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Tierheim in Hamburg am Limit – Experte mit düsterer Prognose! „Rollt einiges auf uns zu“

Sein Tierheim in Hamburg ist überfüllt – Frank Weber, bekannt durch „hundkatzemaus“ auf VOX, findet bestürzende Worte.

© IMAGO / Eventpress & picture alliance/dpa

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Die Tierheime in Hamburg sind überfüllt – und das insbesondere nach Weihnachten. Die Festtage stehen zwar noch bevor, doch der Trend erreichte bereits im vergangenen Jahr ein gefährliches Ausmaß… Und inzwischen kommt noch ein weiteres Problem hinzu.

Immer öfter werden in Hamburg Hunde abgegeben, die außer Kontrolle sind und zu einer echten Gefahr werden. Die Gründe dafür liegen für Frank Weber, der auch regelmäßig die TV-Sendung „Hundkatzemaus“ auf VOX zu sehen ist, klar auf der Hand. Der Leiter des Franziskus Tierheims macht gegenüber MOIN.DE eine düstere Prognose.

Hamburg: Tier und Mensch am Limit

„Da rollt noch einiges auf uns zu“, fürchtet Frank Weber. Im Gespräch mit MOIN.DE zeichnet der leidenschaftliche Tierschützer ein düsteres Bild zur Lage in seinem Tierheim.

„Viele wissen gar nicht, was sie sich da angeschafft haben“ meint Weber. In seinem Tierheim werden immer häufiger Hunde abgegeben, die stark verhaltensauffällig seien. Sie beißen um sich und können sich nur schlecht anpassen.

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Das Problem sieht der Heidelberger, der sich schon seit Jahren im Tierschutz engagiert, jedoch nicht bei den Vierbeinern, sondern bei den Haltern. Insgesamt sei die Entwicklung höchst „bedenklich“ schildert er im Gespräch. „Viele haben die Erziehung nicht richtig hingekriegt“ meint er – doch die dramatische Entwicklung beginne schon viel früher.

Hamburg: „Das ist eine Entfernung zur Natur“

Frank Weber meint, viele Menschen machten sich heutzutage ein falsches Bild von Hunden als Haustier. „Hunde sollen heutzutage Familienmitglied, Kumpel oder Partnerersatz sein. Das ist eine Entfernung zur Natur“ sagt er.

So seien Neubesitzer beispielsweise schnell überfordert, wenn der frisch angeschaffte Vierbeiner beispielsweise anfange zu bellen, wenn Besuch käme. Dieses Verhalten, sei nicht verwerflich. Früher wurden Hunde häufig als Wachhunde gehalten und es sei völlig normal, das insbesondere stark verwöhnte Hunde Haus und Hof verteidigten.

Richtig problematisch sei es für die Tiere, dass sich vermehrt die Haltung durchsetze, bei kleinsten Auffälligkeiten beim Tierheim vorstellig zu werden. „Dann bringste den halt ins Tierheim“ ist nach Webers Meinung eine Aussage, die nicht selten unter frisch gebackenen Hundehaltern falle.

Die Lage in Hamburg spitzt sich zu

Die Lage spitzt sich deshalb nicht nur im Franziskus-Tierheim in Hamburg-Lokstedt dramatisch zu. Weber berichtet von einem merklichen Anstieg von jungen Hunden, die in seiner Institution landeten, und schwer zu vermitteln seien.

Bei der Vermittlung achte er und sein Team besonders darauf, dass der Hund auch wirklich ins Gefüge passe, also mit dem Halter harmoniert. Damit will Frank Weber bewusst einen Gegenpol zum florierenden Internethandel schaffen.

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Auf zahlreichen Online-Portalen werden deutschlandweit privat Hunde vermittelt, für Weber eine Katastrophe. „Da verlieben sich Menschen in Fotos von Hunden, dann legen sie Geld auf den Tisch und wissen nicht, was sie sich da angeschafft haben“, erzählt er merklich aufgebracht.

Hamburg: „Traurig, was die Leute sich unter einem Tierheim vorstellen“

In letzter Konsequenz stehen die verzweifelten Besitzer dann vor seinem oder anderen Tierheimen der Stadt. Doch auch hier machten sich oft falsche Vorstellungen breit. „Traurig, was die Leute sich unter einem Tierheim vorstellen“, erzählt der gebürtige Heidelberger.

Frank Weber ist Leiter des Franziskus- Tierheims in Hamburg.
Frank Weber ist Leiter des Franziskus- Tierheims in Hamburg.
Foto: picture alliance / Eventpress

Viele sähen in den Institutionen eine Möglichkeit, sich aus der Verantwortung zu stehlen. „Ich habe da wirklich die Verantwortung für ein Lebewesen, ein Leben lang“ mahnt er. Darüber machten sich viele keine Gedanken.

Doch nicht alle Besucher des Franziskus-Tierheimes teilten diese Einstellung, sagt Weber – und auch für überforderte Hundehalter hat er Verständnis. „Das hat mit der Lifestyle-Industrie zu tun“, erzählt er traurig, „Es ist halt schick, in die Hundeschule zu gehen und das ist auch gut. Aber viele Hundetrainer werden heute zu Helden hochstilisiert“.

Hamburg: Frank Weber empfiehlt einfachen Trick

Frank Weber empfiehlt einen einfachen Trick. „Einfach mal ‚Nein‘ sagen.“ Im Umgang mit Hunden, wie auch beim Menschen, sei antiautoritäre Erziehung wenig hilfreich.

Dabei ginge es nicht darum, besonders hart aufzutreten – dennoch sollten Grenzen gesetzt werden. „Der Hund muss den Umgang mit Frustration erst lernen – genauso wie der Mensch“ gibt Weber noch mit auf den Weg.

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Sorgen bereitet ihm jedoch, dass im Internethandel unheimlich viel Geld umgesetzt wird. „Das ist eine ganz unschöne Situation“, denn den Tierheimen fehle es auf der anderen Seite oft an Geld – dabei sei die umfassende Pflege der Tiere viel aufwendiger und dabei für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Froh ist Frank Weber darüber, dass es in den vergangenen Jahrzehnten auch positive Entwicklungen gegeben hat. So erzählt er, dass zu seiner Jugendzeit noch Hundewelpen mit der Post verschickt wurden. „Da hat sich die Einstellung schon geändert“. Doch ob zukünftig tatsächlich weniger Hunde im Internet verkauft werden, die letztendlich doch in Tierheimen landen, bleibt fraglich. (wip)