Penny in Hamburg: Mitarbeiter macht Ansage an Rollstuhlfahrer – der fängt plötzlich an zu weinen

Der bekannteste Penny-Markt in Hamburg hat schon Material für mehrere Dokus geliefert.
Der bekannteste Penny-Markt in Hamburg hat schon Material für mehrere Dokus geliefert.
Foto: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Über den Penny auf der Reeperbahn wurden schon mehrere Dokumentationen gemacht. Das ist angesichts der Szenen, die sich hier in Hamburg immer wieder abspielen, auch kein Wunder.

Man kann schon sagen, dass der Penny-Markt auf der Reeperbahn inzwischen Kult ist. Doch selbst während des Lockdowns blieb die mitunter skurrile Kundschaft natürlich nicht aus. Ein Team von Spiegel TV hat den Discounter in Hamburg während dieser besonderen Zeit begleitet.

Penny in Hamburg muss Umsatz einbüßen

20 Prozent Umsatz hat der Markt während des Lockdowns eingebußt. Kaum eine Menschenseele war auf dem Kiez unterwegs und der Alkoholverkauf ohnehin ab 22 Uhr verboten. Eine Regel, die manch einen Kunden an den Rande der Verzweiflung bringt (MOIN.DE berichtete).

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„Die Stadt will es so“, sagt eine Verkäuferin, zuckt mit den Achseln und deckt den Alkohol ab. Die Stammkunden sind dem Discounter erhalten geblieben. Einer davon, ein Obdachloser im Rollstuhl, ist den Mitarbeitern schon seit Jahren bekannt.

„Damals, als ich noch Marktleiter war, kam er jeden Tag vorbei.“, erzählt ein Verkäufer. „Immer am Jodeln. Damals konnte er sogar noch laufen“, erinnert er sich. Der Mann sei trotz seines harten Lebens stets gut drauf und bei den Mitarbeitern beliebt.

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Daten und Fakten zur Reeperbahn:

  • Die Reeperbahn verläuft vom Millerntor in Richtung Westen bis zum Nobistor und ist 930 Meter lang
  • Die Reeperbahn erhielt ihren Namen von Taumachern und Seilern, den so genannten Reepschlägern, die für die Herstellung von Schiffstauen verantwortlich waren
  • Heute reihen sich zahlreiche Diskotheken, Bars, Strip-Clubs, Theater und Hotels auf der Reeperbahn aneinander
  • Auch bekannt als Hamburger Kiez ist die Reeperbahn die Anlaufstelle, wenn es um Vergnügung und Partyspaß geht
  • Weltweit ist die Reeperbahn auch als das Rotlichtviertel schlechthin bekannt und wird daher als „die sündigste Meile der Welt“ bezeichnet
  • Im Sommer zieht die Reeperbahn bis zu 50.000 Besucher am Wochenende an
  • Insgesamt besuchen rund 30 Millionen Menschen pro Jahr die Reeperbahn und ihre Seitenstraßen

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Sein Lebensmotto lautet „Leben und leben lassen“, erzählt der Rollstuhlfahrer. „Aber ich selbst? Nein, ich lebe nicht gut, auf keinen Fall“, gibt er zu. Daraufhin schiebt er sich ein paar kleine Fläschen Kräuterschnaps in die Jackentasche.

Penny in Hamburg macht keine Ausnahme

„Jetzt wollen wir erst mal die ganzen Patronen einschieben hier“, lacht er. Den Alkohol brauche er, um sich warm zu halten. Immerhin stehe er den ganzen Tag auf der Straße und friere sich dabei die Füße ab. Doch nach zehn ist auch für ihn Schluss.

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Da der Obdachlose es nicht pünktlich an die Kasse geschafft hat, nimmt ein Mitarbeiter ihm den Schnaps ab. „Es ist nach zehn, wir können Ihnen das nicht mehr verkaufen“, macht er dem Kunden klar. Der will das erst nicht wahrhaben. „Bist du blöd, oder was?“, lautet seine erste Reaktion.

Obdachloser aus Hamburg singt im Penny

Doch es gibt keine Gnade. „Ab zehn Uhr dürfen wir die keinen Schnaps mehr verkaufen. Du warst nicht um zehn an der Kasse“, so der Mitarbeiter. Dem Rollstuhlfahrer fällt alles aus dem Gesicht. Die Tränen steigen ihm in die Augen und er beginnt, bitterlich zu weinen.

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Dann wird es irre. „Was für ein Crime“, murmelt er. Dann fängt er an, zu singen! Seine paar Zeilen, die er im Discounter trällert, beendet er mit dem Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Verrückt! Doch für die Mitarbeiter der ganz normale Alltag.

Und so könnte man sicher noch mehrere hundert Dokumentationen über den Kult-Supermarkt drehen. Die Letzte wird es sicher nicht gewesen sein.

Die komplette Reportage kannst du dir >>> hier auf Youtube ansehen. (lh)