Lübeck: Mann betritt geheimen Ort und zeigt, was sonst keiner sehen darf

In direkter Umgebung der Ägidienkirche in Lübeck liegt ein verborgener Ort.
In direkter Umgebung der Ägidienkirche in Lübeck liegt ein verborgener Ort.
Foto: IMAGO / Westend61

„Sehr aufregend“ sei es, durch eine ganz bestimmte Tür in der Altstadt von Lübeck zu gehen, sagt der Logenbruder Alexander Berckhan in einem Bericht des NDR. Warum? Weil die Tür alles andere als gewöhnlich ist und nur ganz wenige Menschen jemals durch sie hindurchkommen.

Die unteren Fenster des zweigeschossigen Backsteinhauses an der Ecke neben der Ägidienkirche sind verhangen, die Mauern dick, der Eingang massiv. Doch Neugierige werden sehen, dass es hier in Lübeck etwas Besonderes gibt.

Große Ausnahme in Lübeck

Denn es sind Symbole zu erkennen, die Abbildungen von Winkelmaß und Zirkel sowie einem Gottesauge im Dreieck. Die wohl bekanntesten Erkennungszeichen der Freimaurer. Und tatsächlich hat die fast 250 Jahre alte Johannis-Loge „Zum Füllhorn" hier ihren Sitz. Außenstehende dürfen normalerweise nicht rein. Für den Sender wurde allerdings eine Ausnahme gemacht.

Innendrinnen sind Männer in schwarzen Anzügen und weißen Hemden zu sehen – sie tragen weiße Fliegen und weiße Handschuhe, schwarze Zylinder. Für den NDR wurde eine Zeremonie nachgestellt. „Wir wollen uns ganz auf uns selbst besinnen“, sagt Wolfgang Reichow, einer der ältesten Logenbrüder. Er arbeitet im Lübecker Logenhaus schon seit 50 Jahren an seinem Geist. „Ich bin hier vom Kopfmenschen zum Herzmenschen geworden“, erklärt der 85-Jährige.

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Er könne sich in jeder Lebenslage jetzt voll und ganz auf sein Herz und sein Bauchgefühl verlassen und sei nicht mehr so kopfgesteuert wie früher. Gelernt habe er das in den Ritualen. „Das ist Bewusstseinstraining, das bei jedem Rituale wiederholt wird“, so Reichow zum NDR.

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Lübeck: Freimaurer ärgern sich über Verschwörungsmythen

Über Freimaurer gibt es viele Verschwörungsmythen. „Dass der Papst unser größer Feind ist, wir die Weltmacht haben wollen oder dass in den Ritualen angeblich Ziegenköpfe rollen und Blut fließt, das ist lachhaft!“, ärgert sich Alexander Berckhan.

Auch dass die Loge ein Ort nur für mächtige Männer mit großem Geldbeutel sei, die hier Geschäfte machen wollten, sei frei erfunden, sagt Zeremonienmeister Björn Hasselmeier. Es gehe in der Loge um innere Werte, nicht um weltliche Vorteile.

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Wer neu zu den Freimaurern aufgenommen wird, darf später nicht verraten, was im Aufnahmeritual passiert. Auch sollten sie daran glaube, dass es eine höhere Macht gibt. 100 Brüder gibt es in Lübeck, darunter Tischler, Rechtsanwälte und Ärzte. Frauen können nicht Mitglied werden.

Wie es drinnen bei den Freimaurern aussieht, kannst du >>> hier beim NDR sehen. (rg)