Camping: Mann hat in Hamburg Panne mit Wohnmobil und ist entsetzt – „Mehrfach Schläge angedroht“

Ein Mann blieb mit seinem Camping-Wohnmobil mitten am Dammtor-Bahnhof liegen.
Ein Mann blieb mit seinem Camping-Wohnmobil mitten am Dammtor-Bahnhof liegen.
Foto: imago / NGH-agentur / Jöran Steinsiek

Es ist kaum zu glauben, was eine einfache Panne für einen Kleinkrieg auslösen kann. Ein Vorfall um ein Camping-Wohnmobil hat jetzt die tiefen Gräben aufgezeigt, die es zwischen Auto- und Radfahrern gibt. Zumindest in einer Großstadt wie Hamburg. Auslöser ist ein Vorfall um einen Mann, der auf Facebook als „TuningSzeneAnwalt“ auftritt.

Der war mit seinem Camping-Wohnmobil nach Hamburg reingefahren. Zu einem Tennisturnier seines Sohnes. Dann passierte zu allem Unglück ein brenzliger Vorfall direkt an einem der wichtigsten Verkehrsknoten: dem Dammtor-Bahnhof in der Innenstadt gegenüber der Universität. Dort fahren sowohl Fern- als auch Regionalzüge und S-Bahnen, nebenan befindet sich außerdem eine U-Bahnstation.

Camping: Wohnmobil-Panne in der Innenstadt

Auch Autofahrern ist der Dammtor-Bahnhof bestens bekannt. Die riesige Kreuzung vor der Eingangshalle gilt als Staufalle, wurde in den letzten Jahren mehrfach umgebaut und ständig gibt es dort Unfälle.

Der Mann fuhr mit seinem Wohnmobil auf einem der Fahrstreifen gegenüber der Universität in Fahrtrichtung Innenstadt und war fast auf Höhe des Eingangsbereichs des Bahnhofs, da passierte es: die hinteren Bremsen blockierten „und ich konnte das Fahrzeug gerade so stabilisieren“, heißt es in seinem Beitrag.

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Er fuhr das Camping-Mobil schließlich auf eine kleine Einbuchtung an einer Ampel. An dieser befinden sich ein Radweg und eine Ampel. Viele Menschen gehen dort vom Bahnhof zur Universität oder gelangen durch einen kleinen Tunnel zu den Bahnsteigen – das spart einem den Weg durch die große Empfangshalle. Es ist also viel los an der Stelle.

Und das wurde besonders wegen der Fahrradfahrer zum Problem. So schreibt der Wohnmobil-Fahrer: „Was wir in dieser Stunde von doch recht vielen Radfahrern der eigentlich sehr schönen Stadt Hamburg erleben durften, ist erschreckend.“

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Camping: Situation am Hamburger Dammtor eskaliert

Eine Stunde lang seien der Mann und sein Sohn fast durchgängig beleidigt worden – bis der Abschleppwagen kam. „Sei es mit Worten oder Gesten. Mir wurden mehrfach Schläge angedroht. Mein Sohn war nach dem gestrigen Tage sehr eingeschüchtert.“

Ein Fahrradfahrer soll den Wohnmobil-Besitzer aufgefordert haben, wegzufahren, „wenn ich nicht Prügel von ihm erhalten möchte. Ruhig erklärte ich ihm die Bedeutung von Warnblinkern sowie Warndreieck und berichtete von unserer Panne.“ Nach einem weiteren Wortgefecht soll der Radfahrer dann sogar einen Spiegel des Fahrzeugs beschädigt und sich aus dem Staub gemacht haben.

