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Hamburg: Menschen genervt von Verkehrssündern! Deshalb greifen sie zu einer krassen Maßnahme – „Zum Kotzen“

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In Hamburg regen sich die Menschen über Falschparker auf – und greifen deshalb zu einer krassen Maßnahme (Symbolbild). Foto: imago images/teamwork & imago images/Cavan Images

Ob Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer – der Verkehr in Hamburg ist für alle Teilnehmer immer wieder ein leidiges Thema. Der Ärger über Verkehrssünder, insbesondere Falschparker, ist groß.

„Leider müssen wir feststellen, dass Parkverstöße im ruhenden Verkehr zugenommen haben“, sagt Dennis Krämer, Sprecher der Verkehrsbehörde Hamburg. Das wollten die Einwohner der Hansestadt nicht hinnehmen und greifen deshalb zu einer krassen Maßnahme.

Hamburg: Bürger zeigen Falschparker an

Immer mehr Privatpersonen erstatten Anzeige gegen Falschparker. Das zeigt eine Statistik der Bußgeldstelle. Dort werden alle Mails von Bürgern erfasst, die Verkehrssünder im ruhenden und fließenden Verkehr anzeigen.

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2017 gingen rund 22.800 Nachrichten ein, 2020 hingegen zählte die Bußgeldstelle satte 66.200 Mails. Das liegt vor allem an Smartphone-Apps und Online-Tools „und der grundsätzlich, in den vergangenen Jahren zunehmenden, vereinfachten Online-Kommunikation durch Privatpersonen“, sagt Matthias Krumm, Sprecher der Bußgeldstelle dem „Hamburger Abendblatt“.

Eines dieser Tools kommt von einem Hamburger Unternehmen und nennt sich „Weg.li“. Nutzer können ein Profil anlegen und bei einem Parkverstoß ein Beweisfoto hochladen. Das Programm ergänzt automatisch Datum, Uhrzeit, Umgebungsdaten, Kennzeichen, Ort, Fahrzeugtyp und -farbe.

Riesige Debatte in Hamburg

Die Bußgeldstelle prüft die Anzeigen. Zum Verfahren kommt es aber nur, wenn eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit bestand, etwa für Fußgänger, Radfahrer oder Menschen im Rollstuhl.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Außerdem braucht es die Personalien des Anzeigenden. Fehlen die Daten, wird der Anzeige nicht weiter nachgegangen. Unter den Hamburgern sorgt das Thema für heftige Diskussionen. „Eine super Sache“, kommentiert beispielsweise ein Mann bei Facebook den Bericht des „Abendblatts“.

Wer sich nicht an die Straßenverkehrsordnung halte, müsse „als erwachsener Mensch auch die Konsequenzen ertragen können“, findet ein weiterer Mann. „Zuparken von Rad- und Fußwegen ist eben kein Kavaliersdelikt“, merkt ein anderer Hamburger an und fordert ein konsequenteres Vorgehen der Polizei.

Eine Frau weist darauf hin, dass es sinnvoll sei, Falschparker anzuzeigen, wenn sie mit ihren Wagen beispielsweise Feuerwehreinfahrten blockieren „und damit andere Leute in Gefahr bringen“. Andere Menschen wiederum regen sich über „die alte deutsche Tradition des Denunziantentums“ auf.

Denunziantentum in Hamburg?

„Das ist echt zum Kotzen“, schreibt etwa ein Mann. „Diese Gesellschaft verwahrlost immer mehr.“ Dem stimmt eine Frau zu. Es sei ein Problem, „dass es salonfähig wird, andere zu bespitzeln und zu maßregeln.“

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„Das Denunzieren liegt nun mal in der deutschen DNA“, kommentiert auch ein Mann. „Warum also nicht auch eine App dafür nutzen?“, fragt er sich. Wieder andere stört es, dass man das Falschverhalten von Fahrradfahrern nicht anzeigen kann.

Wenn die hunderte von Kommentaren vor allem eines zeigen, dann, dass das Thema stark polarisiert. 20.000 Euro hat die Stadt Hamburg in diesem Jahr bereits durch unzulässiges Parken eingenommen.

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In Zukunft könnte es sogar noch mehr werden. Ein neuer Bußgeldkatalog der noch vom Bundesrat verabschiedet werden muss, könnte verbotswidriges Parken auf Rad- und Gehwegen statt mit 35 Euro mit bis zu 110 Euro bestrafen. Ob das die Autofahrer in Zukunft am falschparken hindert, wird sich zeigen. (lh)