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„Mein Schiff“ und Co.: Experte ist sicher – dieser Trend ist nicht mehr zu stoppen

Mein Schiff 4
"Mein Schiff 4" von Cruises. Foto: IMAGO/Eibner

Vor wenigen Wochen sorgte das beliebte Kreuzfahrt-Unternehmen „Mein Schiff“ gleich doppelt für Begeisterung.

Nur eine Woche nach dem Produktionsstart der „Mein Schiff 7″ in der Werft kündigte Tui Cruises an, noch einen weiteren Ozeanriesen zu bauen (wir berichteten).

Tui baut zwei neue Riesen-Schiffe

Beide neuen Schiffe werden in der Fincantieri-Werft in Monfalcone in Italien gebaut, haben eine Größe von rund 160.000 BRZ (Bruttoraumzahl) und fahren mit Flüssiggas, perspektivisch auch Bio- oder E-LNG.

Damit sind die neuen Ozeanriesen zwar immer noch nicht hundertprozentig umweltfreundlich, aber Tui geht einen weiteren Schritt in Richtung Klimaneutralität, die man 2040 erreichen will. Es fehlt dafür vor allem noch Eines: Ein klimaneutraler Antrieb für die Schiffe. Aber auch da tut sich was.

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Die „Mein Schiff 7“ soll perspektivisch mit Bio-Methanol fahren können, was dann wirklich ein richtig großer Wurf wäre. Bislang gibt es kein großes Kreuzfahrt-Schiff, das mit einem solch umweltfreundlichen Antrieb unterwegs ist.

Die Indienststellung des ersten Neubaus ist für 2024 geplant, das zweite Schiff folgt 2026. Damit wächst die „Mein Schiff“ Flotte bis 2026 auf insgesamt neun Schiffe.


Daten und Fakten zur „Mein Schiff 7″:

  • Baubeginn/Stahlschnitt: 14. Juni 2022
  • Indienststellung: 2024
  • Länge > Breite >Tiefgang: ca. 315,7 m > ca. 35,8 m > ca. 8 m
  • Vermessung: ca. 111.500 BRZ
  • Anzahl Decks: 15
  • Flagge: Malta
  • Kabinen: 1.447
  • Anzahl Gäste: 2.894 bei Doppelbelegung
  • Besatzungsstärke: ca. 1.000
  • Balkonkabinen: 80 Prozent (90 Prozent Außenkabinen)

„Mein Schiff“ folgt Trend

„Mein Schiff“ folgt mit den neuen Ozeanriesen einem Trend, den die Corona-Krise möglicherweise nicht kleingekriegt hat: Immer größere Schiffe zu bauen. Sie sind in der Regel profitabler.

Nach Aussage des Tourismuswissenschaftlers Alexis Papathanassis wächst in der Kreuzfahrtbranche die Bedeutung sehr großer Mega-Schiffe auf der einen und kleiner exklusiver Schiffe auf der anderen Seite. „Es gibt eine Polarisierung in der Branche“, sagt der Professor für Touristik und Seetouristik an der Hochschule Bremerhaven.

So präsentiert die Werft Meyer Turku „Mein Schiff 7“ auf ihrer Webseite
So präsentiert die Werft Meyer Turku „Mein Schiff 7“ auf ihrer Webseite Foto: Foto: Werft Meyer Turku

Er verweist auf Zahlen, nach denen von bestellten Schiffsneubauten der kommenden fünf Jahre etwa 45 Prozent auf Schiffe für mehr als 1.500 Passagiere entfallen. „Ein entsprechendes Wachstum sieht man auch bei kleineren Schiffen, etwa Expeditions-Kreuzfahrtschiffen.“ Der Anteil dieser Schiffe für 100 bis zu 300 Passagiere an den Neubauten liege bei etwa einem Drittel.

Experte sieht Polarisierung

„Ich erwarte, dass sich dieser Trend wegen der steigenden Kosten für Energie, Material und Personal weiter fortsetzt“, sagt der Experte. Die Kreuzfahrtbranche habe durch die Corona-Pandemie eine hohe Schuldenlast zu bewältigen. Dazu kämen die tatsächlichen und erwarteten Nebenwirkungen des Kriegs in der Ukraine. „In diesem Zusammenhang ist die Rentabilität von fundamentaler Bedeutung.“ Diese lasse sich entweder durch Kosteneffizienz oder Premium-Preisgestaltung verbessern.

Sehr große Schiffe gäben den Unternehmen die Möglichkeit, die Kosten pro Passagier zu senken und mit zahlreichen Angeboten auf den großen Schiffen möglichst viel Umsatz zu generieren. Expeditionskreuzfahrten etwa in Polargebiete seien hingegen auf weniger Gäste begrenzt. Wegen der Exklusivität könne man hier deutlich höhere Preise aufrufen.


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Papathanassis sprach mit Blick auf Expeditionskreuzfahrten von einem Segment mit stabiler Nachfrage und vielen Stammgästen. Vor kurzem hatte der norwegische Schiffbauer Fosen Yard bekanntgegeben, er wolle in Stralsund Expeditions-Kreuzfahrtschiffe bauen. „Sich als Werft mit technologischem Know-how auf dieses Segment zu fokussieren, ist keine schlechte Idee“, sagte Papathanassis. Die Schiffe müssten häufig auch strengere Umweltauflagen erfüllen, weil sie in sensiblen Gebieten unterwegs seien. Das mache sie zusätzlich zukunftsträchtig.

Fosen Yard ist einer von mittlerweile drei Pächtern auf dem ehemaligen Gelände des insolventen Verbunds MV-Werften in Stralsund. Die Stadt hatte das Gelände übernommen, um einen maritimen Gewerbepark zu entwickeln. Bis vor kurzem war wenig über die Pläne der Norweger in Stralsund bekannt. MV-Werften hatte hier zuletzt das Luxus-Expeditionsschiff „Crystal Endeavor“ gebaut. (rg/dpa)