Flensburg: Menschen sind entsetzt, was mit einer Flüchtlings-Familie passieren soll

Einer Familie aus Oeversee bei Flensburg droht nach 23 Jahren die Abschiebung (Symbolbild).
Einer Familie aus Oeversee bei Flensburg droht nach 23 Jahren die Abschiebung (Symbolbild).
Foto: picture alliance / dpa | Frank Rumpenhorst

23 Jahre lang nannten diese Menschen Deutschland ihre Heimat. Sie besuchten die Schule, die Universität. Sie fanden Arbeit, bauten sich in Oeversee bei Flensburg ein ganzes Leben auf.

Umso mehr erschüttert das, was Familie Hakobyan aus der Nähe von Flensburg jetzt drohen soll. Nach 23 Jahren sollen die vier ihr Zuhause auf einmal verlassen. Ihnen droht die Abschiebung in ihr Herkunftsland Armenien.

Flensburg: Ausländerbehörde veranlasst Abschiebung

Nicht nur bei der Familie selbst, auch bei Angehörigen, Nachbarn und Kollegen hat die Nachricht für Entsetzen gesorgt.

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Die Ausländerbehörde Schleswig entzieht den Hakobyans das Aufenthaltsrecht. Grund dafür sind falsche Angaben zur genauen Herkunft und ihrem Namen, die sie vor mehr als 20 Jahren in ihrem Asylantrag gemacht hatten. Das berichtet das „Flensburger Tageblatt“.

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Das ist Flensburg:

  • Die kreisfreie Stadt Flensburg ist nach Kiel und Lübeck die drittgrößte Stadt im Bundesland Schleswig-Holstein
  • Flensburg liegt am Ende der Flensburger Förde, dem westlichsten Punkt der Ostsee, und an der nördlichen Grenze der Halbinsel Angeln
  • Die Hafenstadt gliedert sich in 13 Stadtteile und 38 statistische Bezirke
  • In Flensburg leben rund 90.000 Einwohner (Stand: Dezember 2019)
  • Die Stadt liegt direkt an der dänischen Grenze und galt lange Zeit als Zentrum der dänischen Minderheit. Heute leben rund 2.300 Dänen in Flensburg (Stand: Dezember 2019)
  • Bundesweit bekannt ist die Stadt vor allem durch die vom Kraftfahrt-Bundesamt gespeicherten „Punkte in Flensburg“

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Viele haben kein Verständnis für die Entscheidung der Behörde und solidarisieren sich mit der Familie. Der Bürgermeister von Oeversee sowie die Pastorin hatten ein gemeinsames Schreiben an die Verwaltung verfasst.

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„Diese Familie ist ein Musterbeispiel für die Integration“, zitiert das „Tageblatt“ Bürgermeister Ralf Bölck. Tochter Mariam (29) und Sohn Hrachya (31) sind hier zur Schule gegangen und stehen kurz vor ihren Universitätsabschlüssen in Jura und Wirtschaftswissenschaften.

Flensburg: Petition gegen Abschiebung

Auch Freunde sind erschüttert. „Warum bekommt eine Familie, die seit so vielen Jahren eigenständig in Lohn und Brot lebt, keine Aufenthaltsgenehmigung und keine deutsche Staatsbürgerschaft? Menschen, die keine Steuerlast sind, die jeden Tag aufstehen, um zur Arbeit zu fahren“, fragt sich das Umfeld der Familie.

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Im Internet gibt es zudem eine Petition an Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU), in der sich zahlreiche Menschen gegen die Abschiebung aussprechen. Mehr als 7.000 haben sie schon unterzeichnet.

Doch alle Gegenwehr hat bisher keine Wirkung gezeigt. Bereits am Montag müssen die Eltern und ihre Kinder Deutschland verlassen haben. (mik)