Lübeck: Zettel in Lokal sorgte für Ärger – der Zoff geht immer weiter

Robin Grützmacher
Lübeck: Ein Restaurant aus der Altstadt sorgte für hitzige Diskussionen.
Lübeck: Ein Restaurant aus der Altstadt sorgte für hitzige Diskussionen.
Foto: IMAGO / Shotshop

Mehr als 11.000 Mal wurde der Facebook-Beitrag eines Mannes über ein Restaurant aus der Hansestadt Lübeck geteilt. Dieser dürfte damit Hunderttausende – oder gar Millionen – Menschen in Deutschland erreicht haben. Eine beachtliche Aufmerksamkeit.

In dem Beitrag ist ein Foto eines Zettels in dem Lokal „Lübecker Hanse“ in der Altstadt von Lübeck zu sehen. Besonders der letzte Satz, der auf dem Blatt geschrieben steht, erhitzt dabei die Gemüter. Denn er deutet einen völlig unangemessenen Vergleich an.

Lübeck: Restaurant will sich nicht äußern

„In unserem Hause sind alle herzlich willkommen, Hauptsache gesund und humorvoll. Bei uns werden keine Personengruppen ausgeschlossen. Das hat es schon mal gegeben und es darf sich nicht wiederholen!“, heißt es von der Lübecker Hanse.

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Mit „schon mal gegeben“ wird eine Anspielung auf die Zeit des 3. Reiches vermutet, auch wenn das auf dem Zettel nicht eindeutig so benannt ist. Damals wurden vor allem Juden und Minderheiten aus so gut wie allem ausgeschlossen und tödlich verfolgt. Ein Vergleich mit Ungeimpften, bei denen dies nicht der Fall ist, hinkt da völlig.

MOIN.DE hat bei der „Lübecker Hanse" nachgefragt, ob es sich bei dem Satz tatsächlich um einen Vergleich von Ungeimpften und Verfolgten zu Zeiten des dritten Reiches handelt.

Auch haben wir gefragt, ob man im Restaurant glaube, dass die Situation von ungeimpften Personen, die von Veranstaltungen ausgeschlossen werden können, gleichzusetzen ist mit der systematischen Verfolgung und oftmals auch Ermordung von Juden und Minderheiten von 1933-1945.

Die Fragen wurden uns nicht beantwortet.

Hitzige Diskussionen über Lokal aus Lübeck

Der über 11.000 Mal geteilte Beitrag des Mannes auf Facebook ist mittlerweile drei Wochen alt, jener Bericht von MOIN.DE (hier ist er zu finden) etwa zwei Wochen. Doch die Diskussionen darum gehen weiter. Auf unserer Facebook-Seite wurde der Artikel mit über 380 Kommentaren sogar häufiger debattiert als beim Ursprungs-Beitrag, wo es 260 sind.

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In den Kommentaren wird sehr deutlich, dass viele Menschen Falschinformationen zum Coronavirus und Impfungen aufgesessen sind. Nicht selten geht damit einher, dass sie sich ausgeschlossen fühlen und das Restaurant in Lübeck beglückwünschen, weil dieses beteuert: „Bei uns werden keine Personengruppen ausgeschlossen.“

Das kann aber nicht so ganz stimmen: Denn in Schleswig-Holstein gilt die Regelung, dass in der Gastronomie in Innenräumen mindestens die 3G-Regelung angewendet werden muss. Wer also nicht geimpft, getestet oder genesen ist, darf auch keinen Zutritt erhalten.

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Lübeck: Langzeit-Irrtum

Einer der Irrtümer, denen zum Beispiel eine Frau in den Facebook-Kommentaren aufgesessen ist, ist folgender: „Warum soll ich aus falsch verstandener Solidarität ein ungewisses Risiko eingehen? Warten wir doch erst mal ab, wie es den Geimpften in einigen Jahren so geht. Wenn zehn Leute von der Brücke springen, springe ich doch auch nicht hinterher."

Dass Impfungen nach Jahren noch Schäden im Körper anrichten können, ist ein weitverbreiteter Irrglaube, der zuletzt durch Joshua Kimmich vom FC Bayern München populär geworden ist. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, klärt dagegen auf, dass Nebenwirkungen einer Impfung immer innerhalb von wenigen Wochen nach der Impfung auftreten:

„Danach ist die Immunreaktion abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden. Was offensichtlich viele Menschen unter Langzeitfolgen verstehen, nämlich dass ich heute geimpft werde und nächstes Jahr eine Nebenwirkung auftritt, das gibt es nicht, hat es noch nie gegeben und wird auch bei der Covid-19 Impfung nicht auftreten“, so der Experte.

