagt er. „Ich bin ein Perfektionist aus Leidenschaft. Nach München war ich noch mehr davon überzeugt, dass nur ein Künstlerdasein für mich in Frage kommt.“

Hamburg: Grafy verkauft erstes großes Werk

Inzwischen hat der 23-Jährige in den USA sogar sein erstes großes Werk an einen Manager in Kalifornien verkauft. „Natürlich musste ich mich durchkämpfen. Aber ich habe festgestellt, dass es eben doch keine brotlose Kunst ist.“ Seine Eltern akzeptieren das inzwischen und sind stolz auf ihren Sohn. „Sie sind weltoffen und international bewandert“, erzählt Grafy. „Weil mein Vater als Geschäftsmann oft in anderen Ländern unterwegs war, haben meine Mutter und ich ihn begleitet.“

Heute sieht er sich selbst als Kosmopolit, will auch mal woanders leben und arbeiten. Alles für die Kunst. „Ich will mich inspirieren lassen, alles aufsaugen“, sagt er. „Dafür lebe ich.“

Weil Grafy so zielstrebig und fokussiert ist, blieben Beziehungen auf der Strecke. Seine Freunde feiern in Clubs, er malt in seinem Atelier. Macht das nicht einsam? „Mir macht es keinen Spaß, auf einer Party Zeit zu vergeuden. Nach einer Stunde möchte ich zurück an meine Staffel. Das ist es, was mich in einen euphorischen Zustand versetzt. Ich lebe Kunst tief aus dem Inneren heraus. Es ist ein unstillbares Verlangen“, erklärt der 23-Jährige.

Hamburg: „Dazu habe ich keine Zeit“

„Einsam macht das nicht. Im Gegenteil. Gerade war ein befreundeter Maler hier, mit dem ich gemeinsam malte. Dann kam noch ein Pianist hinzu, der uns drei Stunden lang begleitete. So entsteht auch ein kreativer Prozess, den ich mehr schätze als einen Clubbesuch.“

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Dann erübrigt sich wohl die Frage nach einer Freundin. „Dazu habe ich keine Zeit“, lacht Grafy. „Daran ist auch meine letzte Beziehung gescheitert. Dennoch wäre ich offen. Aber wer macht meinen Lebensstil schon mit? Wahrscheinlich müsste sie auch eine Künstlerin sein oder zumindest so frei wie eine Künstlerin denken.“