Aida: Koch verlässt wegen Corona die Flotte – nun arbeitet er ausgerechnet HIER

Unter anderem auf der „Aida Perla“ arbeitete Baahs als Restaurantleiter (Symbolbild).
Unter anderem auf der „Aida Perla“ arbeitete Baahs als Restaurantleiter (Symbolbild).
Foto: imago/Kickner

Zum letzten Mal auf einem Kreuzfahrtschiff war Gerald Baahs im April vergangenen Jahres. Im Hafen von Dubai verließ er die „Aida Prima“ und fuhr mit dem Bus zum Flughafen. Von dort ging es in sein Heimatdorf in Mecklenburg-Vorpommern.

Damals dachte der ehemalige Restaurantleiter der Aida-Schiffe „Nova“, „Luna“ und „Prima“ noch, dass schon alles schnell wieder vorbeigehen würde. Doch es kam anders. Und für Gerald Baahs musste ein neuer Job her.

Aida: Als Koch gleich doppelt bestraft

„Dass uns Corona so lange ausbremst, damit hatte zu dieser Zeit keiner gerechnet“, erinnert sich der 43-Jährige im Gespräch mit dem „Ludwigsluster Tageblatt“ zurück. Richtig bewusst wurde es ihm in der zweiten Jahreshälfte 2020, als langsam das Geld knapp wurde.

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„Du fragst dich ständig: Wann hört das endlich auf? Und dann beginnst du, irgendwann nur noch an dich selbst zu denken“, sagt Baahs, der als Koch gleich doppelt bestraft war. Denn durch die Lockdowns waren auch die Restaurants in Deutschland geschlossen.

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Daten und Fakten zu Aida:

  • Aida ging aus der „Deutsche Seereederei“ hervor, einem volkseigenen Betrieb im Feriendienst der DDR
  • 1996 ging das erste Aida-Clubschiff auf Reise, derzeit (Stand 2019) besteht die Flotte aus 14 Schiffen
  • Der Firmensitz von Aida ist in Rostock, die Reederei hat ihren Sitz in Hamburg
  • Die Schiffe fahren unter italienischer Flagge, Aida gehört zum italienischen Unternehmen Costa Crociere
  • Das Merkmal der Aida-Schiffe ist der Kussmund am Bug

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Doch er hat Glück und kommt zunächst im Wittenberger Alpincenter unter. Irgendwann muss jedoch auch dieses schließen. Also bewirbt sich der Drönnewitzer beim Westmecklenburg Klinikum in Ludwigslust. Dort ist eine Stelle als stellvertretender Küchenchef frei.

Aida-Koch bringt Restaurantessen in die Kantine

Im Bewerbungsgespräch wird schnell klar, dass Baahs für die Stelle überqualifiziert ist. Also entscheidet sich die Geschäftsleitung dazu, ihn als gastronomischen Leiter für beide Krankenhäuser einzustellen.

Und das sollte sich nicht nur für die Belegschaft, sondern auch für die Patienten lohnen. Denn in der Kantine gibt es jetzt Gerichte, die man sonst nur aus dem Restaurant kennt: Pasta aus dem Parmesanlaib, Steaks direkt vom Grill oder Fisch, frisch aus dem Räucherofen der Krankenhausküche.

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„Kantinenessen hat ja die Eigenschaft, dass es sich ständig wiederholt. Da freuen wir uns natürlich, wenn auf einmal besondere Mahlzeiten auf dem Speiseplan stehen“, sagt Stephan Altmayer, der ärztliche Leiter der Notaufnahme in Ludwigslust zum „Ludwigsluster Tageblatt“.

Aida: Statt Mittelmeer jetzt beschauliches Heimatdorf

Doch das ist noch nicht alles. Baahs will das Angebot erweitern. Im Ludwigsluster Krankenhaus-Café gibt es aktuell nur Snacks und „Kaffee to go“ für den Rettungsdienst. Im Sommer sollen hier wieder Gäste sitzen:

„Dann machen wir hier ein Barbecue und freuen uns, dass wir endlich wieder öffnen können“, sagt der Koch dem „Ludwigsluster Tageblatt“.

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Baahs lebt eben serviceorientiert, so wie er es von den Aida-Schiffen kennt. Mit diesen wäre er jetzt eigentlich auf dem Mittelmeer in Richtung Barcelona unterwegs.

Doch stattdessen lebt er in seinem Heimatdorf Drönnewitz – und fährt täglich zu den Krankenhäusern in Hagenow und Ludwigslust. Ausgerechnet dort, wo man die Corona-Pandemie quasi täglich zu „spüren“ bekommt. (mk)