Lübeck: Riesen-Probleme in der Ostsee, nun soll etwas getan werden – „Nicht konsequent genug“

Umweltminister Jan Philipp Albrecht kämpft für die Ostsee. Aber reicht das?
Umweltminister Jan Philipp Albrecht kämpft für die Ostsee. Aber reicht das?
Foto: picture alliance/dpa

Bei Einheimischen und Urlaubern ist die Ostsee unheimlich beliebt. Viele wissen aber nicht, dass das Meer viele tiefgreifende Probleme hat, die sich auf den ersten Blick gar nicht erkennen lassen. Dazu gehören Überdüngung, Müll, Überfischung oder gefährliche alte Munitionsreste aus den Weltkriegen. In Lübeck gab es deswegen ein wichtiges Treffen.

Denn die Ostsee-Staaten wollen mehr gegen Plastikmüll und die Überdüngung der Ostsee vorgehen. Darauf haben sich die Mitglieder der Helsinki-Kommission (Helcom) bei ihrem Treffen in Lübeck einstimmig geeinigt.

Lübeck: Wissenschaftsagenda beschlossen

Außerdem beschlossen die Teilnehmer erstmals eine Wissenschaftsagenda zum Ostsee-Aktionsplan (Baltic Sea Action Plan, BSAP).

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„Die Ostsee und ihre Küsten sehen sich vielen Herausforderungen gegenüber, wie Überdüngung, Meeresverschmutzung, Rückgang der Fischbestände und Auswirkungen des Klimawandels“, sagte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius am Mittwoch.

Der aktualisierte Plan werde helfen, den Zustand der Ostsee bis 2030 zu verbessern.

Der ursprünglich aus dem Jahr 2007 stammende Plan wurde nach Angaben der Helsinki-Kommission aktualisiert und bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben. Die Verlängerung des Plans sei ein großer Tag für alle Ostseestaaten, sagte der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth. „Die jetzt beschlossenen Maßnahen sind viel konkreter als die von 2007.“

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Lübeck: Bedrohung durch Munition

Als Beispiel nannte er die jetzt vereinbarten Obergrenzen für Plastikmüll in der Ostsee. „Der soll bis zum Jahr 2025 um mindestens 30 Prozent und bis 2030 um 50 Prozent vermindert werden“, sagte er. Auch für die Reduzierung von Nährstoffen in der Ostsee seien konkrete Obergrenzen festgesetzt worden.

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Außerdem solle die Schutzfläche der Ostsee bis 2030 von derzeit 15 Prozent auf 30 Prozent erhöht werden.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) wies auf die Bedrohung der Ostsee durch alte Weltkriegsmunition hin. „Diese Altlasten rosten auf dem Meeresgrund. Wir müssen ein flächendeckendes Austreten der giftigen Stoffe in die Umwelt durch eine systematische Bergung verhindern, bevor es zu spät ist“, sagte er.

Lübeck: Kritik von Naturschutzverbänden

Der Kommission gehören Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen, Russland, Schweden sowie die EU an. Deutschland hat zurzeit den Vorsitz.

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Naturschutzverbänden wie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und dem World Wide Fund For Nature (WWF) gehen die Beschlüsse nicht weit genug.

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Die Probleme des Ökosystems Ostsee seien schon lange bekannt, sagte der BUND-Vorsitzende Olaf Bandt. Das Problem sei, dass der Ostseeschutz nicht konsequent genug durchgesetzt werde. Der WWF forderte verbindliche Verpflichtungen, um den guten Umweltzustand eines der am stärksten bedrohten Meeresökosysteme der Welt wiederherzustellen. (dpa/rg)