Hamburg: Ehemalige Kiez-Größe muss sich vor Gericht verantworten – dann wird es richtig peinlich

Bea Swietczak
Der Angeklagte Klaus Barkowsky diskutiert mit Richterin Nicola Lübke-Detring im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude in Hamburg.
Der Angeklagte Klaus Barkowsky diskutiert mit Richterin Nicola Lübke-Detring im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude in Hamburg.
Foto: picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Früher hatte er alles: haufenweise Geld, hübsche Frauen, teure Lamborghinis, schwere Maschinen und vor allem viel Respekt. Den verschaffte sich Klaus Barkowsky (68), alias „Der schöne Klaus“, auf dem Kiez in Hamburg als Zuhälter und neben dem brandgefährlichen Thomas Born (†64, alias „Karate-Tommy“) als einer der Bosse der berüchtigten Nutella-Bande.

Die war Ende der 70ern und in den 80ern eine aufstrebende und schlagkräftige Zuhälter-Organisation, die das Rotlichtviertel in Hamburg kontrollierte. Nutella, weil sie aus dem jungen Nachwuchs bestand, die der etablierten „GMBH“, eine Bande aus alteingesessenen Kiezianern, den Garaus machte.

Hamburg: 5000 Euro Schulden habe „Der schöne Klaus“ noch

Doch heute ist alles ganz anders. Vor dem Hamburger Amtsgericht Mitte musste sich Barkowsky jetzt wegen eines Nazi-Skandals verantworten und dabei die Hosen runterlassen, als die Richterin ihn nach seinen Einkommensverhältnissen fragte. Sie wollte nämlich die Höhe seiner Geldstrafe bemessen. Da kam heraus, dass er nur 170 Euro Rente und die Grundsicherung hat, um über die Runden zu kommen.

Die Miete für seine kleine Wohnung in Altona zahlt das Amt. 5000 Euro Schulden habe er auch noch. Und „Der schöne Klaus“, der sich als Künstler bezeichnet, musste zugeben, dass sich seine Bilder, die er manchmal ausstellt, nicht verkaufen.

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Dabei wirkten sich seine finanziellen Umstände für ihn am Ende positiv aus, was ihm scheinbar gar nicht klar war. Denn eigentlich sollte er 40 Tagessätze à 50 Euro zahlen, also 2000 Euro. Der Vorwurf: Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Barkowsky soll an einem Abend im Mai vor dem Hans-Albers-Denkmal auf dem Hans-Albers-Platz in Anwesenheit von Passanten den Arm zum Hitler-Gruß erhoben und dabei „Sieg heil“ gerufen haben. Zuvor war er aus dem Lokal „Frieda B.“ (ehemals „Chikago“) rausgeflogen, weil er gegen die Maskenpflicht verstoßen hatte.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Doch sein Urteil wollte Klaus Barkowsky nicht anerkennen und wendete sich gegen den Strafbefehl. Aus diesem Grund stand er nun vor Gericht und machte alles andere als eine gute Figur.

Hamburg: Barkowsky taucht ohne Maske auf

Alle saßen auf ihren Plätzen, der Prozess sollte pünktlich um elf Uhr beginnen. Nur „Der schöne Klaus“ war noch nicht da. Vor der Tür des Gerichtssaals hörte man ihn Interviews geben.

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Als er endlich hereinkam, mit Hut und Sonnenbrille, sprach er die Richterin mit „Euer Ehren“ und „Oberstes Gericht“ an, als er ihr ein ärztliches Attest mit seiner Masken-Befreiung vorlegte. Von der Zuschauerbank rief jemand: „,Frau Vorsitzende’ heißt das.“

Dann setzte er sich hin. Die Plätze links und rechts neben ihm blieben frei, denn er hatte auf Anwälte verzichtet, verteidigte sich selbst. Befragt zu seinen Personalien gibt er als ehemaligen Beruf „Milieu-Manager“ und jetzt „Künstler“ an.

Die Richterin klärte Barkowsky darüber auf, dass er auch die Möglichkeit hätte, den Strafbefehl zu akzeptieren. Wenn jetzt tatsächlich verhandelt würde, dann könnte sogar eine höhere Strafe dabei herausspringen.

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Denn immerhin wartete das Gericht mit glaubwürdigen Zeugen auf, die den Hitler-Gruß-Vorgang bestätigten. Daraufhin Barkowsky zur Richterin: „Was ist denn besser für mich?“

Hamburg: Heiße Debatte bei Gericht

Auf eine Rechtsberatung wollte sich die Richterin aber nicht einlassen. Ohne klar zu äußern, was er denn nur will, legte Barkowsky einfach los und bestritt den Vorwurf des Hitler-Grußes.

„Ich war in einem Trunkenheitszustand. Da ist man lustiger und beweglicher“, sagte er. „Ich hebe immer mal den rechten Arm, wenn ich Freunde sehe, die ich begrüße.“ Die Richterin: „Sie können mir nicht erzählen, dass Sie nicht wissen, was ein Hitler-Gruß ist.“

Barkowsky: „Darf ich nicht mal meinen Arm heben? Was ich innerlich dabei denke, ist doch entscheidend.“ Er wiederholte sich immer wieder, bestritt den Vorwurf, erzählte, dass er ein Guter sei. Obdachlosen würde er helfen, Glasscherben aufsammeln, viele Freunde mit Migrationshintergrund hätte er.

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Ein Barkeeper vom Frieda B. wurde als Zeuge aufgerufen und zeichnete ein anderes Bild: „Er war aggressiv, ist immer wieder laut geworden, hatte keine klare Aussprache. Eine Flasche ging zu Bruch“, erinnerte er sich an den Abend. „Ich habe gehört, dass er ,Sieg heil’ gerufen hat. Er hat den rechten Arm eindeutig zum Hitler-Gruß erhoben und sich dabei vor dem Denkmal in alle Richtungen gedreht.“

Eine Bekannte von Barkowsky, die er als Zeugin präsentierte, konnte das nicht entkräften. Als sie befragt wurde, stellte sich heraus, dass sie an dem Abend mit ihm unterwegs war, ihn aber nicht die ganze Zeit beobachtet hatte.

Hamburg: Erkennt Barkowsky das Urteil dieses Mal an?

Am Ende mahnte ihn die Richterin: „Dass es so gewesen ist, darüber habe ich keinen Zweifel. Dass Sie keine nationalsozialistische Gesinnung haben, glaube ich Ihnen. Aber den Hitler-Gruß zeigt man nicht. Das steht unter Strafe.“

Ihm kommt sein erheblicher Alkoholkonsum an dem Abend zugute, die seine Schuldfähigkeit minderte. Zudem sein schwaches Einkommen. Sie verdonnerte ihn zu 50 Tagessätzen à 30 Euro, die er in Raten abzahlen darf. Also 500 Euro weniger.

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„Dann werde ich eben künftig meinen rechten Arm anbinden“, murmelt „Der schöne Klaus“ und fügt kleinlaut hinzu: „Kann ich stattdessen vielleicht lieber Sozialstunden machen?“ „Die können Sie beantragen“, erwidert die Richterin.

Nach dem Prozess gibt sich Barkowsky schon wieder wie immer. Ob er mit dem Urteil zufrieden sei? „Nö, wie kann ich denn zufrieden sein, wenn ich Kohle abdrücken soll?“ maunzt er. „Darf man denn gar nichts mehr in diesem Land? Das wird ja immer schlimmer.“

Erkennt er dieses Mal sein Urteil an? Barkowsky: „Das muss ich mir noch überlegen.“