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Lübeck: Ungeimpfte haben deutlich höheres Risiko

Ein Mann schreibt unter den Artikel zur „Lübecker Hanse", dass Ungeimpfte keine Menschen zweiter Wahl seien. „Sie gehen arbeiten und bezahlen ebenso Steuern wie alle anderen Menschen auch. Und trotzdem wird man diskriminiert."

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Dass ungeimpften Menschen der Zutritt zu 2G-Veranstaltungen untersagt ist und sie sich bei 3G-Veranstaltungen testen lassen müssen, degradiert diese jedoch weder vom Grundgesetz her noch sonst irgendwie zu Menschen zweiter Klasse.

Wissenschaftlicher Fakt ist, dass ungeimpfte Menschen ein deutlich erhöhtes Risiko im Vergleich zu Geimpften haben, das Coronavirus zu verbreiten. Auch wenn selbst bei Geimpften dafür immer noch ein Restrisiko besteht, erst recht wenn bei diesen der Antikörper-Spiegel viele Monate nach der Impfung abgeklungen ist.

Lübeck: Haarsträubende Vergleiche

Ungeimpfte Menschen stellen aber dennoch ein deutlich höheres Risiko dar, die Krankheit weiterzuverbreiten, vor allem in Innenräumen wie von Restaurants. Somit ist gesetzlich auch hinreichend begründet worden, dass diese Menschen sich mindestens testen lassen müssen, bevor sie Innenräume aufsuchen.

Das sollte auch die Frage einer Frau beantworten, die ebenfalls bei Facebook kommentiert: „Wenn eine Impfung so wirksam ist, warum stört es dann neben einem Ungeimpften und Getesteten zu sitzen?" Ein Mann meint zudem: „Wenn vor 80 Jahren die Juden als Überträger von Infektionskrankheiten dämonisiert wurden, heute sind es die Ungeimpften.“

Auch dieser Vergleich ist haarsträubend, denn: Juden wurden als Überträger von Krankheiten dämonisiert, obwohl diese sich in keinster Weise von anderen Menschen unterscheiden und nicht mehr oder weniger Krankheiten übertragen.

Bei Ungeimpften ist es, wie oben beschrieben, anders. Diese haben ein größeres Risiko, das Coronavirus zu übertragen, werden aber dabei in keinster Weise hetzerisch „dämonisiert", wie es bei Juden im 3. Reich der Fall war.

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Lübeck: Impfung ist nach einigen Wochen aus dem Körper raus

Zu guter Letzt sind mehrere Menschen wie eine Frau dem Irrtum aufgesessen, dass Geimpfte nicht sicher seien. Sie schreibt: „Wenn Geimpfte wenigstens kein Risikofaktor wären, aber gerade die sind alles andere als safe. Einfach mal Augen und Ohren offenhalten."

In der Tat sind auch Ungeimpfte einem Restrisiko durch Impfdurchbrüche aufgesessen, die Wahrscheinlichkeit dafür variiert je nach Impfstoff. Auch kommt es darauf an, wie viele Monate die vollständige Impfung zurückliegt.

Vor allem Menschen über 70 Jahren wird deswegen eine Booster-Impfung empfohlen, denn auch ein Impfdurchbruch kann mit schwerer Krankheit oder im schlimmsten Fall mit dem Tod enden. Dennoch gilt auch hier: Die Wahrscheinlichkeit für eine Corona-Infektion und solch ein Leiden ist bei Geimpften deutlich geringer als bei Ungeimpften. Etwa 90 Prozent der Menschen, die corona-positiv im Krankenhaus liegen, sind ungeimpft.

Und auch eine weitere Aussage der Frau stimmt nicht: Sie behauptet, dass ein „ungetesteter Stoff im Körper umherwandert."

Tatsächlich aber haben alle zugelassenen Impfstoffe alle erforderlichen klinischen Studien durchlaufen. Anders als in anderen Ländern wurden in Deutschland auch keine Notfallzulassungen erteilt, weswegen es hierzulande länger dauerte, bis Impfstoffe auch verimpft werden konnten. Da der Impfstoff nach einigen Wochen aus dem Körper verschwunden ist, wandert er auch nicht mehr umher.