Camping-Boom: Verband warnt vor heftigen Konsequenzen – „Krasses Missverhältnis“

Camping-Plätze sind überfüllt – das hat Folgen
Camping-Plätze sind überfüllt – das hat Folgen
Foto: IMAGO / bonn-sequenz

Die Wohnmobil-Messe „Caravan Salon 2021“ hat seit Freitag für Camping-Fans geöffnet. Ausgestellt werden unter anderem die neusten Freizeit-Fahrzeuge und ihr Zubehör.

Sicherlich freuen sich viele über den Beginn der Messe. Sie ist aber auch Anlass, um Kritik an der aktuellen Camping-Situation zu äußern. Dabei wird auch eine deutliche Warnung ausgesprochen.

Camping-Boom bereitet Sorgen

Urlaub im Wohnmobil oder Wohnwagen boomt aktuell. Davon ist auch der Geschäftsführer des TÜV-Verbands Dr. Joachim Bühler überzeugt. Doch das sei auch ein Grund zur Sorge, denn der schleppende Ausbau der Camping-Infrastruktur stünde im krassen Missverhältnis zu rasant steigenden Zulassungszahlen von Reisemobilen und Wohnwagen, wird Bühler in einer Pressemitteilung zitiert.

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Camping-Urlaub angesagt wie nie – das steckt dahinter:

  • Der Begriff Camping umfasst eine sehr breite Spanne von Aktivitäten. Ihnen allen ist gemeinsam, nicht in Gebäuden zu übernachten, sondern in der Natur.
  • Die Urlauber schlafen in Zelten, Hängematten, Wohnwagen oder Wohnmobilen, in Dachzelten oder ausgebauten Vans. Wird in Zelten gecampt, so spricht man auch von Zelten.
  • Camping wurde Anfang des 20. Jahrhunderts populär und ist mittlerweile eine weitverbreitete Urlaubs- und Reiseform.
  • In den meisten Ländern Europas ist Camping außerhalb dafür vorgesehener Einrichtungen (wildes Campen) nicht erlaubt oder nur unter strengen Auflagen gestattet.
  • 2016 gab es in Deutschland 2919 Campingplätze mit einer Anzahl von etwa 220.000 Stellplätzen.
  • Im Jahr 2016 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 9 Millionen Gästeankünfte auf deutschen Campingplätzen mit insgesamt etwa 30,5 Millionen Übernachtungen gezählt.
  • Gäste aus dem Inland machten mit etwa 7,5 Millionen Ankünften (etwa 83 Prozent aller Ankünfte) und etwa 26 Millionen Übernachtungen (etwa 86 Prozent aller Übernachtungen) den größten Teil der Campingtouristen aus.
  • Die Niederländer waren 2016 die mit Abstand wichtigste Gästegruppe unter den ausländischen Campingtouristen: Etwa jeder zweite ausländische Gast auf deutschen Campingplätzen kam aus den Niederlanden.

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208.000 Stellplätze stünden gegenüber mehr als 1,8 Millionen Campingfahrzeugen. Die Zahl steigt weiter, denn alleine im letzten Jahr wurden 78.000 Wohnmobile in Deutschland neu zugelassen.

Dieser Trend würde viele Kommunen an die Belastungsgrenze bringen und schade außerdem der Umwelt, warnt Bühler. Die Folgen des Missverhältnisses würden sich in der Natur an unsachgerecht entleerten Chemietoiletten, zurückgelassenen Müllbergen und illegalen Lagerfeuern zeigen.

+++ Sankt Peter-Ording (SPO): Dieses Problem macht nun auch dem Urlaubsort zu schaffen – „Unmöglich“ +++

Wildcamping wird zum Problem

Auch Wildcampen werde dadurch immer häufiger zu einem Problem. Man möge sich nicht vorstellen, was wohl passieren würde, wenn der Camping-Boom so weiter geht, ohne dass die Infrastruktur gut genug ausgebaut ist.

Um dieser Krise entgegenzuwirken, schlägt der Geschäftsführer der TÜV-Verbandes vor, bereits bestehende Rasthöfe und Raststätten besser auszustatten, beispielsweise mit Anlagen zur Abwasser- und Müllentsorgung.

Camping: Hier muss Deutschland nachholen!

Andere europäische Länder seien bereits deutlich weiter in der Camping-Infrastruktur. Für Deutschland bestünde hier eindeutig Nachholbedarf.

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Einen Weg, dem Camping-Boom entgegen zu kommen gibt es schon. Es werden immer mehr private Stellplätze vermietet, die überfüllte Camping-Plätze entlasten können. Hier mehr dazu >> (fk)