Kiel: Stadt vertreibt beliebten Traditionsbetrieb – Einwohnern passt das gar nicht

Ärger in Kiel.
Ärger in Kiel.
Foto: imago images/Werner Otto

Traurige Nachrichten für Einwohner in Kiel: Die Stadt hat es tatsächlich geschafft, einen beliebten Traditionsbetrieb zu vertreiben.

Doch beliebt macht sich die Stadt Kiel damit nicht gerade, denn die Ankündigung passt Menschen so gar nicht.

Kiel: Nach 20 Jahren ist hier Schluss

Knappe 20 Jahre gebe es die mobile Fischräucherei am Kieler Bootshafen schon. Erst 2018 sei der Verkaufsstand ausgetauscht worden und seit dem würden Passanten live dabei zusehen können, wie in der neuen Holzhütte Fisch geräuchert werde, berichten die „Kieler Nachrichten“.

Doch mit alldem ist bald Schluss. Denn der Vertrag für die Standmiete laufe nun aus und die Stadt Kiel habe sich dazu entschieden, den Vertrag nicht zu verlängern. „Ich kann nicht verstehen, warum die letzte Fischräucherei aus der Innenstadt verschwinden soll“, sagt Mitarbeiter Peter Tinter.

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Das ist Kiel:

  • Kiel ist Landeshauptstadt und auch bevölkerungsreichste Stadt von Schleswig-Holstein
  • Hier leben rund 246.300 Menschen
  • Die Stadt ist ein bedeutender Stützpunkt der Marine
  • Kiel ist bekannt für den Handballverein THW Kiel und den Fußballclub Holstein Kiel
  • Jährlich lockt die Kieler Woche viele Besucher an

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Warum muss der Stand Kiel verlassen?

„Wir wären sehr gerne geblieben“, bedauert er. Mit dem Stand verschwinden Stremellachs, Brathering und Matjes aus Kiel. In der Innenstadt gebe es dann nur noch „Fischmaxx“.

Die Stadt begründe ihre Entscheidung mit der Umgestaltung des Holstenfleets und des Bootshafens. Ein Stadtsprecher erklärt den „Kieler Nachrichten“, seit der Umgestaltung des Bootshafens „sollen die attraktiven Uferterrassen von den ansässigen Gastronomie-Betrieben und für Veranstaltung zur Belebung der Innenstadt genutzt werden.“

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FDP in Kiel kritisiert die Stadt

Eine mobile Fischräucherei passt dann anscheinend nicht mehr ins moderne Stadtbild.

Die Sprecherin für Stadtentwicklung der FDP-Ratsfraktion, Christina Musculus-Stahnke, kritisiert die Entscheidung der Stadt in einer Pressemitteilung: „Für die einzige Landeshauptstadt am Meer gehört ein Fischangebot in zentraler Lage einfach dazu.“

Stand in Kiel „war ein Unikat“

Es sei richtig, die Qualität des Stadtbilds erhöhen zu wollen. „Aber dies darf nicht dazu führen, gastronomische Vielfalt und unternehmerisches Engagement auszubremsen.“

FDP Landtagsabgeordneter Dennys Bornhöft äußert sich unter dem Artikel auf Facebook ebenfalls kritisch zu der Entscheidung der Stadt. „Das ist sehr schade“, kommentiert er. „Dieser Stand war ein Unikat“, beschreibt Bornhöft die mobile Fischräucherei.

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Einheimische aus Kiel sind fassungslos

Auch vielen Einheimischen passt es nicht, dass der Vertrag von der Stadt bewusst nicht verlängert wird. Das wird in den Kommentaren unter dem Artikel auf Facebook deutlich. „Das ist doch absoluter Blödsinn“, schreibt einer. Da „kann man nur den Kopf schütteln.“

Eine Frau verurteilt das Vorgehen der Stadt als „eine völlig sinnfreie Entscheidung“, während eine andere noch deutlicher wird: „Kiel zeigt mal wieder sein Talent, sich durch diese schwachsinnige Aktion ins Aus zu befördern und noch mehr Einheimische und Touristen aus der Innenstadt zu vertreiben.“

Auch in einer Facebook-Gruppe für Kieler wird sich heftig aufgeregt. Ein Mann findet die Entscheidung „vollkommen unverständlich“, während ein anderer sich ärgert, dass es „stattdessen mehr Franchisedreck, der Mindestlöhne zahlt und keine Touristen in die Stadt lockt“, geben würde.

Gibt es noch Hoffnung für den Stand aus Kiel?

Dass die mobile Fischräucherei ihren Stand nicht länger am Bootshafen haben darf, beschreiben viele auch als „traurig“.

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Doch einen Lichtblick gibt es vielleicht noch, denn die Standbetreiber geben nicht auf. „Wir werden einen neuen Standort suchen“, verspricht Trinter den „Kieler Nachrichten“. Das ist doch wenigstens etwas. (fk)