Fehmarn: Gemeinde baut neuen Aussichtsturm – der Grund dafür ist dreist

Ein neues Bauwerk auf Fehmarn sorgt für Kritik (Symbolbild).
Ein neues Bauwerk auf Fehmarn sorgt für Kritik (Symbolbild).
Foto: imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Seit diesem Jahr gibt es an der Yachthafenpromenade in Burgtiefe einen neuen Aussichtsturm. Am 2. Juli 2021 hat der Tourismus-Service Fehmarn (TSF) das Richtfest für das neue Wahrzeichen gefeiert.

Doch was jetzt ans Licht kommt, ist ziemlich dreist. Denn wie im „Schwarzbuch 2021/2022“, eine Sammlung an Beispielen von Steuergeldverschwendungen, nun aufklärt, wurde der Aussichtsturm offenbar nur aus einem bestimmten Grund erbaut. Der Bund der Steuerzahler Deutschland lässt kein gutes Haar an Fehmarn.

Fehmarn: Kritik für den neuen Aussichtsturm

Insgesamt 12,8 Mio. kostete die Neugestaltung der Binnensee- und Jachthafenpromenade in Burgtiefe auf der Ostseeinsel Fehmarn. Für die Bewilligung einer 70-prozentigen (10,8 Mio. Euro) Förderung aus der Gemeinschaftsaufgabe verlangt das Land Schleswig-Holstein, dass besondere Erlebniswerte oder Alleinstellungsmerkmale geschaffen werden, so steht es im „Schwarzbuch“.

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Eines dieser Bauprojekt ist der neue Aussichtsturm am Ende der Promenade in Burgtiefe. Er hat eine Höhe von 16,5 Meter und einen barrierefreien Fahrstuhl. Der Turm ist ein architektonischer Hingucker, ihn würde kein Besucher übersehen.

Der Turm bietet Touristen die Aussicht über den Burger Binnensee sowie auf den Fehmarnsund, für einen Rundumblick über die Insel ist das Bauwerk aber deutlich zu niedrig.

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Das ist Fehmarn:

  • Fehmarn ist nach Rügen und Usedom die drittgrößte Insel Deutschlands
  • Es ist die einzige Ostsee-Insel Schleswig-Holsteins
  • Die Fehmarnsundbrücke, die Fehmarn mit dem Festland verbindet, ist 963 Meter lang
  • Fehmarn zählt rund 12.600 Einwohner
  • Auf der Insel gibt es vier Naturschutzgebiete
  • Der 17,6 Kilometer lange Fehmarnbelttunnel soll Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden; die Eröffnung ist für 2029 geplant

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Die reinen Baukosten für den Turm belaufen sich auf knapp 1,06 Millionen Euro. Für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten plant der Tourismus-Service mit 3.000 bis 5.000 Euro im Jahr.

Fehmarn: Kritik für den Turm

Obwohl der Turm ein schönes Wahrzeichen ist, bewertet ihn der Autor Rainer Kersten im „Schwarzbuch“ als unnötig: „Wäre er nicht gebaut worden, hätte ihn wohl niemand vermisst“.

Doch das Bauwerk sei für die Projektträger wohl nötig gewesen, um durch einen Mehraufwand von knapp 10 Prozent die Förderung von 70 Prozent für das gesamte Projekt erhalten zu können.

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Für einen Aussichtsturm seien die Kosten zu hoch, das hat Kritik ausgelöst. „Durch die Förderrichtlinien werden die Kommunen genötigt, ihre Projekte unnötig teuer zu gestalten. Sie tragen daher erheblich zur Verschwendung von Steuergeld bei“, so der Steuerzahlbund.

„Wir können stolz auf diesen besonderen Aussichtsturm sein, der an einer Jachthafenpromenade in Schleswig-Holstein ein Alleinstellungsmerkmal für die Insel ist“, sagte hingegen Tourismusdirektor Oliver Behncke im Juli.

Ob das Bauwerk auf Fehmarn tatsächlich nur aufgrund der Fördergelder errichtet wurde, bleibt unklar. (mae)