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„Böhse Onkelz“-Konzert in Hamburg: Fan verlässt entsetzt die Halle – „F*** euch“

Ein Konzert von "Böhse Onkelz" (Archivfoto). Foto: IMAGO / Beautiful Sports

Es ist seit Jahrzehnten bekannt und doch flammen die Diskussionen um die Band „Böhse Onkelz“ immer wieder auf. Erst recht, wenn sich Tausende Fans mal wieder zu einem Konzert zusammenfinden. So wie am 13. September in Hamburg in der Barclays Arena.

Die Band, die in ihrer Anfangszeit in den 1980er-Jahren mit rassistischen Texten negativ auffiel und sich später Mühe gab, vom rechten Image wegzukommen, hat nach wie vor ein stramm rechtes Problem. Und das liegt, zumindest auf den ersten Blick, hauptsächlich an manchen „Böhse Onkelz“-Fans. Einem Anhänger beim Konzert in Hamburg reichte es jetzt.

„Böhse Onkelz“-Konzert in Hamburg: Vorbelastete Band

Die Diskussion darum, ob die Band „Böhse Onkelz“ nun rassistisch und/oder rechtsextrem ist, gibt es seit vier Jahrzehnten. Ob man ihnen die Distanzierungen abnimmt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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So setzte die Band 1993 mit dem Song „Deutschland im Herbst“ ein eindeutiges Zeichen gegen Nazis. Anlass waren die rechtsradikalen Attacken in Rostock-Lichtenhagen. So heißt es in dem Song unter anderem:

Ich sehe alle gegen alle, Jeder gegen Jeden, keine Achtung vor sich selbst, keine Achtung vor dem Leben, ich sehe blinden Hass, blinde Wut, feige Morde, Kinderblut, ich sehe braune Scheiße töten, ich sehe Dich, Deutschland im Herbst.

Songtext „Deutschland im Herbst“ von „Böhse Onkelz“

Auch trat die Band bei Konzerten gegen Rechtsextremismus auf. Das alles hält aber zahlreiche rechts- oder rechtsextrem gesinnte Menschen nicht davon ab, „Böhse Onkelz“ zu hören, zu lieben und ihre Konzerte zu besuchen.

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Wurde in Hamburg geboren: Der umstrittene „Böhse Onkelz“-Frontmann Kevin Russell (Archivfoto). Foto: IMAGO / osnapix

Das sind die Böhsen Onkelz:

  • Die Böhsen Onkelz wurden 1980 gegründet
  • Sie bestehen aus Kevin Russell, Stephan Weidner, Matthias Röhr und Peter Schorowsky
  • Ihre Tour 2022 führt die Onkelz unter anderem noch nach Köln und Hamburg
  • Die Tickets sind meist in Windeseile ausverkauft

„Böhse Onkelz“: Fan hat genug

Wird die Band mit rechten Tendenzen in Verbindung gebracht, gibt es regelmäßig einen großen Aufschrei in Teilen der Anhängerschaft. Beim Verweis darauf, dass diese sich ja regelmäßig von rechtem Gedankengut distanzieren, vergessen viele, dass es oft nicht um die Band selbst geht, sondern um die Menschen, die um einen herum auf Konzerten und Co. stehen.

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Dass dort rechtes Gedankengut unterwegs ist, ist allgemeinhin bekannt. Auch wenn sich so einige Fans der „Böhsen Onkelz“ immer wieder größte Mühe geben, dies abzustreiten. „Beim Fußball sieht man mehr Leute mit solcher Gesinnung als auf den Konzerten, selbst im Bundestag ist die Quote höher“, meint zum Beispiel ein Fan in einer Diskussion. In einer anderen Meinung ist von einer „Handvoll Idioten“ die Rede.

Dass das nichts weiter als Untertreibungen sind, hören viele nicht gerne. Es kommt auch vor, dass sich Anhänger bei Konzerten untereinander in die Haare kriegen, weil Fans ihre Stimme gegen Rechts erheben.

Beim „Böhse Onkelz“-Konzert in Hamburg meldete sich noch während des Auftritts ein Zuschauer auf der Facebook-Seite der Band mit einem drastischen Kommentar:

Ich geh dann jetzt mal nach Hause. Nach nicht mal zehn Songs. Stephans Ansage geht mir hart gegen den Strich. „Hier stehen viele verschiedene Menschen, die nur die Onkelz vereinen. Wir akzeptieren und respektieren jede dieser Meinungen und hier wird keiner rausgeschmissen, geschubst oder getreten.“

„Böhse Onkelz“-Konzert in Hamburg: „F**** euch“

Für den wütenden Fan beinhaltet sie, „dass er Nazis im Publikum akzeptiert, respektiert und sich freut, an denen Geld zu verdienen. Mit der Ansage seid ihr gestorben. F**** euch Onkelz.“

Ein anderer Fan schreitet ein und antwortet: „Ich war auf einigen Konzerten. Und er hat sich verdammt oft gegen rechts positioniert. Zum Beispiel 2015 in Hockenheim. Als farbige Mitarbeiter am Bierstand angepöbelt wurden, hat er eine klare Ansage gemacht. Diese wurden auch vom Konzert verwiesen.“

Der wütende Fan, der das Konzert verließ, stellt die steile These auf, dass nach seinem Gefühl bei 13.000 Zuschauern „gute 5.000 bis 6.000“ rechte Meinungen unterwegs wären.

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„Böhse Onkelz“-Konzert in Hamburg: Ganze Wahrheit wird nie feststellbar sein

Wie viele es nun tatsächlich sind, wir wohl nie jemand rausfinden können. Auf einem anderen Kanal berichtet ein Twitter-Nutzer, er sitze dank des „Böhse Onkelz“-Konzertes in Hamburg angeblich „in ’nem Zug voller Faschos“.

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Wer sich durch die Profile von Menschen klickt, die Beiträge der „Onkelz“ kommentieren oder liken, sieht immer wieder „Gefällt mir“-Angaben bei rechten oder rechtsextremen Parteien, Politikern, Bands oder Medien.

Wie sehr sympathisierend oder nicht die „Böhsen Onkelz“ selbst und ihre Anhängerschaft mit rechtem und/oder rechtsextremen Gedankengut sind, könnte auch die nächsten Jahrzehnte noch Thema sein.

Anmerkung der Redaktion: Der Begriff „farbig“, wie er oben in einem Zitat erscheint, wird heutzutage nicht mehr verwendet, was vielen Menschen nicht bewusst ist. Laut „Amnesty International“ ist es ein kolonialistischer Begriff und damit negativ konnotiert. Eine Alternative ist die Selbstbezeichnung „People of Color“.