Hamburg: Düstere Aussichten für die Stadt! „Ab 2023 nicht mehr verfügbar“

Bea Swietczak
TV-Hauptstadt Hamburg: Diese Serien werden in der Hansestadt gedreht

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Während der Pandemie-Maßnahmen hatten es Künstler in Hamburg besonders schwer. Einrichtungen mussten schließen. Mitarbeiter verloren ihre Jobs oder suchten sich freiwillig ein neues Betätigungsfeld.

Keine leichte Aufgabe für Kultursenator Carsten Brosda (47, SPD), die Kultur trotz Corona am Leben zu halten oder bestimmte Bereiche zu reanimieren. Wie er darüber denkt, erzählte er MOIN.DE in seinem Büro an den Hohen Bleichen in Hamburg beim Interview.

Hamburg: Carsten Brosda hat ungewöhnliche Leidenschaft

Herr Brosda, dass Sie eine Liebe für Country-Musik haben, hätte man nicht unbedingt vermutet.

Das hängt mit meinem Austauschjahr als Schüler in Texas zusammen. Ich mag texanische Singer-Songwriter ganz besonders gern. Von Townes van Zandt bis Nanci Griffith, Kinky Friedman bis Amanda Shires.

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Einmal im Jahr lege ich unter dem Motto „Country-Zeit, Schlager-Zeit“ gemeinsam mit Rainer Moritz, dem Leiter des Literaturhauses am Schwanenwik auf. Er legt Schlager auf, ich Country. Das ist immer sehr lustig. Der nächste Termin ist für den 15. Februar geplant

Welchen Bereich Ihrer Arbeit als Kultursenator mögen Sie denn am liebsten?

Das aktive Erleben von Kunst und Kultur ist zum Glück Bestandteil meines Alltags. Ich sitze nicht nur im Büro und rede mit Leuten darüber, wie man Kunst ermöglichen kann, sondern ich darf in Ausstellungen, ins Theater oder in Konzerte gehen. Das empfinde ich als beglückend.

Sie waren mal Journalist, warum sind Sie dann abgebogen?

A long and winding road – wie die Beatles singen würden. Ich habe während des Studiums ein Praktikum in der Öffentlichkeitsarbeit des SPD-Parteivorstandes in Berlin absolviert. Am Ende wurde mir eine halbe Stelle angeboten. Ich fand Berlin interessant und wollte meine Doktorarbeit über Journalismus schreiben, aber parallel nicht selbst im Journalismus arbeiten.

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Deshalb fand ich das vom Setting her super. So bin ich in der Partei gelandet. Da arbeitete ich eine Zeit, bis ich ins Bundesarbeitsministerium gekommen bin und 2011 nach Hamburg, wo ich mich dann um Medien gekümmert habe. 2016 wurde ich der Staatsrat bei meiner Vorgängerin Barbara Kisseler. So bin ich hier quasi reingerutscht. Aber es war nie geplant, dass ich mal Kultursenator werde.

Als Sie den Posten übernahmen, hatten Sie Wünsche und Vorstellungen. Was konnten Sie umsetzen, wo sind Sie gescheitert?

Es geht in der Politik meistens um längerfristige Prozesse, die man von außen oft gar nicht sieht. Sehr glücklich bin ich, wie erfolgreich die Elbphilharmonie an den Start gegangen ist. Viele Aufgaben, die wir umsetzten, sind aber auch sehr langfristig. Da geht’s mal schneller und mal weniger schnell.

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Daten und Fakten über Carsten Brosda:

  • Dr. Carsten Brosda wurde im Oktober 1974 in Gelsenkirchen geboren.
  • Von 1995 bis 2000 studierte er an der Uni Dortmund Journalismus und Politik.
  • 2000 bis 2005 war er Pressereferent und Redenschreiber im SPD-Parteivorstand.
  • 2005 bis 2009 war Carsten Brosda Referatsleiter im Bundesministerium für Arbeit und Soziales.
  • 2010 bis 2011 Abteilungsleiter Kommunikation beim SPD-Parteivorstand.
  • 2011 bis 2016 Leiter des Amtes Medien in der Hamburger Staatskanzlei, später Staatsrat.
  • Seit 2017 Kultursenator, seit 2020 außerdem Präsident des Dt. Bühnenvereins.
  • Carsten Brosdas Hobbys sind lesen und Musik hören.
  • Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Es geht um Themen wie: Wie sorge ich dafür, dass Kultureinrichtungen so offen sind, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger angesprochen fühlen. Im Moment haben wir viel damit zu tun, wie die Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen und Künstler verbessert werden können. Auch, wie wir als Gesellschaft Vielfalt als Bereicherung begreifen und nicht als Bedrohung.

