Hamburg: Flüchtling kommt in der Hansestadt an – dann beginnt eine Horror-Zeit für ihn

5 Jahre "Wir schaffen das!": Flüchtlinge in Deutschland

5 Jahre "Wir schaffen das!": Flüchtlinge in Deutschland

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2015 kam Naiem Alsheikh aus Syrien als Flüchtling nach Deutschland. Zunächst kam er in Dortmund an, dann musste er nach Hamburg umziehen. In der Hansestadt hatte es der Student nicht leicht.

Mit der Ankunft in Hamburg begann für den Flüchtling eine schwere Zeit. Besonders ein Erlebnis hat sich ihm ins Gedächtnis gebrannt. Seitdem will er nur noch weg aus der Hansestadt.

Flucht nach Hamburg: „Das war der schlimmste Moment überhaupt“

Naiem musste 2015 schnell raus aus Syrien, denn dort tobte der Bürgerkrieg. „Zunächst bin ich in die Türkei geflohen. Dort habe ich beschlossen, dass mein Ziel Deutschland sein wird.“

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Doch die Flucht hat es in sich. „Von der Türkei sind wir mit einem Gummiboot nach Griechenland. Dabei riskiert man sein Leben: Entweder man erreicht sein Ziel oder man ertrinkt. Das war der schlimmste Moment überhaupt“, erzählt Naiem im Gespräch mit MOIN.DE. Drei Monate später, im Dezember 2015, hat er endlich Deutschland erreicht.

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„Wir schaffen das“ - es sind eigentlich nur drei Worte. Doch seit 2015 polarisierte in Deutschland kaum etwas mehr als dieser Leitsatz von Angela Merkel. Auf der einen Seite löste die Parole der Kanzlerin eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Ein anderer Teil der Gesellschaft fühlte sich überfordert. Überfordert von mehr als einer Million Flüchtlingen, die auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015/16, nach Deutschland kamen.

Zwischen Willkommenskultur und AfD-Aufstieg, zwischen Sprachbarriere und Hoffnung auf ein friedliches Leben versuchen die Geflüchteten seitdem in Deutschland Fuß zu fassen. Fünf Jahre sind nun vergangen: Zeit für ein Zwischenfazit. Wie sind die Flüchtlinge mittlerweile in Deutschland angekommen? Was sind ihre prägendsten Erfahrungen? Welche Wendepunkte haben ihr Leben bestimmt?

13 Flüchtlinge haben DerWesten, Moin.de, News38 und Thüringen24 verraten, wie ihr Leben in der neuen Heimat Deutschland heute aussieht.

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In Dortmund wird Naiem in einem Flüchtlingsheim untergebracht. Doch dort blieb er nur eine Woche. „Kurz nach meiner Ankunft wurde ich nach Hamburg geschickt. Einfach so. Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Zwei Polizisten haben mich zum Hauptbahnhof gebracht und mir mein Zugticket nach Hamburg gegeben“, berichtet der Syrer.

Hamburg: „Habe zwei Jahre meines Lebens verloren

Ihm blieb also nichts anderes übrig, als in die Hansestadt zu fahren. Dort angekommen, wurde er im Flüchtlingsheim in Harburg untergebracht, da dort die Erstaufnahme für Flüchtlinge stattfindet. An seinem ersten Tag erinnert er sich ganz gut zurück, denn er wurde ausgeraubt.

„Meine Tasche mit den ganzen Klamotten wurde mir geklaut. Ab dem Moment war mir klar, dass ich nicht mehr hier bleiben möchte. Das Problem war allerdings, dass ich überhaupt keine Papiere und Unterlagen mehr hatte. Die wurden mir in Dortmund von der Polizei weggenommen. Ich war anschließend gezwungen, hier zu bleiben“, so Naiem.

Hamburg: Aufenthalt wird abgelehnt

Da er nicht in der Flüchtlingsunterkunft in Harburg bleiben wollte, habe er zwei Tage auf der Straße geschlafen. Anschließend wurde er in einem anderen Flüchtlingsheim untergebracht. „Dort habe ich zwei Jahre meines Lebens durch die Warterei verloren. Im ersten Jahr wurde mein Aufenthalt abgelehnt und ich habe einen subsidiären Schutz erhalten. Wenigstens habe ich die Erlaubnis bekommen, einen Deutsch-Kurs zu machen“, erzählt Naiem.

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Der subsidiäre Schutz greift ein, wenn weder der Flüchtlingsschutz noch die Asylberechtigung gewährt werden können und im Herkunftsland ernsthafter Schaden droht.

Hamburg: Studium an der Hochschule begonnen

Anschließend besuchte der Geflüchtete eine Sprachschule und erlangte im Mai 2017 sein B1-Niveau. Zeitgleich suchte Naiem nach einer Wohnung in Hamburg, die sich sehr schwierig gestaltete. Doch fand endlich eine Wohnung und zog aus dem Flüchtlingsheim aus.

„Im März 2019 habe ich mein Abiturzeugnis aus Syrien herschicken lassen und somit einen Platz an der Hochschule in Hamburg bekommen. Ich habe bereits in Aleppo in Syrien Elektrotechnik studiert, allerdings nur zwei Semester, da ich wegen dem Bürgerkrieg flüchten musste. Jetzt studiere ich Mechatronik und bin aktuell im 3. Semester“, verrät Naiem.

Hamburg: Rückkehr nach Syrien?

In Deutschland hat er sich jetzt ein neues Leben aufgebaut. Doch wie wird er sich entscheiden, wenn eines Tages kein Krieg mehr in seiner Heimat Syrien herrscht?

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„Also zurückkehren möchte ich auf keinen Fall. Ich habe hier etwas neues angefangen und möchte nicht in Syrien dann nochmal von vorne beginnen“, sagt er.

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Das ist das Land Syrien:

  • ein vorderasiatisches Land, das an Israel, Jordanien, dem Libanon, der Türkei, den Irak und dem Mittelmeer grenzt
  • Hauptstadt Damaskus
  • rund 21 Millionen Einwohner (Stand 2010), 185.000 Quadratkilometer groß
  • Unabhängigkeit von Frankreich am 17. April 1946
  • seit 2011 herrscht Krieg zwischen der Assad-Regierung und ihrer Anhänger auf der einen und syrischen Oppositionellen, teils radikalen Islamisten und vom Ausland (Türkei, Katar, Saudi-Arabien) unterstützte Söldner auf der anderen Seite
  • laut Schätzungen der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat der Krieg mehr als 465.000 Todesopfer geopfert, über fünf Millionen Menschen sind in Nachbarländer oder nach Europa geflohen
  • neben sunnitischen Muslimen leben in Syrien auch vergleichsweise viele Christen, Alawiten und andere religiöse Minderheiten

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Aber er möchte auch nicht in der Hansestadt bleiben: „Sobald ich mit dem Studium fertig bin, gehe ich weg. Egal wohin. Hauptsache raus aus Hamburg. Hier gefällt es mir nicht. Allein die Wohnungssuche ist sehr schwierig.“

Doch das gestaltet sich schwer. Denn mit seinem subsidären Schutz darf er nicht einfach weg. „Erst nach drei Jahren bekommt man die Erlaubnis.“ Bis dahin möchte Naiem sein Bachelor-Abschluss schaffen.