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Hamburg: Bald könnten im Alten Land keine Äpfel mehr wachsen – das ist der traurige Grund

Hamburg: Bald könnten im Alten Land keine Äpfel mehr wachsen – das ist der traurige Grund

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Altes Land bei Hamburg: Noch tragen die Bäume saftige Früchte, bald aber könnten die Äste ganzjährig kahl bleiben. Foto: dpa

Hamburg. 

Altes Land

im Süden von Hamburg: Grüne Wiesen und Apfelbäume prägen die Landschaft. Im Frühjahr schneeweiße Blüten und im Herbst saftig-rote Früchte soweit das Auge reicht.

Dieses malerische Szenario könnte schon bald der Vergangenheit angehören und die Bäume in Richtung Altes Land ganzjährig kahl bleiben. Aufgrund der Elbvertiefung in Hamburg könnten in der Region nämlich schon bald überhaupt keine Äpfel mehr wachsen.

Hamburg: Altes Land durch Salzwasser bedroht

Die Elbvertiefung findet mittlerweile zum neunten Mal statt und bezeichnet eine Reihe von Baumaßnahmen, durch die die Fahrrinne im Fluss erweitert werden soll. Damit soll der Hamburger Hafen für noch größere Containerschiffe erreichbar werden.

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Je tiefer aber die Elbe, desto mehr Salzwasser aus der Nordsee strömt Richtung Altes Land. Und genau das ist das Problem für den Apfelanbau. Denn zum Schutz der Pflanzen vor Trockenheit und Kälte sind die Bauern auf mit Elbwasser betriebene Beregnungsanlagen angewiesen.

Kritische Lage für den Apfelanbau

„Steigt der Salzgehalt weiterhin an, verätzt das Elbwasser die Bäume“, erklärt Obstbaumeister Ulrich Buchterkirch MOIN.DE. Als Obstbauer mit eigenem Betrieb ist er direkt von der Problematik betroffen. „Die Blüten sterben ab und es drohen hundert Prozent Ernteausfall“, sagt der 40-Jährige.

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Schon jetzt sei die Lage durch die bisherigen Elbvertiefungen kritisch für den Apfelanbau. Die Salzwassergrenze, die früher bei Wischhafen und damit deutlich näher an der Nordsee gelegen hat, habe sich laut Buchterkirch inzwischen bis nach Stade – und damit ganze 30 Kilometer weiter nach Süden – verlagert.

Auswirkungen der Elbvertiefung deutlich spürbar

Damit die Obstbauern die Apfelbäume noch beregnen können, darf das Wasser zur Blütezeit im Frühjahr maximal einen Gramm Salz pro Liter enthalten. Wenn die Blüte im Sommer zur Frucht heranreift, kann die Pflanze maximal 0,5 Gramm pro Liter vertragen.

In Kehdingen, wo Buchterkirchs Betrieb liegt, sei der Grenzwert von einem Gramm bereits erreicht. „Schon jetzt kann ich also im Sommer, wenn zu wenig Niederschlag fällt, die Beregnungsanlagen mit dem Elbwasser nicht mehr nutzen“, berichtet der Gärtnermeister.

Süßwasserbecken sollen Ausgleich schaffen

Aus den bisherigen Erfahrungen haben die Obstbauern gelernt und noch vor der Genehmigung der aktuellen Elbvertiefung eine Klägergemeinschaft für das Alte Land gegründet, in der Buchterkirch als Vorsitzender tätig ist.

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„Uns war klar, dass wir die Elbvertiefung nicht verhindern können, aber wir haben einen Vertrag für Schadensersatz ausgehandelt.“ Konkret geht es dabei um die Finanzierung von Süßwasserbecken. Diese können einen Wasservorrat für bis zu drei Nächte speichern und so zum Beispiel helfen, die Trockenperioden im Sommer zu überbrücken.

Ob die Maßnahmen genügen, bleibt fraglich

Nach der Beregnung fließt das Wasser in den Boden ab und kann immer wieder neu aufbereitet werden – ein Kreislaufmodell, das theoretisch und praktisch zwar einwandfrei funktioniert, „allerdings waren wir bisher noch nie ausschließlich auf die Becken angewiesen“, gibt Buchterkirch zu bedenken. Steige der Salzgehalt noch weiter, wäre allerdings genau das der Fall.

„Dann können wir nur hoffen, dass die Maßnahmen – und vor allem die Gelder – genügen, um die Apfelbäume ausreichend zu bewässern“, sagt der Gärtnermeister. Die Zukunft von Europas größtem Apfelanbaugebiet bleibt also vorerst ungewiss.