Hamburg: Stadtparkprozess startet – eines der widerwärtigsten Verbrechen, die je hier verhandelt wurden

Bea Swietczak
Hamburg, meine Perle: Warum die Stadt so einzigartig ist

Hamburg, meine Perle: Warum die Stadt so einzigartig ist

Mit über 1,8 Mio. Einwohner ist Hamburg die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Außerdem kommen rund sieben Mio. Touristen pro Jahr in die Hansestadt. Doch was macht die Stadt so beliebt und einzigartig?

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Am Dienstag startete das sogenannte Stadtparkverfahren am Landgericht, bei dem eines der widerwärtigsten Verbrechen verhandelt wurde, das Hamburg je erlebt hat.

Bei dem müssen sich elf junge Männer, zehn von ihnen mit Migrationshintergrund, für grausame Taten verantworten. Die 18- bis 22-Jährigen sollen ein 15-jähriges Mädchen in einer lauen Spätsommernacht vom 19. auf den 20. September 2021 im Stadtpark von Hamburg sexuell missbraucht haben. Perfide: Das Opfer war nach einer Party stark alkoholisiert und demzufolge völlig hilflos, was die Täter ausgenutzt haben sollen.

Hamburg: Angeklagte lassen sich einzeln blicken

MOIN.DE war bei dem Prozess-Auftakt dabei. Die Angeklagten kamen alle einzeln mit ihren Pflichtverteidigern. Um sich vor dem großen Presseaufgebot und den Kameras zu verstecken, verbargen sie ihre Gesichter hinter Masken, hinunter gezogenen Kapuzen ihrer Hoodies und Sonnenbrillen. Die meisten trugen teure, stylische Markenkleidung, Rucksäcke und Sneakers begehrter Marken: Calvin Klein, Prada, Nike und Adidas.

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Einige von ihnen kommen sogar aus einem „guten Haus“. Sie besuchen oder besuchten angesehene Schulen wie ein humanistisches Gymnasium in Harvestehude oder ein katholisches Gymnasium am Rothenbaum. Unglaublich: Einer der mutmaßlichen Täter hatte eine Ausbildung in einer Lebenshilfe-Organisation begonnen. Alle sprechen gut Deutsch, nur für einen Angeklagten wurde vom Gericht ein Arabisch-Dolmetscher angefordert.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Nach Bekanntwerden des Verbrechens und den vielseitigen Berichterstattungen sickerten die Identitäten der jungen Männer in den sozialen Netzwerken durch. Dadurch kursierten Gewaltaufrufe und Hassbotschaften gegen sie im Internet, was polizeiliche Ermittlungen nach sich zog.

Was im Detail in jener Nacht passierte, wird der Öffentlichkeit aber in den 41 anberaumten Verhandlungstagen verborgen bleiben. Denn das Schöffengericht um Richterin Anne Meyer-Göring schloss sie nach den Anträgen der Verteidiger und vor allem zum Schutz des Mädchens aus. Doch weil ein enormes öffentliches Interesse besteht und sich die Taten in dem bei den Bürgern beliebten Hamburger Stadtpark ereignete, gab das Hanseatische Oberlandesgericht die wichtigsten Informationen heraus.

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Schreckliches Verbrechen in Hamburg

Zunächst war das Mädchen der Anklage zufolge in der Nähe der großen Festwiese auf einen der Angeklagten getroffen sein, der zu einer Gruppe gehörte. Er verwickelte es demnach in ein Gespräch und zerrte es ins Gebüsch. Drei seiner Freunde sollen dann dazugekommen sein, die Gewaltorgie ihren Lauf genommen haben. Während drei der Männer das Mädchen brutal vergewaltigten, soll der Vierte mit seinem Handy alles gefilmt haben. Wohlwissend, dass es sich um eine Minderjährige handelte.

Er klaute der Anklage zufolge auch noch ihre Handtasche, die Wertsachen enthielt. Dann kam demnach ein weiterer Täter aus der Gruppe hinzu und filmte ebenso das Geschehen, bevor auch er sich über das Opfer hermachte. Irgendwann ließen die Männer offenbar von dem Mädchen ab. Die weiteren sechs Angeklagten sollen die 15-Jährige zwei weitere Male unter Gewalteinwirkung ins Gebüsch gezogen haben.

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Mehr Neuigkeiten aus Hamburg:

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Laut Anklage haben sich zehn der elf Angeklagten der Vergewaltigung schuldig gemacht. Vier von ihnen wird zusätzlich Gewaltanwendung zur Last gelegt und „gegen ihren erkennbaren Willen“ gehandelt haben. Z

udem hätten die Angeklagten ganz bewusst „die eingeschränkte Widerstandsfähigkeit der stark alkoholisierten Geschädigten genutzt“. Sie hätten erkannt, dass „die Fähigkeit der Geschädigten, einen Willen zu bilden und zu äußern, erheblich eingeschränkt gewesen sei“.

Einer der mutmaßlichen Vergewaltiger muss sich zusätzlich wegen der „Herstellung jugendpornografischer Inhalte und wegen der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen und wegen Diebstahls“ verantworten. Dem elften, der sich als einziger nicht an der Gruppenvergewaltigung beteiligt haben soll, muss sich wegen „Beihilfe zur Vergewaltigung und der Herstellung von jugendpornografischen Inhalten“ verantworten.

Noch ist unklar, ob das Mädchen vor ihren Peinigern vor Gericht aussagen muss. „Denkbar wäre auch eine Video-Zuschaltung“, sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen. Die Urteilsverkündungen sollen am 20. Dezember erfolgen. Bis zu rechtskräftigen Verurteilungen gilt die Unschuldsvermutung.