Hamburg: Wenn sie antritt, zittert die Konkurrenz – „Gibt wirklich brutale Frauen“

Bea Swietczak
Denise Herber (oben rechts) aus Hamburg ist ziemlich erfolgreich in einer Nischensportart.
Denise Herber (oben rechts) aus Hamburg ist ziemlich erfolgreich in einer Nischensportart.
Foto: IMAGO / ITAR-TASS / Denise Herber

Wer Denise Herber in Straßenkleidung in Hamburg auf der Straße begegnet, der sieht eine junge, sportliche Frau. Kaum zu erahnen erahnen, was für Muskelpakete sich unter ihrer lockeren Kleidung verbergen. Denn die 31-Jährige ist eine Weltmeisterin im Powerlifting. Eine Sportart, die von Laien oft mit Bodybuilding verwechselt wird.

Worin besteht der Unterschied? „Bei beiden Sportarten wird gezielt auf den Tag X hin trainiert, an dem Kampfrichter bewerten“, sagt Denise Herber aus Hamburg. „Powerlifting ist eine Maximalsportart, bei der es ausschließlich um Leistung geht. Am Entscheidungstag kommt es darauf an, das maximale Gewicht zu stemmen oder zu heben. Die Leistung ist also messbar. Beim Bodybuilding bewertet eine Jury nur die Optik. Da geht es darum, wie die Muskelproportionen zueinander stehen.“

Hamburg: Früher im Tanzsport aktiv

Deshalb stellt die attraktive Blondine klar: „Ich möchte durch meine Leistung überzeugen und nicht nach meinem Aussehen beurteilt werden.“ Das war früher aber mal ganz anders. Denn schon im Alter von acht Jahren fing Denise Herber an zu tanzen. Den Sport betrieb sie sehr ehrgeizig zehn Jahre lang und holte mehrere Titel. Latein war ihre Spezialität.

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Doch als ihr russischer Tanzpartner Denis zurück in seine Heimat ging, verlor sie die Lust. „Das Schwierige beim Tanzen ist, dass alles zu 100 Prozent passen muss“, begründet sie ihre Entscheidung. „Die Größe der Partner müssen stimmen, die Harmonie, das ganze Drumherum. Als Denis ging, habe ich den Anschluss verloren.“

Doch wer einmal intensiv Sport betreibt, der kann nicht ganz aufhören. So ging die junge Frau ins Fitnessstudio, machte Kardio-Training und lief die Haspa-Marathons in Hamburg mit. Als sie vor sieben Jahren mit Gerätetraining anfing, lernte sie ihren heutigen Verlobten Nico Viduka (29) kennen.

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Das ist Denise Herber:

  • sie wurde 1990 in Hamburg geboren und wuchs mit zwei Geschwistern auf
  • vom 8. bis 18. Lebensjahr war sie im Tanzsport aktiv
  • Denise Herber gewann mehrere Landes- und Norddeutsche Meistertitel
  • sie besuchte das Wirtschaftsgymnasium
  • sie absolvierte eine Ausbildung für Bürokommunikation, danach zur Sport- und Fitnesskauffrau
  • seither arbeitet sie als Personal Trainerin und Coach
  • seit 2014 betreibt Denise Herber Powerlifting
  • sie gewann Titel wie die Deutsche Vizemeisterschaft, wurde Europa-Meisterin und 2016 Weltmeisterin
  • ihr größter Erfolg international: Ranking in den Top 10 ihrer Gewichtsklasse
  • seit sieben Jahren ist sie mit dem Powerlifter Nico Viduka liiert
  • das Paar ist verlobt und lebt in Hamburg-Wandsbek

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Hamburg: Liebe durch das Powerlifting

Der angehende Physiotherapeut ist ebenso Powerlifter. „Da war es um mich geschehen“, erzählt sie augenzwinkernd. „Ich verliebte mich in ihn und ins Powerlifting. Das gemeinsame Interesse an dem Trendsport schweißt uns auch in der Beziehung eng zusammen.“ Er unterstützt seine Zukünftige beim Training und den Vorbereitungen für ihre Wettkämpfe.

Was übt den Reiz aus, sich beim Powerlifting derart an die Grenzen zu bringen? „Ich kenne keine Grenzen, dann würde ich mich ja selbst limitieren“, sagt Denise selbstbewusst. „Mein Training ist so aufgebaut, immer noch etwas mehr Gewicht zu bewegen. Jetzt hebe ich locker 230 Kilogramm, und ich weiß, da geht noch was.“

Im Weltrang-Vergleich war Denise Herber, die sonst als Fitness-Trainerin arbeitet, in ihrer Gewichtsklasse mit 75 Kilogramm im letzten Jahr unter den Top 10. Das brachte ihr eine Einladung zu den „Kern US-Open“ im April in San Diego ein – als erste deutsche Athletin überhaupt.

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Powerlifting kurz erklärt:

  • drei Grundübungen (Kniebeugen, Bankdrücken, Kreuzheben) auf Maximalkraft
  • Wettkampf: Pro Disziplin hat man drei Versuche (eine Wiederholung)
  • Gewinner ist, wer am Ende in seiner Gewichtsklasse das höhere Total hat (alle Bestversuche der drei Übungen addiert)

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Hamburg: Sportart wird immer trendiger

Doch wegen der Pandemie konnte sie nicht reisen. „International gibt’s wirklich brutale Frauen“, sagt die Sportlerin. „Die Amerikanerinnen und die Russinnen sind führend.“

Um in diesem Jahr wieder voll anzugreifen, trainiert sie derzeit viermal in der Woche jeweils drei Stunden lang. Darin sind Regenerationspausen zum Aufladen der Muskulatur enthalten.

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Am Ende einer Woche hat Denise Herber locker mehrere tausend Kilos bewegt. Am 31. Juli will sie an den Deutschen Meisterschaften in Bayern teilnehmen und im September an einem Wettkampf in Irland. Auf den Sieger wartet nur ein fünfstelliges Preisgeld. „Powerlifting ist leider noch ein Nischensport“, sagt sie. „Aber wir verzeichnen zunehmend Zulauf auch bei Frauen. Diese Sportart wird immer trendiger.“