Fehmarn: Familie zieht es auf die Ostsee-Insel – nach einem Jahr fällt ihr Fazit eindeutig aus

Eine Familie spielt am Strand von Puttgarden auf Fehmarn.
Eine Familie spielt am Strand von Puttgarden auf Fehmarn.
Foto: IMAGO / imagebroker

Einfach mal komplett neu beginnen, wo die meisten anderen Menschen nur ihren Urlaub verbringen. Das ein mutiger Schritt mit vielen Pros und Contras, den man sich erst einmal trauen muss. Auf Fehmarn hat es eine Familie gewagt und ist auf die Insel im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein gezogen.

„Geburtstag Nummer 1. Heute vor einem Jahr haben wir den endgültigen Sprung auf die Insel gemacht und leben jetzt hier. Die beste Entscheidung in unserem Leben“, schreibt ein Familienvater auf Facebook, bei dem der Schritt nach Fehmarn anscheinend genau die richtige Entscheidung gewesen ist.

Leben auf Fehmarn?

Wohl jeder Fehmarn-Fan hat auch schon einmal darüber nachgedacht: Wie wäre es nicht nur auf der Insel Urlaub zu machen, sondern auch zu leben?

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„Als Rentner können wir uns dass auch vorstellen“, meint ein weiterer Mann aus Nordrhein-Westfalen als Antwort auf den Beitrag. Eine Einheimische gibt ihm daraufhin einen Tipp: „Erkundigt euch nach Fachärzten, die ihr eventuell benötigt. Wir sind noch lange keine Rentner, fahren aber schon jetzt einmal im Quartal nach Hamburg zum Facharzt, weil wir hier keine adäquate Alternative gefunden haben.“

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Das ist Fehmarn:

  • Fehmarn ist nach Rügen und Usedom die drittgrößte Insel Deutschlands
  • Es ist die einzige Ostsee-Insel Schleswig-Holsteins
  • Die Fehmarnsundbrücke, die Fehmarn mit dem Festland verbindet, ist 963 Meter lang
  • Fehmarn zählt rund 12.600 Einwohner
  • Auf der Insel gibt es vier Naturschutzgebiete

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Den Westfalen beschäftigt außerdem die Frage, ob er auf Fehmarn das Gleiche verdienen würde wie in Köln. Klar, dass es in der Großstadt in der Nähe des Ruhrpotts ein weitaus höheres Angebot gibt als im Kreis Ostholstein.

Fehmarn: „Wir hätten das zehn Jahre früher machen sollen“

Eine weitere Einheimische handelt sich Kritik ein, indem sie schreibt, Rentner gebe auf Fehmarn schon genug: „Was fehlt, sind jüngere, die hier auch arbeiten.“ Das findet eine weitere Frau „sehr abfällig“.

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Die Einheimische stellt aber richtig: „Das hat doch nichts mit Rentnern zu tun. Viele meiner Freunde sind Rentner. Aber auch Rentner und Urlauber wollen einkaufen, essen gehen usw. Was ist, wenn es niemanden mehr gibt, der sie bedient?“

Eine weitere Zugezogene berichtet, sie sei im April 2022 vier Jahre auf Fehmarn: „Wir hätten das zehn Jahre früher machen sollen. Dann hätte man vielleicht auch eine bezahlbare Immobilie finden können.“

Das Problem kennt auch eine weitere Fehmaranerin: „Ich suche seit zehn Jahren und kann, nun wo ich in Pension bin, nichts mehr im Gegenwert meines Hauses auf Fehmarn finden, ohne nochmals mehrere Hunderttausend zu investieren, was ich leider nicht kann. Ein schöner Traum ist geplatzt.“

Fehmarn hat keine Großstadt-Infrastruktur

Ein zugezogener Hamburger weist nochmals auf die Lage mit den Ärzten hin: „Heiligabend eine Augenverletzung zugezogen und dann bis Lübeck in die Uniklinik fahren, um eine Behandlung zu bekommen. Kein MRT, kein CT usw. in der näheren Umgebung. Rettungseinsätze müssen häufig mit dem Hubschrauber versorgt werden. Was ist, wenn man nicht mehr mobil ist?“

Für einen weiteren Neu-Fehmaraner anscheinend kein Problem: „Wir sind im Mai 2019 auf die Insel gekommen und genießen jeden Tag. Das Berufliche haben wir angepasst, verändert, neu ausgerichtet und auch neu gegründet. Wer flexibel ist, mit offenen Augen durchs Leben geht und seinem Schicksal Vertrauen schenkt, dem öffnen sich immer neue Türen.“

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Auf die vor allem im Sommer häufig angespannte Lage auf der Insel weist zur Überraschung nur eine Person hin: „Wir hatten auch einmal überlegt, auf die Insel zu ziehen. Wenn ich mir aber anschaue, was dort die meiste Zeit im Jahr los ist, wie unfreundlich teilweise die Leute sind – egal ob Touristen oder Einheimische – dann denke ich, es wäre nicht das Richtige für uns. Lieber die Urlaube hier genießen und entspannen. Auf Dauer wäre mir auf der Insel viel zu viel Betrieb mittlerweile.“

Warum die Familie ihr Leben in Pinneberg zugunsten von Fehmarn aufgab und was sie dort völlig überwältigte, kannst du >>> hier lesen. (rg)