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Da wünschte ich mir manchmal, dass es schneller geht, weil ich ungeduldig bin. Aber wir haben eine ganze Menge in der Phase dieser Corona-Beschränkungen geschafft, die man ja auch als größte Niederlage empfinden kann, wenn man als Kultursenator Einrichtungen schließen muss. Aber es ist uns immerhin gelungen, miteinander halbwegs gut durch diese Zeit zu kommen.

Haben Sie einen Überblick, wie viele Kultureinrichtungen aufgrund der Pandemie schließen mussten und nicht wieder öffnen werden?

Aus dem staatlich geförderten Bereich ist uns nichts bekannt, was verloren gegangen ist. Wir können es aber noch nicht für jeden Club sagen. Während der Pandemie konnten wir mit umfangreichen Hilfspaketen unterstützen. Auch der Bund hat Förderprogramme aufgelegt, die Neustart-Kulturmilliarden, jetzt den Sonderfonds für Kulturveranstaltungen.

Aber wenn wir insbesondere durch die Impfungen die Pandemie nicht in den Griff bekommen, dann kommt nochmal eine harte Phase. Noch haben wir die Chance, pandemiebedingte Mehrbedarfe zu decken. Wenn z.B. ein Veranstalter aufgrund der Corona-Auflagen sein Festival nicht mehr so gut wie sonst ausführen kann, dann können wir helfen.

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Der Sonderfonds des Bundes für Kulturveranstaltungen läuft bis ins nächste Jahr, die Neustart-Kulturgelder auch. Die sind aber Stand jetzt ab 2023 nicht mehr verfügbar. Dann kommt eine Kante, die nochmal anstrengend werden könnte.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Kann man die Kunstschaffenden, die sich inzwischen andere Jobs gesucht haben, wieder reanimieren?

Die gibt es ja noch, ich hoffe also eher, dass sie zurückkommen werden. Wir wissen aber nicht, wie viele sich tatsächlich zwischenzeitlich verabschiedet haben. Dazu haben wir aus Hamburg keine Zahlen. Es sind ja nicht nur die Künstlerinnen und Künstler, sondern auch die ganzen technischen Gewerke drumherum. Die Leute, die sich um die Bühne kümmern, dass Licht und Ton stimmen.

Die haben sich, ähnlich wie in der Gastronomie, teilweise wegbewegt. Dabei stellt sich auch die Frage, ob das Abwandern vielleicht auch damit etwas zu tun hat, dass bestimmte Rahmenbedingen in kreativen Jobs nicht stimmen und die Leute jetzt gesehen haben, dass es auch mit einem Nine-to-Five-Job geht, mit sozialer Absicherung. Die Diskussion darüber, wie die Arbeitsbedingungen in der Kultur verbessert werden können, wird auch eine sein, die wir aufgrund der Pandemie nochmal intensiver führen müssen.

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Bringt es Hamburg Vorteile, mit Olaf Scholz als zukünftigen Bundeskanzler jemanden zu haben, der Hamburg so gut kennt?

Es bringt uns zumindest keine Nachteile, einen Bundeskanzler zu haben, der weiß, wie die Situation in großen Städten in Deutschland ist. Er ist kein Hamburger Vertreter im Kanzleramt, aber es hilft dem ganzen Land, wenn man sich anschaut, was Olaf Scholz hier gelungen ist mit Blick auf den Wohnungsbau, die Modernisierung der Wirtschaft, und dass man Projekte nicht nur anpackt, sondern auch erfolgreich zu Ende führt wie die Elbphilharmonie.

Wenn Sie Ihren Job in Hamburg aus beruflichen Gründen aufgeben würden, um beispielsweise nach Berlin zu gehen, was würden Sie dann vermissen?

Ich fühle mich hier sehr wohl. Aber wann immer ich Hamburg mal verlasse und dann wiederkomme, freue ich mich wieder auf die Menschen, mit denen man hier zu tun hat. Ich mag an dieser Stadt ihr vorhandenes, kühles Selbstbewusstsein, das nüchterne Wissen, dass man nicht schlecht ist. Das ist ein sympathischer Wesenszug an Hamburg.