Sylt: Diese Frau fand ihren Traumjob auf der Insel – doch der kommt mit einem Problem

Nicole Rabus ist ganz begeistert von der Insel Sylt.
Nicole Rabus ist ganz begeistert von der Insel Sylt.
Foto: picture alliance / Zoonar & Henrike Dannemann

Im März ist Nicole Rabus nach Sylt gezogen. Eine Bekannte hatte sie nämlich auf ein Angebot aufmerksam gemacht, auf das sie fast schon gewartet hat. Nach 20 Jahren Arbeit am Schreibtisch wollte sie zurück in die Natur.

„Ich wollte etwas machen, das draußen stattfindet“, erklärt sie. Seit einigen Monaten ist sie nun Vogelwartin in Morsum auf Sylt. Doch die Lebensbedingungen vor Ort sind alles andere als optimal. Daran soll sich jetzt endlich etwas ändern.

Sylt: Umzug auf die Insel „wie ein Geschenk“

Nicole Rabus arbeitet als Freiwillige für die Schutzstation Wattenmeer. „Mir war vorher gar nicht klar, dass man auch im fortgeschrittenen Alter noch einen Bundesfreiwilligendienst machen kann“, sagt sie im Gespräch mit MOIN.DE.

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Doch sobald sie von der Stelle wusste, bewarb die gebürtige Stuttgarterin sich – und erhielt die Zusage! Ihr Aufenthalt ist zeitlich begrenzt und endet im Oktober. „Es ist wie ein Geschenk, sieben Monate auf so einer tollen Insel verbringen zu dürfen“, schwärmt sie.

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Und genau das reizt sie so sehr an dem Job: Die Insel, die Arbeit in der Natur und für den Umweltschutz. „Draußen zu sein und etwas Sinnvolles zu tun gefällt mir am besten“, erzählt sie. „Weg von der Schreibtischarbeit.“

Traumjob auf Sylt

Ihr Berufsalltag besteht aus wissenschaftlichen Grundlagenarbeiten – wozu beispielsweise das Vögel zählen gehört – Führungen für die Urlauber und der Gebietsbetreuung. Dabei läuft sie das ihr zugeteilte Areal ab und schaut nach dem Rechten.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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Man sei viel zu Fuß unterwegs. „Da ich aber gerne laufe, ist das eigentlich mein Traumjob“, sagt Nicole Rabus. Das Arbeiten im Freien habe aber auch Nachteile. „Zu Beispiel, wenn es saukalt ist“, lacht die Vogelwartin.

Unterkunft auf Sylt in einem Bauwagen

Das bekommt sie dann auch in ihrem Zuhause zu spüren. Im März wohnte sie zunächst bei der zentralen Schutzstation in Hörnum, wo sie über mehrere Wochen auf ihren Job vorbereitet wurde. Dann stand der Umzug an – in einen kleinen rostrosten Bauwagen.

Das Gefährt ist 30 Jahre alt. Und das macht sich bemerkbar. Besonders morgens sei es immer sehr kalt gewesen. Der Wagen besitzt keine Isolierfenster und nur einen kleinen Elektroheizkörper. „Es zieht aus allen Ritzen“, berichtet Nicole Rabus.

Kälte und Dunkelheit auf Sylt

Noch dazu sei es sehr dunkel in ihrer Unterkunft. Das einzige Fenster, das in dem Wagen eingebaut ist, zeigt gen Norden. „Das macht es schon ungemütlich“, erzählt die Freiwillige. „Besonders wenn es regnet und stürmt sitze man sehr beengt in diesem kleinen Wagen.“

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Eine Situation, die auf Dauer mürbe mache. Noch dazu in einem Frühjahr, in dem von der Sonne wenig zu sehen und zu spüren war. Corona habe das Ganze noch erschwert.

Denn im Gegensatz zu ihren Vorgängern konnte sie bei schlechtem Wetter nicht einfach in die Sauna oder ein Café fliehen. Wegen des Lockdowns war alles geschlossen.

Sylt: Tiny House statt Bauwagen

Sowohl April als auch Mai waren relativ kalte Monate. Erst in den vergangenen Wochen sind die Temperaturen spürbar gestiegen. Eine weitere Herausforderung ist das Duschen. Denn in dem Wagen ist keine vorhanden. „Ich wasche mich momentan in einem Bauhof“, so die Vogelwartin.

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Der Schutzstation Wattenmeer sind die Zustände bekannt. Bereits im vergangenen Jahr wollte man etwas dagegen unternehmen. Doch nun soll sich endlich etwas tun. Statt des alten Bauwagens soll ein „Tiny House“ her!

Verein auf Sylt benötigt Spenden

Ein Trend, der sich immer weiter ausbreitet: Winzige Häuser, oft auf Rädern, die komplett ausgestattet sind und auf wenigen Quadratmetern alles bieten, was man zum Leben braucht. Darauf wurde der Stationsleiter bereits im Herbst aufmerksam.

Nicole Rabus unterstütze ihn bei der Recherche und fand ein kleines Häuschen, das zuvor drei Jahre als Ausstellungsstück genutzt wurde. „Es würde von der Größe und der Ausstattung her perfekt passen“, sagt sie.

Da die Schutzstation als Verein auf Spenden angewiesen ist, startete man Ende Mai einen Aufruf. Mit Zuschüssen und einer Spende aus der Sylter Geschäftswelt steht bereits ein Grundstock der Finanzierung.

Entscheidung auf Sylt fällt bald

Eine weitere Organisation könnte 60 Prozent des Anschaffungspreises übernehmen. Das entscheidet sich Ende Juni. Wenn genug Geld zusammenkommt, steht der neuen Unterkunft nichts mehr im Wege und Mitte Juli könnte die Vogelwartin erneut umziehen. Dieses Mal in eine wesentlich gemütlichere Bleibe.

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Der Zeit in dem alten Bauwagen kann sie aber auch etwas Positives abgewinnen. „Es war ganz interessant, solche Zeiten zu erleben, in denen es kalt ist und man nichts dagegen tun kann“, findet Nicole Rabus.

Sie habe sich in der Zeit zurückversetzt gefühlt und nachempfinden können, wie es den Menschen früher ergangen ist. Trotzdem ist sie froh, wenn diese Zeit sich bald dem Ende zuneigt.

„Ich freue mich sehr, wenn es klappen würde. Wenn es etwas Hellers gibt, mit eigener Dusche“, sagt sie. Mehr Informationen über die Spendenaktion gibt es >>> hier auf der Seite der Schutzstation Wattenmeer.