Ostsee vor „großer Herausforderung“ – dieses Problem soll endlich bekämpft werden

Strandbesucher bei Regen an der Ostsee.
Strandbesucher bei Regen an der Ostsee.
Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Eine schockierende Zahl: Laut dem Umweltministerium Schleswig-Holstein gelten 97 Prozent der Ostsee als überdüngt. Ein enormes Problem, gegen das nun endlich etwas unternommen werden soll.

Konkrete Pläne wird die sogenannten Helsinki-Kommission (Helcom) am 19. und 20. Oktober in Lübeck ausarbeiten. Die Bekämpfung der Überdüngung der Ostsee bleibe Hauptaufgabe, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) am Dienstag in Kiel.

Ostsee: „Große Herausforderung“

2007 hatten sich die in der Helcom zusammengeschlossenen Ostsee-Anrainer auf ein Aktionsprogramm verständigt mit dem Ziel, bis 2021 einen guten ökologischen Zustand der Ostsee zu erreichen. Die Nährstoffeinträge durch Überdüngung und damit der Sauerstoffmangel in der Ostsee seien nach wie vor das Hauptproblem, berichtet der NDR.

„Es ist eine große Herausforderung, die Landwirtschaft umzubauen hin zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung – nicht nur auf die Fläche, sondern mit Blick auf unsere Gewässer und Meere. Wir haben als Politik die Verantwortung, jetzt an der Stelle klar zu sagen, dass es eine deutliche Entlastung von Nährstoffen geben muss", meinte Albrecht laut des Berichts.

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Laut dem im September vorgelegten Ostsee-Klimareport hängen die Probleme der Ostsee nach jahrzehntelanger Überdüngung auch an den Folgen des Klimawandels.

Keine Nichtnutzungszonen in der Ostsee

Man habe seit den achtziger Jahren eingegriffen und die Nährstoffzufuhr kräftig reduziert – aber ein guter ökologischer Zustand, wie er von der sogenannten Helcom bis 2021 angestrebt wurde, sei nicht erreicht worden, sagte der Klimaforscher und Ozeanograph Markus Meier Anfang September der Deutschen Presse-Agentur.

Er arbeitet am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und war als Vorsitzender der Forschungsgemeinschaft „Baltic Earth“ maßgeblich an dem Klimareport beteiligt.

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Die Kommission berät in Lübeck auch über den Schutz der Artenvielfalt durch sogenannte Nichtnutzungszonen, in denen beispielsweise auch keine Fischerei erlaubt ist. Im Gespräch sind dafür ein Zehntel der Meeresfläche.

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An Schleswig-Holsteins Nordseeküste gibt es solche Zonen im Nationalpark bereits. Sie machen nach Ministeriumsangaben aber nur zwei Prozent der Fläche aus. An der Ostsee fehlen solche Zonen bislang ganz. Dafür seien im Norden 70 Prozent der Küstengewässer der Ostsee Schutzgebiete, sagte Albrecht.

Ostsee: Aktionsplan ist das Ziel

Die Helsinki-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseeraums ist eine zwischenstaatliche Kommission, die für den Schutz der Meeresumwelt der Ostsee arbeitet. Bei dem Treffen der Minister der Ostsee-Anrainerstaaten wird es auch um den Schutz der Artenvielfalt, die Vermeidung von Müll, Unterwasserlärm und das Problem von Weltkriegsmunition gehen.

Ziel ist ein aktualisierter Ostsee-Aktionsplan. Vertragspartner der Helcom sind Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Polen und Russland sowie die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen und die EU.

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Bereits 1974 wurde das erste Helsinki-Abkommen unterzeichnet. Es trat 1980 in Kraft. Deutschland ist seit 1992 Mitglied der Kommission. Die einstimmig geschlossenen Beschlüsse der Kommission gelten als Empfehlung für die Staaten. (dpa)