Hamburg hat geheimes Impfstofflager – Markus Lanz fragt Impfzentrum-Chef, wo es ist

Dirk Heinrich leitet das Impfzentrum in Hamburg.
Dirk Heinrich leitet das Impfzentrum in Hamburg.
Foto: picture alliance/dpa

Rund 400.000 Menschen sind in Hamburg aktuell geimpft. Ein Großteil davon hat die Impfung im Impfzentrum in den Messehallen bekommen. Doch wo kommt der tägliche Impfstoff eigentlich her?

Diese Frage hat Markus Lanz dem Leiter des Impfzentrums in Hamburg, Dirk Heinrich, in seiner Show am Mittwochabend gestellt. „Stimmt es, dass in Hamburg der ganze Impfstoff an einem geheimen Ort liegt?“, will der Talkmaster wissen.

Hamburg lagert Impfstoff an geheimem Ort

Dieses bejaht Heinrich und sofort will Markus Lanz natürlich wissen: „Wissen Sie wo das ist?“ Diese Frage beantwortet Heinrich mit einem sehr deutlichen „Nein“. Gleichzeitig schiebt er aber hinterher, dass diese Antwort vom Landeskriminalamt verordnet sei.

Der Grund: Am Anfang habe es schlimme Befürchtungen, wie zum Beispiel mögliche Überfälle, gegeben. „Deswegen ist es auch gut, dass es an einem geheimen Ort ist“, sagt Heinrich.

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Dort bestelle das Impfzentrum morgens den Impfstoff. „Wir kriegen den dann geliefert für den Tag, denn wir wissen ja genau, wie viele Menschen einen Termin haben.“

Bestechungsversuche für eine Corona-Impfung in Hamburg?

Wer in Deutschland eine Corona-Schutzimpfung bekommt ist durch die Ständige Impfkommission (STIKO) festgelegt. Die hat eine Impfpriosierung erarbeitet, an die sich das Impfzentrum und Hausärzte zu halten haben.

Dennoch ist der Wunsch vieler Menschen nach einer Impfung natürlich groß. Und so will Lanz von Heinrich wissen: „Gab es schon Bestechungsversuche?“ Er selbst habe noch nie ein solches Angebot bekommen, aber: „Ich höre durchaus, dass es in Praxen solche Angebote gegeben hat.“

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Dort seien dann Menschen gekommen und hätten gesagt: „Herr Doktor, egal was es kostet, ich brauche jetzt meinen Termin zur Impfung“. Doch das würden die Ärzte natürlich ablehnen.

Rund 35.000 potenzielle Impfdosen landen in Hamburg im Müll

Apropos ablehnen: Viele Ärzte in Hamburg verzichten darauf, die beim Impfstoff Biontech oft zusätzlich vorhandene siebte Dosis zu verimpfen. Das zeigen Recherchen des NDR. Dadurch sind bislang rund 35.000 potenzielle Dosen im Müll gelandet.

Auch darauf wird Heinrich von Lanz angesprochen. „Ich bin nicht dagegen, das zu tun“, erklärt der Leiter des Hamburger Impfzentrums. „Aber jeder Arzt muss dafür dann die Verantwortung übernehmen.“ Denn diese ist nicht offiziell von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen.

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Heinrich erklärt: Wenn sechs Dosen des Impfstoffs Biontech verimpft würden, bliebe ein „Rest“, wie er es nennt, in der Ampulle übrig. Um diesen verwenden zu können, würden spezielle Spritzen und Kanülen benötigt werden.

Keine festgelegte Regelung von der Behörde in Hamburg

„Wir müssen auch darüber nachdenken, was wir da tun. Wir gehen dann bewusst hin und übertreten die Zulassung“, sagt der Arzt. Er sieht die Verantwortung bei der Politik, die entscheiden müsse, wie damit umgegangen werden soll – und die volle Haftung übernehmen.

Und genau das ist das Problem. Auf Anfrage des NDR schreibt die Hamburger Gesundheitsbehörde, dass es keine verbindliche Handlungsausweisung gebe und dieses auch nicht in Planung sei. Die Dosen würden gemäß EMA-Zulassung entnommen. Alles darüber hinaus liege in der Verantwortung der Ärzte.

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In anderen Bundesländern ist das anders. In Schleswig-Holstein zum Beispiel darf die zusätzliche Dosis verimpft werden – in Niedersachsen soll sie das. Und in Rheinland-Pfalz wird die zusätzliche Dosis nicht nur empfohlen, sondern das Land übernimmt sogar die Haftung dafür. (mk)