Kiel: Wer hier unterwegs ist, macht ein ganzes Viertel unruhig – „Achtung!“

Menschen in Kiel sollten aufpassen, wer da bei ihnen an der Tür klingelt (Symbolfoto).
Menschen in Kiel sollten aufpassen, wer da bei ihnen an der Tür klingelt (Symbolfoto).
Foto: IMAGO / RHR-Foto, IMAGO / Michael Schick (Montage MOIN.DE)

Im Südosten von Kiel warnt derzeit eine Einwohnerin ihre Mitbürger. Sie nennt das, was in dem Stadtteil unterwegs ist, die „Pflastersteinreiniger-Mafia“.

„Die Leute aus Irland laufen von Haus zu Haus und bieten an, die Auffahrten und Gehwege Eurer Häuser zu reinigen. Am Ende gibt es dann eine überteuerte Rechnung jenseits vom vereinbarten Betrag. Die Leute werden aggressiv und laut, wenn man anfängt zu diskutieren. Informiert am besten die Polizei, wenn die nicht weggehen wollen“, schreibt die Frau in einer großen Facebook-Gruppe für die Stadt Kiel.

Kiel: Polizei appelliert

MOIN.DE hat bei der Polizei nachgefragt, die die Warnung ebenfalls gesehen hat. Ein Sprecher sagte, er habe den zuständigen Beamten im Schwentinental über die Sichtung der Iren informiert.

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„Das kommt immer mal wieder vor. Wir warnen auch davor und appellieren, sich nicht an der Haustür überrumpeln zu lassen. Man sollte lieber lokale Anbieter prüfen und sich Kostenvoranschläge holen.“

Die Arbeiten würden in der Regel ohne Rechnung als Schwarzarbeit angeboten. „Man sollte auf eine Rechnung bestehen, auf der auch die Mehrwertsteuer steht“, so der Sprecher.

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Das ist Kiel:

  • Kiel ist Landeshauptstadt und auch bevölkerungsreichste Stadt von Schleswig-Holstein
  • Hier leben rund 246.300 Menschen
  • Die Stadt ist ein bedeutender Stützpunkt der Marine
  • Kiel ist bekannt für den Handballverein THW Kiel und den Fußballclub Holstein Kiel
  • Jährlich lockt die Kieler Woche viele Besucher an

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Kiel: Abzocke an der Haustür

„Mit dem fotografierten Auto sind die heute in Raisdorf unterwegs. Informiert bitte auch vor allem die älteren Menschen, die hier wohnen. Die sind oft leichte Beute für die Abzocker“, warnt zudem die Einwohnerin.

Den Kielern zufolge haben schon so manche ihre Erfahrungen mit den Handwerkern gemacht. „Das Schlimme ist, sie versuchen alleinstehende Senioren zu überreden“, schreibt eine Frau. „Vor einem Jahr haben sie neue Dächer versprochen und vor Ort den Vertrag unterschreiben lassen. 20.000 Euro für ein Dach. Das Dach wurde dann aber nur überstrichen.“

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Auch die Beitragsverfasserin erzählt, dass ihre Oma sei einst auf die Handwerker reingefallen sei. Deswegen warnt sie öffentlich davor. Ein weiterer Mann berichtet, auch in Kiel-Neumeimersdorf hätten die vermeintlichen Handwerker am Montag geklingelt.

Ebenso erzählen Menschen von Sichtungen in Wellsee oder in Preetz auf dem Campingplatz. Sollte es sich tatsächlich um Iren handeln, die ansonsten mit Wohnmobilen unterwegs sind, könnte es sich um die „Traveller“ oder auch „Tinker“ handeln. Mitunter fallen Teile der fahrenden Volkes im ganzen Land durch exzessive Partys oder eben auch Betrug auf.

Kiel: Traveller sind eine ethnische Minderheit

In Irland soll es rund 25.000 Traveller geben. Mitglieder der Gemeinde arbeiten üblicherweise als Klempner, Blechschmiede, Hufschmiede, Pferde- und Schrotthändler. Die irischen Traveller-Bewegung kümmert sich auch um die sozialen Probleme. Dazu gehören die schlechten Unterkünfte, die hohen Suizidraten, Diskriminierung und schlechte Bildungschancen.

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Forscher fanden heraus, dass die Traveller schon um 1650 als separate Gruppe auftauchten. Wissenschaftler des Royal College of Surgeons in Dublin und der britischen Universität Edinburgh erklären genetische Unterschiede zwischen der Traveller-Gemeinde und der sesshaften Bevölkerung damit, dass die Landfahrer jahrhundertelang isoliert waren. Sie seien auch nicht, wie oft vermutet, mit den Roma verwandt.

Nach jahrelangen Kämpfen und Kampagnen erkannte das irische Parlament am 1. März 2017 die Traveller erstmals als ethnische Minderheit an. Gemeinsam mit der Traveller-Gemeinde hat die irische Regierung einen neuen Inklusionsplan für Landfahrer und Roma ausgearbeitet. Traditionell waren die Männer die Versorger in Traveller-Familien. Mit dem Verschwinden alter Handwerke und Berufssparten beträgt die Arbeitslosigkeit in der Gemeinde heute mehr als 80 Prozent.

In Kiel sorgt gerade auch eine Tankstelle für Aufsehen. Autofahrer können nicht glauben, was hier angeboten wird. (rg mit dpa)