Hamburg: Ex-Knacki in der Stadt – früher schoss er auf Menschen, heute verfilmt ihn Hollywood

Bea Swietczak
Wenn Sam Childers (l.) Hamburg besucht, ist der Harley-Davidson-Shop in Farmsen-Berne seine erste Anlaufstelle. In Amerika besitzt er selbst einen Laden.
Wenn Sam Childers (l.) Hamburg besucht, ist der Harley-Davidson-Shop in Farmsen-Berne seine erste Anlaufstelle. In Amerika besitzt er selbst einen Laden.
Foto: Bea Swietczak

Seitdem Sam Childers vor 60 Jahren in North Dakota geboren wurde, verlief sein Leben immer am Limit. Schießereien, Mitglied der Hells Angels, Heirat einer Stripperin, Drogensucht, Totalabrutsch, Knastaufenthalt. Doch nach einer mehrjährigen Haftstrafe fand er zu Gott, ließ sich taufen und änderte sein Leben komplett. Er wurde clean, ging für eine christliche Hilfsorganisation in afrikanische Krisengebiete, baute Waisenhäuser und rettete Kindersoldaten. Bis heute. Gelegentlich kommt er auch nach Hamburg.

Das irre Leben des Outlaws sprach sich bis nach Hollywood herum. 2011 wurde es verfilmt. In „Machine Gun Preacher“ wird Sam Childers von Gerald Butler dargestellt. Bald kommt der zweite Teil ins Kino. Darüber und über seine Pläne sprach er mit MOIN.DE in einem exklusiven Interview im Harley-Davidson-Shop in Hamburg.

MOIN.DE: Sam, was führt Dich nach Hamburg?

Sam Childers: Ich starte hier meine Tour durch Deutschland, um meine Hilfsprojekte zu promoten. Deutschland hat mich und meine Mitstreiter immer sehr unterstützt. Aktuell wird auch eine weitere Dokumentation über mein Leben gedreht.

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Außerdem kommt nächstes Jahr die Fortsetzung von ,Machine Gun Preacher’ raus, die sich um das Retten von Leben dreht. Ich rette nach wie vor die Ärmsten der Armen und Kranke, allerdings aufgrund meines Alters heute etwas langsamer als früher (lacht).

Wer spielt Dich im zweiten Teil?

Der große Favorit für die Hauptrolle ist Nicolas Cage, aber auch Kevin Costner soll sein Interesse bekundet haben. Das finde ich großartig. Denn ich selbst bin ein großer Fan von Costner mit seinen fantastischen Cowboy-Filmen. Es wäre mir eine große Ehre, ihn dann persönlich zu treffen.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Wenn Du auf Dein Leben zurückblickst, was war das Härteste für Dich?

Dass ich nicht alle retten konnte, die ich retten wollte. Als ich den Film über mich damals das erste Mal sah, musste ich mittendrin weinen, weil ich mich an jedes Detail erinnerte. Auch an all die Sachen, die nicht gezeigt wurden. Das berührt mich noch heute und trifft mich mitten ins Herz.

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Es ist kein Geheimnis, dass Du auf Menschen geschossen hast. Wie viele waren es?

Ich möchte nicht über Gewalt und Tod reden. Ich war früher wirklich ein harter, übler Typ. Rückblickend auf mein Leben bereue ich, nicht noch mehr Menschen geholfen zu haben. Ich rette jetzt seit 27 Jahren Kinder, fokussiere mich auf das Leben und halte in Schulen und Suchtkliniken Vorträge.

Wie lebst Du heute?

Ich bin seit neun Jahren von Lynn geschieden. Sie war früher Stripperin. Ich lernte sie bei einem großen Drogendeal kennen. Später wurde sie auch religiös und gründete mit mir vor 25 Jahren in Ostafrika unser erstes Kinderdorf „Angels of East Africa“ für 300 Bedürftige. Es ist inzwischen eine riesige Organisation, für die ich überall auf der Welt neue Unterstützer suche. Seit drei Jahren bin ich wieder verheiratet, mit einer Afrikanerin. Heute lebe ich die meiste Zeit in Uganda und bin zwei Monate im Jahr in Amerika, wo ich auch einen Harley-Laden besitze, den mein Bruder managt.

Wie finanzierst Du Dein eigenes Leben und die Hilfsprojekte?

Ich habe rund 560 Mitarbeiter. Wir betreiben Hotels, Restaurants und eine große Raststätten-Kette sowie eine riesengroße Farm im Norden Ugandas, um Reis für die Bedürftigen anzubauen und Jobs zu geben. Die Einnahmen gehen an die Hilfsprojekte. Mir gehört außerdem eine Security-Firma.

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Hast Du Kinder?

Ja, weit über 300 Kinder, die ich wie mein eigen Fleisch und Blut liebe und meine leibliche Tochter mit Lynn. Sie heißt Paige und ist inzwischen über dreißig Jahre alt.

Hast Du einen guten Rat für unsere Leser?

Never Stop! Bewahre Haltung. Gerade wenn du älter wirst, gib nicht auf und sage nicht so dumme Sachen wie: Ich werde älter, jetzt überlasse ich das Feld den Jüngeren. Das ist Nonsens. Solange du atmest, kannst du das Leben eines anderen zum Guten wenden.