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Hamburg: ER kritisiert den Senat scharf und hat ein Anliegen, das alle betrifft – „Extrem schlecht“

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Bei den Schulen sei der Senat in der Corona-Krise „extrem schlecht gefahren“, sagt Dennis Thering. Foto: imago images / Lars Berg

Dennis Thering darf die Pläne der Regierung jeweils als Erster auseinandernehmen. Das ist Teil seines Jobs als Oppositionsführer in der Hamburgischen Bürgerschaft. Er übt scharfe Kritik an der Corona-Politik der Regierung: Bei den Schulen sei der Senat „extrem schlecht gefahren“, sagt Thering im Gespräch mit MOIN.DE. Eines seiner Anliegen in der Krise, das alle betrifft, ist: Möglichst schnell viele Leute impfen! Den Politiker aus Hamburg treibt neben Corona aber auch noch etwas ganz anderes um.

Seine eigene Partei, die CDU, kam bei jungen Menschen zuletzt nicht besonders gut an. Nicht mal sechs Prozent der 16- bis 24-Jährigen wählten bei der letzten Bürgerschaftswahl die Christdemokraten. Deshalb hat die CDU Hamburg jetzt eine Umfrage gestartet (MOIN.DE berichtete).

Hamburg: CDU will wissen, wie die Jungen ticken

MOIN.DE: Herr Thering, Sie sind HSV-Fan. Was ist gerade schlimmer: HSV-Fan oder CDU-Mitglied sein?

Dennis Thering: Beides ist erträglich. Lacht. Der HSV ist immer noch eine tolle Mannschaft. Manche neigen schnell dazu, alles pessimistisch zu sehen. Ich bin guten Mutes, dass es mit dem Aufstieg in die erste Liga klappt. Das gilt auch für die Hamburger CDU. Auf Bundesebene stehen wir in Umfragen sehr gut da und das zeigt, dass die CDU auch in Hamburg eine Zukunft hat.

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Warum ist die CDU in Hamburg bei den Jungen so unbeliebt?

Wir haben gute Ideen bei Digitalisierung, Bildung, Umweltschutz und Verkehr. Wir haben sie nur offensichtlich nicht rübergebracht. Auch das ist jetzt der Grund, warum wir uns als neue Fraktion nun schwerpunktmäßig den Wünschen und Vorstellungen der Jüngeren widmen. Deshalb machen wir jetzt die aufwendige Umfrage.

Wie kommt die bislang an?

Die Resonanz ist gut. Bereits über 1000 junge Hamburgerinnen und Hamburger haben in der ersten Woche teilgenommen. Davon haben über 60 Prozent die Umfrage vollständig ausgefüllt.

Und was sagen die Jungen?

Umweltschutz, Bildung, Digitalisierung und Verkehr sind Themen, die fast alle aufgreifen. Genaues können wir aber jetzt noch nicht sagen. Es bleiben ja auch noch zweieinhalb Monate zur Teilnahme und danach wird ausgewertet.

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Das ist Dennis Thering:

  • Dennis Thering wurde am 5. April 1984 in Hamburg geboren
  • Er lebt mit seiner Frau und seiner Tochter im Bezirk Wandsbek
  • Seit März 2020 ist er Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft
  • Dennis Thering ist ausgebildeter Bankkaufmann und hat lange bei der Sparkasse gearbeitet
  • An der Uni Hamburg hat er Politikwissenschaften studiert
  • Dennis Thering stand in der HSV-Jugend im Tor

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Sie sind jetzt 36. Gehören Sie noch zu den Jungen?

In der Fraktion bin ich einer der jüngeren Abgeordneten. Auch liegt mein Engagement in der Jungen Union noch nicht lange zurück. Aber die Zeit schreitet voran und auch deshalb schadet es nicht, die Jüngeren selbst zu fragen, was sie tatsächlich bewegt.

33 Prozent der Jungen haben Grün gewählt. Muss die CDU grüner werden?

Wir haben es als Volkspartei nicht nötig andere Parteien zu kopieren. Wir brauchen uns auch nicht hinter den Grünen zu verstecken. Wir arbeiten daran, zukünftig noch deutlicher zu machen, wofür die CDU in Hamburg steht. Da haben wir in den letzten Jahren sicherlich nicht alles immer richtig gemacht. Wir haben nicht verstanden, wie die jungen Menschen in unserer Stadt ticken.

