Fynn Kliemann: „ZDF Magazin Royale“ deckt Betrug auf – „Krise kann auch geil sein“

Jan Böhmermann deckt im „ZDF Magazin Royale“ Masken-Betrug von Fynn Kliemann auf.
Jan Böhmermann deckt im „ZDF Magazin Royale“ Masken-Betrug von Fynn Kliemann auf.
Foto: picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich picture alliance/dpa | Sven Hoppe

Jan Böhmermann und das „ZDF Magazin Royale“ nehmen Fynn Kliemann auseinander!

Die Investigative Late-Night-Show wird normalerweise immer Freitagabend ausgestrahlt, online ist die Sendung wenige Stunden vorher abrufbar. In diesem Fall machte das „ZDF Magazin Royale” eine Ausnahme und veröffentlichte die Show, in der er Fynn Kliemann mit harten Vorwürfen konfrontiert, bereits am Donnerstag auf YouTube und in der ZDF-Mediathek.

Jan Böhmermann duelliert sich mit Fynn Kliemann

Der „ZDF Magazin Royale“-Moderator Jan Böhmermann und Kliemannsland-Gründer Fynn Kliemann bieten sich schon seit längerem in sozialen Medien die Stirn.

Erst vor wenigen Tagen antwortete Fynn Kliemann in einem Video auf einen Fragenkatalog des Moderators. Schon da stellte sich die Frage: Hat der Unternehmer etwas zu verbergen (hier mehr dazu)?

„ZDF Magazin Royale“ deckt Geheimnis von Fynn Kliemann auf

Das alles war also nur Vorgeplänkel für das nun am Freitag frühzeitig erschienene Video vom „ZDF Magazin Royale“.

„Scheiße bauen (DYI)“ heißt das vorab auf YouTube und in der ZDF Mediathek veröffentlichte Video des Moderators, in dem er den Zuschauern zunächst erklärt, dass Fynn Kliemann zu Beginn der Pandemie „faire Masken aus Europa“ in verschiedenen Online-Shops verkauft habe.

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Das ist Fynn Kliemann:

  • Fynn Kliemann wurde am 1. Mai 1988 in Zeven (Niedersachsen) geboren.
  • Er ist ein deutscher Webdesigner, Unternehmer, Musiker, Autor und YouTuber.
  • 2020 gewann er in der Kategorie Bester Künstler den Musikpreis 1 Live Krone.
  • Er ist vorwiegend für seine Musik und seine drei YouTube-Kanäle Fynn Kliemann (Der Heimwerkerking), Kliemannsland und Fynn Kliemann Musik bekannt.
  • 2018 übernahm Kliemann zusammen mit Olli Schulz das Hausboot des im Juni 2017 verstorbenen Sängers Gunter Gabriel für rund 30.000 Euro, das als Studio für kleine Fernseh- und Musikproduktionen verwendet werden soll.

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Doch von den „fairen Masken“, die zusammen mit einem Geschäftspartner unter der Firma „Global Tactics“ angeblich in Portugal und Serbien produziert worden sein sollen, hätten viele eigentlich einen ganz anderen Ursprung, heißt es im „ZDF Magazin Royale“. Whatsapp-Chatverläufe liefert Böhmermann als Beleg für seine Behauptung.

Fynn Kliemann: Masken kamen nicht aus Europa

„Fynn Kliemann (...) produzieren ihre fairen Masken aus Europa in Bangladesch?“, fragt Jan Böhmermann verwirrt in die Kamera. Und zeigt als zusätzlichen Beweis auch noch ein Video, das aus der Fabrik in Bangladesch stammen soll.

Rund 2,3 Millionen Masken soll die Firma den Anschuldigungen zufolge in Asien hergestellt haben. Laut Böhmermann Produktionskosten von 45 Cent je Maske. Verkauft wurden sie anschließend an Großkunden für 98 Cent bei einer Abnahme von 100 Masken.

Die Arbeiter dort hätten laut der Fernsehshow etwa 120 Euro im Monat verdient. Das sei „etwa die Hälfte des Existenzminimums in Bangladesch“, sagt Böhmermann.

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Fynn Kliemann und Kollegen belogen Großkunden

Dann wendet er ein: „Aber zum Glück kommen nicht alle von (...) Fynns fairen Masken aus Bangladesch.“ Die Spannung steigt, während der Moderator die Beweise auf seinem Schreibtisch durchgeht. „Viele kommen auch aus Vietnam“, erklärt er schließlich.

Die Masken wurden laut „ZDF Magazin Royale“ also gar nicht in Europa unter fairen Bedingungen hergestellt – ganz im Gegenteil.

100.000 in Bangladesch produzierte Masken seien zudem „unbrauchbar“ gewesen, sagt Böhmernmann. Sie hätten eine „viel zu schlechte Qualität“ gehabt, um sie verkaufen zu können. Stattdessen seien sie an Flüchtlingscamps gespendet worden.

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Zusätzlich zu dem Video hat das „ZDF Magazin Royale“ alle gesammelten Recherche-Ergebnisse zusammen mit Erklärungen auf einer Website veröffentlicht.

Was sagt Kliemann?

Eine E-Mail, in der das ZDF vorab um Stellungnahme bat, machte Kliemann bereits vier Tage vor der Sendung öffentlich. In einem 28-minütigen Video ging er mit seinen rund 800.000 Followern bei Instagram Punkt für Punkt durch, distanzierte sich als Gesellschafter mit 20-prozentigem Anteil immer wieder von den Geschäftsabläufen und Produktionsprozessen.

Fynn Kliemann geht es im „ZDF Magazin Royal“ an den Kragen.

Er habe die Masken, die alle in Serbien und Portugal produziert worden seien, lediglich selbst als Kunde erworben und anschließend weiterverkauft. Und: Er sei ein „Fan von Transparenz“ und finde es „eigentlich gut“, wenn investigative Journalisten Inhalte im Netz hinterfragten. Zuschauer sprechen unter dem Video jedenfalls von einer „echten Bombe“, die Böhmermann da habe platzen lassen.

Gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ sagte Fynn Kliemann am Freitag: „Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen, Institutionen entschuldigen, die nun ‚auf den ersten Blick‘ enttäuscht und geschockt sind.“

Die Vorwürfe des Betrugs weist er aber von sich: „Ich habe diese Masken nie verkauft oder beworben. Ich habe ausschließlich über www.maskeoderso.de Masken angeboten und diese kamen zu 100 Prozent aus Portugal und Serbien. Überall wo bei ‚maskeoderso‘ Portugal und Serbien draufstand, war zu 100 Prozent auch Portugal und Serbien drin.“

Die in Bangladesch produzierten Masken seien vielmehr an Großabnehmer gegangen. Die Zitierten E-Mails bezeichnet Kliemann als „schlimm“ – die Formulierung stehe „zu recht in der Kritik“, sagte er dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. (fk)