Rügen: SIE finden Erstaunliches über die Insel heraus – kaum ein Urlauber weiß davon

Was Denny Neumann und seine Freundin herausfinden, teilen sie auf der Seite „Nordpfeil Rügen“.
Was Denny Neumann und seine Freundin herausfinden, teilen sie auf der Seite „Nordpfeil Rügen“.
Foto: Nordpfeil Rügen & picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Denny Neumann und seine Freundin Andrea Werner sind nicht nur aufgrund der Natur nach Rügen gezogen, sondern auch wegen der Geschichte der Insel. Die Hobby-Historiker recherchieren eine Zeit, in der das Eiland von dem Volk der Slawen besetzt war.

Dabei finden sie erstaunliche Details heraus, die kaum ein Urlauber über die Insel weiß. Die meisten Ortsnamen auf Rügen stammen beispielsweise aus der Zeit der Slawen.

Rügen einst von den Slawen besetzt

Die Slawen sind das Spezialgebiet von Projektmanager Denny Neumann. Seit rund 15 Jahren beschäftigt er sich intensiv mit dem Volk. Auf Rügen hat er sich mit seiner Freundin auf die Spurensuche gemacht, die Suche nach den Relikten der Slawen.

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Sie wollen „Orte sichtbar machen, die schon lange nicht mehr existieren“. Die Ergebnisse ihrer Recherchen teilen sie auf der Facebook-Seite „Nordpfeil Rügen“.

Handelsnetz auf Rügen

Doch wie kamen die Slawen überhaupt nach Rügen? Im siebten und achten Jahrhundert siedelten sich die Stämme des Volkes auf dem Gebiet der östlichen Bundesländer an. „Die Regionen waren zu der Zeit wenig besiedelt“, weiß Denny Neumann. Auf Rügen lebte der Stamm der Ranen.

Diese profitierten vom Fernhandel. Damals waren die Völker der heutigen Ostsee-Staaten über ein dichtes Handelsnetz verbunden. „Das ging von der Ostsee bis nach Arabien“, erklärt der studierte Architekt. „So haben die Ranen einen gewissen Wohlstand erreicht.“

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Das ist Rügen:

  • Insel vor der Ostseeküste Vorpommerns
  • Flächengrößte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands
  • Etwa 77.000 Menschen leben hier
  • Auf der Insel gibt es 100 Sonnenstunden pro Jahr mehr als in München
  • Neben Stränden gibt es auf Rügen auch viele Naturschutzgebiete

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Davon zeugt beispielsweise ein Silberschatz, der in der ehemaligen Handelssiedlung Ralswiek ausgegraben wurde. Über 2.000 Gramm persische und arabische Münzen fanden sich unter der Erde. Damit konnte man zu der Zeit etwa je zehn Pferde, Schwerter oder Sklaven kaufen.

Fortschrittliche Völker auf Rügen

Ralswiek habe eine große Bedeutung für den Handel im Ostseeraum eingenommen. Die Einwohner haben zudem Schmuck, Kunst und Kämme hergestellt, Metall verarbeitet und Schiffe gebaut. Allerdings haben die Ranen wenig über sich selbst dokumentiert. „Schade, aber das macht die Sache umso spannender“, findet Denny Neumann.

„Mich hat es überrascht, wie fortschrittlich die Völker damals schon waren“, sagt der Hobby-Historiker im Gespräch mit MOIN.DE. Die Bewohner hätten sich auf ihre Arbeitsbereiche spezialisiert. Das zeigen zum Beispiel die Überreste von vier Booten. „Die waren sogar hochseetauglich“, so der Wahl-Rügener.

Mystische Ortsnamen auf Rügen

Besonders fasziniert ist der Architekt auch von den mystischen Ortsnamen der Insel. Zirmoisel zum Beispiel bestehe aus den beiden Teilen „Zir“, was mit „Leben“ übersetzt wird und „Moisel“, was „Geist“ bedeuten könnte.

Zusammen also „der Ort, wo der Geist lebt“. Genau dieses Dort haben Denny Neumann und Andrea Werner als Wohnort auserkoren. „Man hat das Gefühl, dass eine spirituelle Geschichte in dem Namen liegt“, erzählt der Projektmanager.

Burgen auf Rügen

Eine weitere Spur liegt in dem Wörtchen „Gard“. „Das heißt Burg. Man kann also ableiten, dass es dort früher eine Burg gab“, sagt Denny Neumann. Ein Beispiel ist Sagard. Wo heute eine Kleingartensiedlung steht, habe früher der Burgwall gelegen. „Sowas auszubuddeln finde ich spannend“, erzählt der Experte.

Solche Zusammenhänge und frühere Gegebenheiten arbeitet der studierte Architekt in 3D-Visualisierungen um, die er dann auf der Facebook-Seite „Nordpfeil Rügen“ hochlädt. Daran hat er große Freude. Auch weil der damit selbst noch einmal nachforschen kann.

Rügen: „Ich freue mich über jedes Puzzleteil“

„Man sieht dabei, ob die Darstellungen der Archäologen tatsächlich funktionieren oder ob es noch offene Fragen gibt.“ So fand er heraus, dass manche Hafeneinfahrten von Ralswiek laut Geschichtsschreibung unter dem Meeresspiegel liegen würden.

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„Das hätte gar nicht funktioniert“, schließt er daraus. Die Historiker haben sich bei ihren Berechnungen wohl geirrt. In der Arbeit von „Nordpfeil Rügen“ steckt viel Liebe zum Detail. „Ich freue mich über jedes Puzzleteil“, betont Denny Neumann. Seine Leidenschaft, „die Geschichte zu erkunden und Zusammenhänge zu finden“ kommt gut an.

Relikte von Rügen schützen

Sowohl von Insulanern als auch von Touristen sei die Resonanz super. „Einheimische sind oft überrascht, wenn sie erfahren, was hier früher so los war“, erzählt er. Und Urlauber erfahren Details über die Insel, die ihnen sonst verborgen geblieben wären.

Genau das ist das Ziel der Arbeit des Paares. Sie wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, „was für Schätze vor der eigenen Haustür liegen“ und dass noch vorhandene Relikte geschützt werden sollten. Deshalb würde der Hobby-Historiker in Zukunft gerne auch Führungen anbieten.

Bald Führungen auf Rügen?

„Ins Feld zu gehen und den Leuten das Ganze vor Ort zu zeigen wäre das nächste Ziel“, verrät er. Daran reizt ihn besonders der Austausch mit den Menschen.

Ob Urlauber, die ihm von der Geschichte ihres Heimatortes erzählen oder Rüganer, die mit ihm ins Gespräch kommen und neue Details beisteuern – „Man will immer mehr wissen“, lacht Denny Neumann. „Ich sauge alles auf, wie ein Schwamm“, fügt er hinzu. Genauso geht es den inzwischen mehr als 400 „Nordpfeil“-Fans.