Hamburg: Er hat den gefährlichsten Job der Stadt – „Da geht es um Sekunden“

Peter Bodes (r) ist seit mehr als 30 Jahren Sprengmeister bei der Feuerwehr in Hamburg.
Peter Bodes (r) ist seit mehr als 30 Jahren Sprengmeister bei der Feuerwehr in Hamburg.
Foto: Peter Bodes

Wenn es in Hamburg gefährlich wird, sind sie als erstes vor Ort. Ob Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg oder Säurewolke über dem Hafen: Der Kampfmittelräumdienst der Feuerwehr ist jederzeit auf Abruf bereit, wenn rund um Elbe und Alster akutes Handeln erforderlich ist.

Einer von ihnen ist der erfahrene Sprengmeister Peter Bodes. Seit mehr als 30 Jahren führt er in Hamburg einen der gefährlichsten Berufe aus. Im Gespräch mit MOIN.DE erzählt Bodes von der Arbeit beim Kampfmittelräumdienst und seinen brenzligsten Einsätzen.

Hamburg: Mehr als 30 Jahre Erfahrung als Sprengmeister

In seinen Beruf als Sprengmeister sei er eben so „reingeschlittert“, berichtet Bodes. „Das war nie mein Berufswunsch. Es hat sich einfach so in der Bundeswehrzeit ergeben. Da muss man sich ja nach 12 Jahren neu orientieren“, sagt er. Bei der Bundeswehr war Bodes zuvor als Minentaucher aktiv. Seine Ausbildung hat er in Eckernförde in der Minentaucherkompanie absolviert. „Das ist eine Spezialeinheit innerhalb der Bundesmarine, das gibt es in Deutschland nur einmal“, erzählt er.

„Die Ausbildung zum Minentaucher ist zum einen ein sportlicher Teil und zum anderen wird ein Wissen abgefragt, das sich stark an den Naturwissenschaften orientiert. Ein Minentaucher muss Sachen entschärfen und das bedeutet, dass man Physik, Chemie und Mathe beherrschen sollte. Man sollte nicht nur stark und abenteuerlustig sein, man sollte sich auch ein bisschen was merken können“, scherzt Bodes.

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1989 führte ihn sein Weg dann in die Hansestadt. Damals war der Kampfmittelräumdienst noch bei der Baubehörde angesiedelt, später wurde er Teil der Feuerwehr. In den frühen 1990ern gab es für Sprengmeister noch keine klassischen Ausbildungsszenarien. „Es gab hier und da ein paar Lehrgänge, die man absolvieren konnte. Insbesondere der Bereich der Detektionstechnik ist dabei sehr wichtig. Da gibt es Lehrgänge bei den Herstellern der Detektionsgeräte, wo das physikalische Wissen sehr beansprucht wird.“

Früher war der Kampfmittelräumdienst selbst für das Aufspüren von Blindgängern und Co. zuständig. 2006 kam es dann zu einer Änderung der Kampfmittelverordnung. Die Zuständigkeit wurde an den Grundeigentümer abgeben. Der Kampfmittelräumdienst gestaltete sich daraufhin völlig neu. Die Detektion von Kampfmitteln wurde hauptsächlich in private Hand gelegt, die jedoch durch den Kampfmittelräumdienst ständig überprüft werden muss. Drei Sprengmeister, acht Entschärfer, Munitionsfacharbeiter und administratives Personal arbeiten heute beim Kampfmittelräumdienst.

