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Hamburg: Keiner weiß, was es ist – das rätselhafteste Ding aus dem Lager des archäologischen Museums

Hamburg Archäologisches Museum Rillensteine Rätsel
Hamburg: Im archäologischen Museum gibt es einen besonders mysteriöses Objekt. Foto: imago/Joko

Hamburg. 

Es ist rund, hat etwa die Größe eines Tennisballs, doch es ist aus Stein. An einem Ende ist der ein wenig ausgehöhlt. Und einmal rundherum wurde mühevoll eine gerade, linienförmige Einkerbung eingemeißelt. „Das ist ein attraktives Objekt“, sagt Professor Rainer-Maria Weiss, Leiter der archäologischen Museums am Museumsplatz in Hamburg-Harburg. „Fasst sich auch schön an!“

Hamburg: Mysteriöse Steine aus der Vorzeit

Es gibt bloß ein Problem: Was genau dieses Objekt ist, das weiß man nicht! Auch nicht der erfahrene Archäologe und Wissenschaftler aus Hamburg.

Steine dieser Art gibt es mehrmals in Deutschland, Archäologen nennen sie schlicht „Rillensteine“ und rätseln „schon von Anfang an“ über ihren Zweck, so Rainer-Maria Weiss.

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Hamburg bekam seinen Rillenstein in den 30er Jahren von einer Dorfschule in Winsen an der Luhe geschenkt.

Kinder machen Funde bei der Ernte

„Früher waren Pastoren und Dorfschullehrer die Ansprechpartner für die Menschen, natürlich auch für die Kinder, wenn sie beim Kartoffelernten so etwas auf den Feldern gefunden haben“, erklärt der Museumsdirektor. „Da wurden die tollsten Sachen entdeckt!“

Allerdings weiß man somit natürlich nicht mehr, wo genau der Stein gefunden wurde, und ob es an der Stelle vielleicht noch mehr spannende Dinge zu entdecken gegeben hätte. Was man weiß: Der Rillenstein stammt aus der Bronzezeit. Das heißt: Er ist mindestens 3200 Jahre alt!

Uralt und sehr mysteriös

Er wiegt fast zwei Kilo, so Weiss, und hat einen Durchmesser von 10 Zentimetern. Anderswo sollen Rillensteine als Grabbeigaben gefunden worden sein. Das sei aber nie ganz sicher nachzuvollziehen gewesen.

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Es gab schon die unterschiedlichsten Theorien über seinen Verwendungszweck: Wollte man eigentlich ein sauberes Loch in die Mitte meißeln und ist bloß abgerutscht, weshalb die „Rille“ rundherum entstand?

Waren es bronzezeitliche Waffen?

Dagegen spricht, dass es ja mehrere dieser Steine gibt. Selbst am Bodensee wurden welche gefunden, und sie alle weisen diese Rille auf. Waren die Steine Waffen oder Teile von Waffen? Praktische Experimente zeigten, dass sie dazu eigentlich auf Dauer zu schwer wären.

Als man einen Stamm in Polynesien entdeckte, der Keulen mit runden Steinen an der Spitze benutzte, hätten manche Forscher sofort gedacht: „Die sehen so aus wie die Rillensteine, also müssen die auch zu Keulen gehört haben“, sagt Rainer-Maria Weiss.

Mit seinen Mitarbeitern im Archäologischen Museum rätselt der Direktor selbst regelmäßig. „Da fängt man an zu recherchieren, fragt Kollegen“, sagt er.

„Oder jemand verirrt sich in Serbien in ein abgelegenes Dorfmuseum, sieht da etwas, das ihm eine Idee gibt, kommt zurück und wir diskutieren dann erstmal eine Runde!“

Die Steine werden jetzt erforscht

Er berichtet: „Es gibt gerade ein richtiges Forschungsprojekt!“ Vielleicht wird also in ein paar Jahren klar sein, was man in der Bronzezeit mit so einem Rillenstein angestellt hat.

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Das hält natürlich niemanden davon ab, sich schon jetzt Theorien auszudenken. Auch Rainer-Maria Weiss hat eine Lieblingstheorie.

Der Experte hat eine Lieblingstheorie

„In der Schweiz gibt es eine Tradition, bei der Käse einen Berghang heruntergerollt wird. Ich könnte mir vorstellen, dass die Steine vielleicht ganz ähnlich benutzt wurden – wie Boßelkugeln!“ Die Eindellung wäre perfekt für die Finger, um den Stein besser halten zu könne.

Doch hatten die Menschen in der Vorzeit wirklich Zeit für Spiele? „Aber ja“, sagt Weiss energisch. „Man hat entdeckt, dass damals auch Häuser innen bunt bemalt und Keramiken aufwendig verziert wurden.

„Zeit und Muße für die schönen Dinge“

Eine Schüssel wird ja nicht stabiler dadurch, man hat es aber trotzdem gemacht – also hatten die Menschen ganz offensichtlich Zeit und Muße für die schönen Dinge, und auch für Spiele! Und zwar nicht nur die Kinder.“

Falls du eine eigene Theorie zum Sinn der Rillensteine hast, kannst du sie dem archäologischen Museum bei Facebook mitteilen!