Kiel: Neubau sorgt für Entsetzen – „Wir sind schockiert“

Die Levensauer Hochbrücke wird neu gebaut – für deutlich mehr Geld als geplant.
Die Levensauer Hochbrücke wird neu gebaut – für deutlich mehr Geld als geplant.
Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Dieter Moebus

Nachdem vor ein paar Tagen eine extreme Kostenexplosion in Kiel bekannt wurde, herrscht mächtig Aufruhr in der Landeshauptstadt.

Die Levensauer Hochbrücke über dem Nord-Ostsee-Kanal wird statt der vorgesehenen 47 nun wohl 215 Millionen Euro kosten. Der Grund: Der Schutz von Fledermäusen, die sich in Teilen der Brücke für ihr Winterquartier niedergelassen haben: Deswegen wird die Brücke komplett neu geplant(MOIN.DE berichtete). In Kiel und dem restlichen Teil des Landes sorgt das Ganze für Entsetzen, besonders beim Bund der Steuerzahler.

Kiel: Bund der Steuerzahler stinksauer

Der ist ja bekanntlich an erster Stelle, wenn es darum geht, Steuergeldverschwendung anzuprangern. Und so ein Fall wie jener in Kiel lässt dort natürlich niemanden kalt. Der Geschäftsführer des Bundes der Steuerzahler in Schleswig-Holstein fand nun sehr deutliche Worte.

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„Wir sind schockiert, für eine derartige Fehlplanung fehlt uns jegliches Verständnis“, sagte Rainer Kersten den „Kieler Nachrichten". Er meint, man müsse den Fledermäusen für den Winter ein anderes, kostengünstiges Quartier zur Verfügung stellen. Zum Beispiel in Form eines Gebäudes in der Nähe der Levensauer Hochbrücke.

Und er geht noch weiter. Denn die Brücke in Kiel ist längst nicht das einzige Projekt, welches sich extrem verteuert. Schon beim Kanaltunnel in Rendsburg und der Schleuse in Brunsbüttel, die plötzlich Hunderte von Millionen Euro mehr kostete, musste ordentlich draufgezahlt werden.

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Kiel: Scharfe Kritik an Behörde

Verantwortlich für die Bauten: Die Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung (WSV). „Wir haben den Eindruck, dass die WSV mit dem Ausbau der Oststrecke überfordert ist“, sagt Kersten den „Kieler Nachrichten". Damit ist der östliche Teil des Nord-Ostsee-Kanals bei Kiel gemeint, der wegen Engpässen ausgebaut werden soll.

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Das ist Kiel:

  • Kiel ist Landeshauptstadt und auch bevölkerungsreichste Stadt von Schleswig-Holstein
  • Hier leben rund 246.300 Menschen
  • Die Stadt ist ein bedeutender Stützpunkt der Marine
  • Kiel ist bekannt für den Handballverein THW Kiel und den Fußballclub Holstein Kiel
  • Jährlich lockt die Kieler Woche viele Besucher an

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Der Bund der Steuerzahler fordert, dass das Bundesverkehrsministerium für Kompetenz sorgt. Entweder durch eine andere Behörde oder durch Experten vom freien Markt. Das Bundesministerium wird von Andreas Scheuer (CSU) geführt, der in der Vergangenheit immer wieder wegen des Ausgebens von Steuergeldern in der Kritik stand, zum Beispiel für die gescheiterte Pkw-Maut.

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In Sozialen Netzwerken wird das Aus der Levensauer Hochbrücke viel diskutiert. Einige glauben, dass die Kostensteigerung längst nicht das Ende sei und mit dem Beginn der Bauarbeiten weitere hinzukämen. Auch fragen sich viele Menschen, ob es nicht tatsächlich eine Möglichkeit geben könnte, die Fledermäuse anderweitig sicher und artgerecht unterzubringen.

Kiel nicht das letzte Projekt in SH?

Weitere Menschen fordern sogar Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft oder fürchten sich um weitere Großprojekte. Denn bei Rendsburg steht der wichtige Neubau der Rader Hochbrücke über die A7 an, außerdem haben die ersten Arbeiten für den Fehmarnbelttunnel und die dazugehörigen Zufahrtsstrecken begonnen.

„Das Schlimme ist einfach das man sich an solche Meldungen gewöhnt hat und das Ganze System geworden ist", heißt es in einem Kommentar auf Facebook. Der BER-Flughafen bei Berlin, die Elbphilharmonie oder das „Haus der Erde" in Hamburg, es gibt viele weitere Negativ-Beispiele in Deutschland.

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Eines dürfte sicher sein: Der Bund der Steuerzahler wird die Levensauer Hochbrücke mit Sicherheit in sein Schwarzbuch als extremes Negativbeispiel aufnehmen. Bleibt zu hoffen, dass die Rader Hochbrücke oder die Arbeiten, die Deutschland im Zusammenhang mit dem Fehmarnbelttunnel bezahlen muss (einen großen Teil übernimmt Dänemark), nicht dort landen. (rg)