Sylt: Riesen-Protest gegen Großprojekt – und jetzt war mal wieder alles umsonst

Blick auf ein Haus in den Dünen von List auf Sylt.
Blick auf ein Haus in den Dünen von List auf Sylt.
Foto: IMAGO / Westend61

Es sind ganze 54 Ferienwohnungen und 30 Dauerwohnungen, die in List auf Sylt entstehen sollen. Eines von vielen großen Projekten auf der Nordsee-Insel. Und eines, das mal wieder auf Protest stieß. Viel Protest.

Eine große Zahl an Einwohnern von Sylt kann so gar nichts anfangen mit dem erneuten Bau von so vielen Ferienwohnungen in solch einer Umgebung. Doch wie so oft war der Widerstand am Ende mal wieder nicht von Erfolg gekrönt.

Sylt: Die „Dünenkrone“ sorgte für viel Kritik

Die „Dünenkrone“ soll sechs Häuser mit einer Höhe von etwa 15 Metern umfassen in denen sowohl Ferien- als auch Dauerwohnungen entstehen.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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Doch das Vorhaben stieß bei den Syltern auf viel Kritik. Bereits im Juni hatte das Bürgernetzwerk „Merret reicht's – Aus Liebe zu Sylt“ auf das Projekt aufmerksam gemacht und über Facebook zum Protest in Form von Stellungnahmen und Einwendungen aufgerufen.

Und dieser Aufforderung kamen viele nach. „Selten zuvor gab es bei einem Sylter Bauprojekt so viele offizielle Einreden und Stellungnahmen von Bürgern und Bürgerinnen. Es waren 41“, schreibt die Bürgerinitiative. Zusätzlich habe es laut des „SHZ“ 14 Stellungnahmen von Behörden und Instituten gegeben.

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Sylt: Kritik und steife Ohren

„Es ist sicher so, dass wir ohne Tourismus nicht überleben, nur leider ist es mit dem übermäßigen Tourismus auch kein Leben“, heißt es in einer der Stellungnahmen, die „Merret reicht’s – Aus Liebe zu Sylt“ auf Facebook veröffentlichte.

Die Antwort der Gemeinde dazu sei lediglich gewesen, dass sie das zur Kenntnis genommen habe. In einer anderen Stellungnahme wurde auf die enormen Ausmaße der Baupläne hingewiesen: „Die Bauwerke dominieren die Küste und die Hafenstraße und bedrohen den Ortscharakter.“

Hier habe die Gemeinde nur geantwortet: „Dem Vorhaben ‚Dünenkrone‘ liegen Strukturüberlegungen der Gemeinde zugrunde.“ Insgesamt würden die Einreden und Stellungnahmen 70 Seiten beanspruchen. Doch die viele Kritik stieß allem Anschein nach auf steife Ohren. Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, wurde das Großprojekt in einer Gemeindevertretersitzung nun endgültig auf den Weg gebracht, berichtet die „SHZ“.

Der Investor Sven Paulsen sagte gegenüber der Zeitung, er hoffe mit einem Baubeginn im Frühjahr 2022 und dem Einzug der ersten Bewohner zwei Jahre später.

Der Widerstand auf Sylt war umsonst

Der viele Widerstand gegen das Großprojekt war demnach komplett umsonst.

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Hoffentlich stecken die Einwohner der Nordsee-Insel aber nicht den Kopf in den Sand und setzen sich auch trotzdem weiterhin für ihre Meinungen und Bedürfnisse ein. (fk)