Camping-Urlauber genießt die Ruhe – doch irgendwas stimmt hier nicht: „Ich bin schockiert“

Ein Camping-Urlauber hat die Ruhe an der Weser genossen, bis ihm etwas aufgefallen ist.
Ein Camping-Urlauber hat die Ruhe an der Weser genossen, bis ihm etwas aufgefallen ist.
Foto: Image Images

An der Weser in Niedersachsen hat ein Mann seine Camping-Reise prägend in Erinnerung behalten. Denn 200 Meter neben dem bekannten Fluss fiel ihm an seinem Platz etwas auf, was er sich nicht erklären konnte und ungewöhnlich erscheint. Es ist eine Entdeckung, die traurig macht.

Camping-Fans werden es kennen: Man ist eigentlich so gut wie nie alleine auf dem Platz – und damit sind nicht die anderen Reisenden gemeint. Mücken, Motten, Bienen und Wespen sind ebenfalls treue Begleiter eines Camping-Urlaubes. Das ist immer wieder nervig, doch die Tiere sind wichtig für das Ökosystem.

Camping ohne Insekten

Der Urlauber an der Weser in der Nähe zu Nordrhein-Westfalen vermisste die Fliegeviecher gänzlich. MOIN.DE hat mit Udo Krüger gesprochen. Er sagt: „Dort gab es absolut keine Insekten. Selbst ein Stück Kuchen, das wir sehr lange auf dem Tisch stehen hatten, blieb absolut insektenfrei! Ich konnte mir das nicht erklären, bin erst zwei Tage später auf die abstruse Idee gekommen, dass man dies nur mit Pestiziden hinbekommen könne.“

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Nach eine Recherche bei Google habe er erfahren, dass Pestizid-Einsatz auf Camping-Plätzen gar nicht so abstrus ist. Auf Facebook suchte Krüger Rat in einer Gruppe für Camping-Fans. „Die Nachtbeleuchtung, so eine Art Straßenlaterne auf LED, war nachts so gut wie frei von Insekten, da sah man vielleicht mal eins, sonst nichts“, schreibt er dort.

So etwas sei ihm noch nie aufgefallen. „Nicht, dass ich die Krabbelviecher unbedingt im Wagen bräuchte, aber das hatte ich nicht erwartet.“ Er findet drastische Worte: „Da war und bin ich echt geschockt.“

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Camping-Urlaub angesagt wie nie – das steckt dahinter:

  • Der Begriff Camping umfasst eine sehr breite Spanne von Aktivitäten. Ihnen allen ist gemeinsam, nicht in Gebäuden zu übernachten, sondern in der Natur.
  • Die Urlauber schlafen in Zelten, Hängematten, Wohnwagen oder Wohnmobilen, in Dachzelten oder ausgebauten Vans. Wird in Zelten gecampt, so spricht man auch von Zelten.
  • Camping wurde Anfang des 20. Jahrhunderts populär und ist mittlerweile eine weitverbreitete Urlaubs- und Reiseform.
  • In den meisten Ländern Europas ist Camping außerhalb dafür vorgesehener Einrichtungen (wildes Campen) nicht erlaubt oder nur unter strengen Auflagen gestattet.
  • 2016 gab es in Deutschland 2919 Campingplätze mit einer Anzahl von etwa 220.000 Stellplätzen.
  • Im Jahr 2016 wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 9 Millionen Gästeankünfte auf deutschen Campingplätzen mit insgesamt etwa 30,5 Millionen Übernachtungen gezählt.
  • Gäste aus dem Inland machten mit etwa 7,5 Millionen Ankünften (etwa 83 Prozent aller Ankünfte) und etwa 26 Millionen Übernachtungen (etwa 86 Prozent aller Übernachtungen) den größten Teil der Campingtouristen aus.

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Pestizid-Einsatz auf Camping-Plätzen

Andere Camping-Fans berichten dem Mann dann, dass sie schon Pestizid-Einsatz auf Camping-Plätzen erlebt hätten, zum Beispiel in Italien. Und eine Frau will in Spanien vor vielen Jahren gar erlebt haben, wie nachts alle Camper Fenster und Türen schließen mussten, weil die Bäume besprüht wurden.

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Besonders in südlicheren Ländern sei das Ganze dem Empfinden der Camping-Fans nach eine gängige Praxis. Und an der Weser? MOIN.DE hat mit dem Betreiber des besagten Camping-Platzes gesprochen.

Der versichert jedoch, dass er definitiv keine Pestizide einsetze. „Ich wüsste auch gar nicht, was ich da sprühen soll.“ Dass es auf seinem Camping-Platz weniger Insekten gibt, sei ihm aber ebenfalls in den letzten Jahren aufgefallen. „Früher war die Windschutzscheibe beim Autofahren immer voll mit Insekten, heute gar nicht mehr.“

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Camping: Trauriger Grund

Der Grund dafür könnte ganz anderer Art sein: Insektensterben. Auch unter den Camping-Fans erwähnen einige das Thema. „Das Insektensterben ist Realität und schreitet unaufhaltsam voran“, heißt es vom Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu). Seit Jahren sei dort ein dramatischer Rückgang der Insekten festzustellen.

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Auch die Beobachtungen des Campers und des Platz-Betreibers spiegeln sich in den Darstellungen des Nabu wieder: „Noch vor wenigen Jahren musste man nach längeren Autofahrten die Scheiben von Insekten säubern. Das ist heutzutage nicht mehr der Fall. Auch von Insekten umschwärmte Straßenlaternen sind heute eher selten zu finden.“

So hat das Fehlen der Tierchen auch ohne Pestizid-Einsatz möglicherweise einen traurigen Hintergrund. (rg)