Fehmarn: Bittere Erkenntnis auf der Insel – „Unsere Augen vor dieser Realität nicht verschließen“

Auf Fehmarn gab es viele Protestaktionen. Trotzdem wird der Tunnel gebaut.
Auf Fehmarn gab es viele Protestaktionen. Trotzdem wird der Tunnel gebaut.
Foto: picture alliance/dpa

Alle Proteste auf Fehmarn haben nichts geholfen: Der Fehmarnbelt-Tunnel ist beschlossene Sache, die Vorbereitungen für den Bau laufen auf Hochtouren. Die Landesregierung von Schleswig-Holstein ist gespaltener Meinungen.

Einige sehen in dem Milliarden-Projekt viele Chancen für Fehmarn. Andere betonen noch die vehemente Ablehnung des Tunnels. Doch eines ist mittlerweile klar: Der Bau ist nicht mehr zu stoppen.

Fehmarn: „Mit dem Bau wird bereits begonnen“

Schleswig-Holstein will die negativen Auswirkungen auf Natur und Anwohner entlang der Hinterlandanbindung so gering wie möglich halten. Das machten Landtag und Regierung am Freitag in einer kontroversen Debatte über das Milliardenprojekt deutlich, das Grüne und eine Minderheit in der SPD nach wie vor ablehnen.

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Wirtschaftsminister Bernd Buchholz warb für das größte Verkehrsinfrastrukturprojekt in der Geschichte des Landes. „Wir haben Baurecht und mit dem Bau wird bereits begonnen“, sagte der FDP-Politiker und warnte vor vergangenheitsbezogenen Debatten.

Mit der Verbindung für Straße und Bahn würden viele Güter auf die Schiene verlagert, sagte Buchholz. „Das Projekt schafft auch ökologisch ganz viel Positives.“ Entlang der Hinterlandanbindung gebe es viel Potenzial für neue Gewerbeflächen, betonte Buchholz. Er wünsche sich jetzt eine Aufbruchstimmung.

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Das ist Fehmarn:

  • Fehmarn ist nach Rügen und Usedom die drittgrößte Insel Deutschlands
  • Es ist die einzige Ostsee-Insel Schleswig-Holsteins
  • Die Fehmarnsundbrücke, die Fehmarn mit dem Festland verbindet, ist 963 Meter lang
  • Fehmarn zählt rund 12.600 Einwohner
  • Auf der Insel gibt es vier Naturschutzgebiete
  • Der 17,6 Kilometer lange Fehmarnbelttunnel soll Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden; die Eröffnung ist für 2029 geplant

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Die Koalitionsfraktionen von CDU, Grünen und FDP hatten zu dem Thema einen Antrag mit dem Titel „Chancen der Festen Fehmarnbeltquerung für Schleswig-Holstein entwickeln und nutzen“ eingebracht.

Widerstand auf Fehmarn

In der Vergangenheit hatten die Grünen harten Widerstand gegen das Milliardenprojekt geleistet. Am 3. November vergangenen Jahres wies das Bundesverwaltungsgericht alle Klagen gegen das Vorhaben ab.

Dänemark hat mit dem Bau bereits begonnen, in Deutschland laufen vorbereitende Arbeiten zum Beispiel an Baustraßen und zur Baugrunderkundung. Das Projekt habe europaweite Bedeutung, sagte FDP-Fraktionschef Christopher Vogt. Es bringe Deutschland und Mitteleuropa näher an Skandinavien heran.

Man müsse das Projekt nicht mögen, aber es werde Realität. „Deswegen sollte man es auch gemeinsam bestmöglich gestalten.“ Kritik gibt es unter anderem wegen Belastungen für Natur und Anwohner.

Negative Auswirkungen für Fehmarn gering halten

Joschka Knuth von den Grünen bekräftigte die grundsätzlich ablehnende Haltung seiner Partei gegenüber dem Projekt. Die Grünen müssten aber anerkennen, dass mit dem Gerichtsurteil ein neuer Status entstanden sei. „Wir können unsere Augen vor dieser Realität nicht verschließen.“

Die negativen Auswirkungen für Anwohner, Natur und Umwelt müssten so gering wie möglich gehalten werden. Der Grüne Andreas Tietze kritisierte die Kostenexplosion von 800 Millionen auf über sechs Milliarden Euro.

Noch mehr Pläne für Fehmarn

So leidenschaftlich wie Tietze gegen das Vorhaben wetterte, befürwortete es SSW-Fraktionschef Lars Harms und verband dies mit der Forderung nach dem Weiterbau der A20 samt Elbquerung westlich von Hamburg. „Damit die Leute nicht vor Hamburg im Stau stehen“, sagte er.

„Die Dänen stehen mit breiter Mehrheit hinter der Querung“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Kai Vogel und stellte ebenfalls die Vorteile heraus. So werde eine Zugfahrt von Hamburg nach Kopenhagen künftig statt viereinhalb nur noch zweieinhalb Stunden dauern.

Neue Grenzregion bei Fehmarn

Auch gebe es zusätzliche Arbeitsplätze, zum Beispiel in neuen Gewerbegebieten. Vogel verwies auf die gegensätzlichen Positionen bei Jamaika: CDU und FDP gingen in die eine Richtung, die Grünen in die andere.

Mit der festen Querung werde auch der kulturelle Austausch über die Grenze hinweg verstärkt, sagte Lukas Kilian von der CDU. „Beide Staaten werden noch stärker zusammenarbeiten.“ Mit der schnelleren Bahnverbindung werde es auch keine Kurzstreckenflüge zwischen Hamburg und Kopenhagen mehr geben müssen.

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Mit der Querung entstehe eine neue Grenzregion mit einem grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt, hob Christian Dirschauer vom SSW hervor. Angesichts unterschiedlicher Regelungen im Steuer- und Arbeitsrecht werde es viel Beratungsbedarf geben. Auch sollten Schulen in der Region rechtzeitig Dänischunterricht anbieten. (dpa/lh)