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Den Vater ließ das alles ungläubig zurück: „Was ist los mit euch Radfahrern in Hamburg? Womit ich sicher nicht alle meine, sondern speziell die, die nicht wissen sich zu benehmen.“

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Camping-Urlaub angesagt wie nie – das steckt dahinter:

  • Der Begriff Camping umfasst eine sehr breite Spanne von Aktivitäten. Ihnen allen ist gemeinsam, nicht in Gebäuden zu übernachten, sondern in der Natur.
  • Die Urlauber schlafen in Zelten, Hängematten, Wohnwagen oder Wohnmobilen, in Dachzelten oder ausgebauten Vans. Wird in Zelten gecampt, so spricht man auch von Zelten.
  • Camping wurde Anfang des 20. Jahrhunderts populär und ist mittlerweile eine weitverbreitete Urlaubs- und Reiseform.
  • In den meisten Ländern Europas ist Camping außerhalb dafür vorgesehener Einrichtungen (wildes Campen) nicht erlaubt oder nur unter strengen Auflagen gestattet.
  • Über zehn Millionen Deutsche betreiben ab und zu Camping oder Caraving, fast zwei Millionen sogar häufig.
  • Besonders beliebt bei den Deutschen für einem Campingurlaub ist das eigene Land, gefolgt von den wärmeren Mittelmeerländern Italien und Frankreich.
  • 2020 gab es in Deutschland 2.862 Campingplätze mit einer Anzahl von etwa 209.000 Stellplätzen.
  • Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden auf deutschen Campingplätzen etwa 34 Millionen Übernachtungen gezählt.
  • Davon waren etwa 2,2 Millionen Übernachtungen von ausländischen Gästen. Die Hälfte dieser Übernachtungen wurde dabei von Niederländern getätigt, gefolgt von Gästen aus der Schweiz und aus Belgien.
  • Etwa sieben Prozent der Ausländer wählen bei einem Besuch in Deutschland einen Campingplatz als Unterkunftsform.

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Beitrag schlägt hohe Wellen

Das Posting auf Facebook schlug sehr hohe Wellen. Und die Grabenkämpfe gingen in den Kommentaren weiter. So schreibt eine Person, die relativ viel Zuspruch erhält und Partei für die Radfahrer ergreift: „Ich rege mich auch nur so auf, weil die konkrete Stelle so gefährlich für Radfahrer ist. Aber diese Erkenntnis hat Mr. Tuninganwalt in seinem Text nicht ereilt. Er tut einfach so, als hätten die Radfahrer ausweichen können.“

Die Stelle ist nicht gefährlich, weil Radfahrer das Wohnmobil nicht sehen können. Diese fahren nämlich vor dem Wohnmobil auf einer schnurgeraden, glatt asphaltierten Fahrbahn an der Edmund-Siemers-Allee entlang. Sie können das ungünstig geparkte Wohnmobil also schon von Weitem sehen und entsprechend auf die Situation reagieren.

Das Problem wartet dann aber direkt davor: Links vom Wohnmobil verläuft die gefährliche, dreispurige Edmund-Siemers-Allee und rechts ist kein Fußweg vorhanden, sondern eine Mauer. Es bleibt also nur, sich irgendwie an der vielbefahrenen Straße am dem Wohnmobil entlang zu schieben. Für viele Fahrradfahrer zu viel des Guten.

Im Anschluss räumt auch der Anwalt ein: Es wäre wohl besser gewesen, links auf der dreispurigen Straße zu halten. So hätten die Autofahrer immerhin noch zwei Spuren vor der großen Kreuzung gehabt und die Radfahrer komplett freie Fahrt.

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Schlimmer Ton unter Auto- und Radfahrern

Insgesamt finden sich über 1.000 Kommentare zu dem Posting, es gibt Beleidigungen, Vorwürfe und Anschuldigungen aller Seiten. In aller Deutlichkeit zeigt sich, dass es zwischen Auto- und Radfahrern so einiges an Disput gibt. Selbst Menschen aus München melden sich zu Wort. Wer sich durch die Kommentare kämpft, gewinnt den Eindruck, dass viele Menschen den Vorfall nutzen, um ihre Abneigung gegen die andere Seite auf verbalste Art und Weise loszuwerden.

Eines dürfte sicher sein: Wenn schon in Kommentarspalten auf Facebook solch ein Ton und Aggressivität herrschen, ist es wohl kein Wunder, dass sich Auto- und Radfahrer auch im Verkehr (fast) an die Gurgel gehen. (rg)