Mit der Umfrage haben Sie bereits die Wahl in vier Jahren im Kopf. Was ist Ihr Ziel?

Das Ergebnis von 11,2 Prozent war katastrophal. Wir wollen uns auf jeden Fall verbessern.

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Sie haben mal gesagt, die CDU sei vor der Wahl ein Gemischtwarenladen gewesen. Sie wollten das ändern. Wie weit sind Sie damit?

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben viele gute Ideen für die Schulpolitik, die Wirtschaft, den Hafen. Wir hoffen, dass sich mit Beginn der Impfung im kommenden Jahr unser Alltag langsam wieder normalisiert und wir uns dann wieder zentral mit den Fragen beschäftigen können, wie wir Hamburg voranbringen.

Was haben Sie konkret vor?

Der Unternehmergeist und der Hafen müssen gestärkt werden. Im Vergleich zu Rotterdam und Antwerpen fällt der Hamburger Hafen immer weiter zurück. Da muss die Stadt ran und wir haben dafür einen konkreten Plan in die Bürgerschaft eingebracht. Wir müssen in die Digitalisierung der Schulen investieren. Beim Verkehr muss die A26 Ost und der Tunnelneubau bei der Köhlbrandquerung endlich umgesetzt werden. Der öffentliche Nahverkehr muss attraktiver werden und wer aufs Auto angewiesen ist, muss auch in Zukunft noch schnell und sicher ans Ziel kommen.

SPD und Grüne haben eine Zweidrittelmehrheit. Was bedeutet das für Ihre Rolle als Oppositionsführer?

Ich sehe meine Rolle ganz deutlich darin, den Senat dort zu kritisieren, wo’s angebracht ist. Nicht nur meckern, sondern sagen, wie’s bessergehen kann. Jetzt ist es wichtig, Hamburg gut durch die Krise zu führen.

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Gelingt das dem Senat?

Ich hoffe, dass wir schnell möglichst viele Leute impfen können. Der Senat hat nicht alles falsch gemacht in der Krise, aber bei den Schulen ist er extrem schlecht gefahren. Er hat es völlig verpasst in den Ferien den Grundstein zu legen, dass die Fallzahlen nicht wieder in die Höhe gehen. Die Testzentren wurden erst Ende der Sommerferien eingerichtet – viel zu spät. Und die Novemberhilfen werden wohl erst im Januar ausgezahlt.

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Sind Sie dafür, die Weihnachtsferien zu verlängern?

Wenn die Ministerpräsidenten dieser Meinung sind, kann man darüber sprechen. Wichtig ist, dass wir bundesweit einheitlich vorgehen.

Warum?

Weil es nur dann Akzeptanz gibt. In Schleswig-Holstein haben Nagelstudios und Tierparks wieder geöffnet. Und am Ende muss man aufpassen, dass dadurch kein unnötiger Transitverkehr erzeugt wird. Gerade im Norden, insbesondere in der Metropolregion, müssen wir eng zusammenarbeiten.

Politiker wie Markus Söder gewichten Weihnachten klar höher als Silvester. Sehen Sie das als Christdemokrat auch so?

Ich sehe das ganz genauso. Ich würde dringend dafür kämpfen, dass es möglich ist, Weihnachten mit der Familie zu feiern. Keine Massenveranstaltung mit 40 Leuten, aber so wie wir es jetzt machen, mit maximal zehn Personen aus vier Haushalten. Ab dem 27. Dezember müssen wir die Maßnahmen aber wieder anziehen.

Gerade für viele Jüngere dürfte Silvester mindestens so wichtig sein wie Weihnachten.

Am Ende des Tages steht immer die Gesundheit der Hamburgerinnen und Hamburger an erster Stelle. Ich räume Weihnachten als traditionellem Familienfest tatsächlich einen höheren Stellenwert ein als Silvester. Das mögen nicht alle so sehen, aber man kann es nicht immer allen recht machen.

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Wie werden Sie Weihnachten feiern?

Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann mit meiner Frau und meiner Tochter, meinen Eltern und meinem Bruder. Dann wären wir drei Haushalte. Sollten die Regeln bis Weihnachten andere sein, werden wir uns selbstverständlich daran halten.