Hamburg: Derby-Zeit! Besonderes Rennpferd ist zu Gast – unglaublich, was es kann

Bea Swietczak
Am liebsten wären Torquator Tasso und seine Pflegerin Katja Heckmann rund um die Uhr ein Team.
Am liebsten wären Torquator Tasso und seine Pflegerin Katja Heckmann rund um die Uhr ein Team.
Foto: privat

Zuerst sollte das 152. Deutsche Derby ohne Zuschauer auf der Horner Rennbahn in Hamburg ausgetragen werden – Pandemie-Maßnahmen. Doch kurzfristig entschied die Behörde: 1.000 Gäste dürfen an jedem der vier Renntage das Event besuchen.

Höhepunkt ist dabei das mit 650.000 Euro dotierte Rennen für Dreijährige am Sonntag. Am Sonnabend können die Pferdefans bereits das wohl teuerste Pferd sehen, das dieses Mal in Hamburg dabei ist: Torquator Tasso. Es gehört zum renommierten Gestüt Auenquelle in NRW, das für seine Vollblutzucht bekannt ist.

Hamburg: Pflegerin weiß ganz genau über ihren „Tassolino“ Bescheid

Der Vierjährige geht am Sonnabend auf die Bahn in Hamburg. Der Hengst soll einen Wert von einer Million Euro haben. Das verriet ein Insider hinter vorgehaltener Hand. Denn solche Zahlen werden nicht gern offiziell bekannt gegeben. Manche Eigner betreiben die Pferdehaltung und Zucht aus reiner Liebhaberei. Bei anderen steckt viel Geschäftssinn dahinter. Bei den edlen Rennpferden wechseln beim Kauf locker hohe sechsstellige Summen den Besitzer. Rund 2.500 Euro kostet dann das Tier zusätzlich im Monat für Futter, Unterbringung, Trainer, Tierarzt und so weiter.

Aber es gibt auch die andere Seite, nämlich die Pferdepfleger, die bei diesem exklusiven Sport nur mit dem Herzen dabei sind. Sie interessieren die monetären Gewinne und Trophäen kaum. Ihnen geht es um das Wohl ihres Schützlings, mit dem sie so eng betraut sind wie außer dem Trainer kein anderer. Katja Heckmann ist so eine Pflegerin.

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Sie weiß ganz genau über ihren „Tassolino“, wie sie ihn liebevoll nennt, Bescheid. MOIN.DE traf die gelernte Tierarzthelferin im Stall ihres Champions vor dem Derby.

MOIN.DE: Wie beschreiben Sie Torquator Tassos Charakter?

Katja Heckmann: Er hat es faustdick hinter den Ohren und ist immer noch ein kleiner Kasperkopf, der gern mal herumalbert. Er ist charakterstark und sehr ausgeglichen. Den stresst so leicht nichts. Aber vor allem weiß er, dass er richtig gut ist. Das merkt man einem Pferd wirklich an.

Wie denn das?

Er ist sehr selbstbewusst. Wenn er sich vor dem Rennen im Führring mit den Konkurrenten präsentiert, dann kommt er sinnbildlich mit geschwollener Brust daher. Wenn eine Stute vor ihm ist, ist ihm das völlig egal. Er merkt an dem ganzen Prozedere, dass es gleich auf die Rennbahn geht und er dann alles geben wird.

Was frisst er am liebsten?

Äpfel und Möhren sind seine Leckerlies. Hafer macht zu 90 Prozent sein tägliches Kraftfutter aus. Dazu gibt’s Heu, Elektrolyte, Maisflocken und Öle.

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Das ist Torquator Tasso:

  • Vollblut Torquator Tasso wurde am 21.4.2017 geboren.
  • Er hat berühmte Rennpferd-Eltern.
  • Seine Mutter heißt Tijuana, sein Vater Adlerflug.
  • Er gehört dem Gestüt Auenquelle.
  • Sein Züchter heißt Paul H. Vandeberg.
  • Sein Trainer ist Marcel Weiß.
  • 2020 gewann er bei sechs Rennen insgesamt 236.800 Euro.

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Wie wird er täglich trainiert?

Morgens geht’s mit allen Pferden aus den Ställen. Dann macht Torquator Tassos Reiter ihn im sogenannten Trabring locker. Danach geht es auf die Rennbahn zum Galopp. Mal langsames, mal schnelleres Tempo. Zum Schluss läuft er langsamer, um runterzukühlen. So kommen täglich zehn Kilometer Renntraining zusammen.

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Wie lange kann er als Hochleistungspferd Rennen bestreiten?

Theoretisch bis zum 13. Lebensjahr, aber bei ganz guten Pferden mit seinem hohen Niveau ist es bis zum 5., 6. oder 7. Lebensjahr realistisch. Zum Ende des 4. und 5. Lebensjahrs wird der Besitzer entschieden, ob er Deckhengst wird. Dann wäre gleichzeitig seine Laufbahn beendet. Denn die Deckhengst-Saison von Februar bis Mai ist so kräftezehrend, dass er nicht mehr trainieren könnte.

Es könnte ja sein, dass ihr Liebling mal verkauft wird. Wie gehen Sie damit um?

Gott sei Dank wurden alle Abkaufversuche bisher abgewehrt. Es gab viele Anfragen für ihn. Ich wünsche mir sehr, dass Torquator Tassos Besitzer auch dabei bleibt. Denn unsere Bindung ist eng. Manchmal bin ich auch nachts bei ihm im Stall. Heute Morgen hab ich ihn um halb vier im Liegen gefüttert, weil er noch so verschlafen war. Das ist so seine Eigenart.

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Welche sind die nächsten Pläne?

Wir liebäugeln mit dem großen Galopprennen Prix de l’Arc de Triomphe im Oktober in Frankreich. Da werde ich dann mit Tassolino in seiner Box schlafen. Damit ich weiß, dass es ihm gut geht. Aber auch aus Sicherheitsgründen, damit sich ihm nicht einer nähert, der nichts Gutes im Schilde führt, obwohl die Pferde durch Security top überwacht werden. Aber es gibt mir einfach ein besseres Gefühl.

(Tickets für das Derby gibt es unter www.galopp-hamburg.de)