Hamburg: „Nicht nur für Bürger geht es um Sekunden“

Ein Einsatz beginnt mit einem schrillen Läuten. „Dann geht unser Pieper. Wir erhalten die Adresse, fahren dort hin und müssen uns erstmal angucken, was dort überhaupt liegt“, erzählt Bodes. „Wir müssen so schnell wie möglich vor Ort sein, um die Gefährdung einzuschätzen. Da geht es nicht nur für die Bürger und Einsatzkräfte um Sekunden, sondern vor allem für uns.“

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„Es gibt Kampfmittel, die detonieren von selber, ohne dass irgendjemand etwas daran tun muss. Die Gefahr, dass sie von selbst detonieren erhöht sich in dem Moment, wenn sie bewegt wurden. Unsere Erfahrung sagt uns meistens, dass die Kampfmittel bereits bewegt wurden. Das erhöht absolut die Gefahr.“ Vor Ort müssen die Einsatzkräfte schnellstmöglich eruieren, um welches Kampfmittel es sich handelt, um auszuarbeiten, welche Maßnahmen getroffen werden können und dürfen.

„Man muss gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen, die die Grundrechte der Bürger einschränken. Wenn evakuiert wird, müssen sie ja ihre Wohnung verlassen. Da muss das schon Hand und Fuß haben. Wir können es uns in Hamburg nicht leisten, dass es unberechtigterweise zu Einschränkungen kommt“, sagt Bodes.

Manchmal reicht ein Sack Zement in Hamburg

Dazu müsse betrachtet werden, welche Größe der gefährliche Fund hat. Bei einem kleinen Kampfmittel sind die Auswirkungen meist gering. „Da reicht es manchmal, wenn Sie einen Sack Zement drauf legen. Wohingegen wir bei Bombenblindgängern garantiert bei einer Evakuierung sind. Das sind Prozesse, bei denen man hier und da auch nochmal ein bisschen Mathematik betreiben muss, um die Sperr- und Warnradius zu ermitteln.“

Es gibt viele unterschiedliche Kampfmittel. Bodes und seine Kollegen müssen sie alle kennen und haben meist nur wenige Sekunden für eine Identifizierung: „Nicht jede Bombe ist gleich. Die einen sind dafür gemacht, Splitter zu erzeugen. Die andere sind dafür gemacht, Druck zu erzeugen. Mit einer gewissen Erfahrung weiß man natürlich genau, worum es sich handelt.“

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Immer dann, wenn Langzeitzünder im Spiel sind, werde es besonders brenzlig. „Dann ist wirklich absolute Gefahr. Da müssen sich wirklich alle drehen und wenden und dann muss es wirklich schnell gehen. Wir hatten mal eine Langzeitzünderbombe bei Punica, in sieben Meter Wassertiefe. Da mussten wir sehr schnell handeln. Ich kann mich außerdem an die Benadottestraße erinnern, da hatten wir einen Langzeitzünder. Dort hatten wir zum ersten Mal unser sprengtechnisches Öffnungsverfahren außerhalb des Übungsplatzes eingesetzt.“ Bei Sondierungsarbeiten im Hamburger Stadtteil Othmarschen wurde 2015 die 500-Pfund-Bombe gefunden. Die Bombe war hochgefährlich, weil ihr Zünder bei den Arbeiten beschädigt worden war. Es herrschte akute Explosionsgefahr. Doch Peter Bodes und seine Kollegen konnten die Gefahr, wie so viele weitere, erfolgreich abwenden. „Das war eine große Anstrengung und nicht ganz einfach“.

Vor zwei Wochen hatte Peter Bodes seinen letzten Einsatz in der Hansestadt. Künftig widmet es sich anderen Aufgaben. Nun blickt er auf 30 Jahre beim Kampfmittelräumdienst zurück: „Am liebsten waren mir die Gespräche mit meinen Mitarbeitern, wenn so ein Einsatz vorbei war. Die waren dann auch froh, dass das so gut vonstattengegangen ist.“

So ganz wird sich Peter Bodes in den kommenden Jahren aber noch nicht von seiner Arbeit und Lebensaufgabe trennen. „Ich werde noch ein bisschen in die Entwicklung und Forschung begeben, um das ein oder andere zu bewirken. Diesmal aber ganz ohne Druck oder Erfolgszwang.“