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Norderney: SIE machen sich auf der Insel breit – doch keiner will sie hier

Norderney

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Sie sind auf Norderney schon lange nicht mehr gern gesehen. Trotzdem haben sich die Tiere auf der beliebten Nordsee-Insel breitgemacht.

Am Strand von Norderney hinterlassen sie Löcher in den Dünen. Man weiß also immer genau, wo sie gerade ihr Unwesen treiben. Sie sind süß, aber sie bringen Gefahren mit sich…

Norderney, Sylt, Borkum: Viel los auf den Inseln – aber keine Urlauber

Mal sonnen sich die Wildkaninchen vor ihren unterirdischen Bauen, mal hoppeln sie über die Insel. Die Tiere mit dem flauschigen Fell gibt es bereits seit 1620 auf Norderney. Damals wurden sie für die Jagd auf das einst karge Eiland ausgesetzt.

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Heute habe Norderney die höchste Kaninchendichte aller Ostfriesischen Inseln, sagt Gundolf Reichert von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer in Wilhelmshaven. „Die Norderneyer Kaninchen sind besonders fleißig“, sagt der Experte mit Blick auf die Tausenden Höhlen, die die Tiere auf der Insel gebuddelt haben.


Das ist die Nordsee-Insel Norderney:

  • Norderney ist eine der ostfriesischen Inseln und liegt in der Nordsee
  • Es ist nach Borkum die zweitgrößte Insel dieser Inselgruppe
  • Die Insel hat eine Fläche von 26,29 Quadratkilometern
  • Norderney ist eine Düneninsel, die mit der Zeit aus von der Meeresströmung angespültem Sand gewachsen ist

Auch auf anderen Nordseeinseln fühlen sich die Wildkaninchen, ziemlich wohl – etwa auf Sylt. „Hier ist das Nahrungsangebot ausreichend und wechselhaft“, sagt Wiebke Bleicken vom Sylter Hegering. Die unterirdischen oft meterlangen Baue legen die Tiere demnach gern in den sandigen und lockeren Böden an.

Dünen an der Nordsee auf Norderney. Foto: IMAGO / Priller&Maug

Norderney, Sylt, Borkum: Tiere nicht gerne gesehen

Küstenschützer sehen die Wildkaninchen auf den Nordseeinseln nicht besonders gern. „Kaninchen höhlen mit ihren Bauten und Gangsystemen den Deich aus und dringen dabei in den Sandkern ein“, erklärt Fabian Lücht vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein.

Die Deichsicherheit werde durch die Gangsysteme gefährdet, wenn Wasser bei Sturmfluten dort hineindränge.

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Im schlimmsten Fall könne es zum Versagen des Deiches durch einen Grundbruch kommen. Die Landesschutzdeiche an den Küsten Schleswig-Holsteins sind daher an Jäger verpachtet, welche gezielt Kaninchen bejagen. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein selbst beschäftigt keine Jäger, sondern verfüllt lediglich die Löcher im Deich mit Klei.

Ohne Jagd gebe es keinen ausreichenden Küstenschutz, betont auch Peter Lienau, Kreisjägermeister im Landkreis Aurich, zu dem die Insel Norderney gehört. „Die Kaninchen durchbuddeln so ziemlich alles.“ Bernhard Onnen, Hegeringsleiter auf Norderney, schätzt, dass es zwischen 5000 und 8000 Kaninchen auf der Insel gibt.

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Die Bestände schwankten von Jahr zu Jahr, viele verendeten auch an Seuchen. „Aber die Tiere tragen auch zur Artenvielfalt bei“, betont Onnen. Deshalb müsse es darum gehen, ein gutes Gleichgewicht zu finden.


Das ist Borkum:

  • Borkum ist die westlichste und mit knapp 31 Quadratkilometern größte der ostfriesischen Inseln.
  • Teile der Insel und das angrenzende Watt gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.
  • Die Insel ist gleichzeitig die Fläche der Stadt Borkum, die als staatlich anerkanntes Nordseeheilbad über diverse Kureinrichtungen verfügt.
  • Die Insel lebt vom Tourismus.
  • Im Jahr 2018 kamen 311.786 Urlauber, es wurden 2.565.570 Übernachtungen gezählt.
  • Durchschnittlich verbrachten die Gäste 8,23 Tage auf der Insel.

Norderney, Sylt, Borkum: Nicht nur Kaninchen sind ein Problem

Sorge bereiten Nationalparkverwaltung und Jägerschaft aber noch ganz andere Arten, die auch mit menschlicher Hilfe auf die Inseln kommen: Füchse etwa oder Igel. „Die sind eine Gefahr für die Bodenbrüter“, erklärt Hegeringsleiter Onnen. Die Gelege von Brutvögeln seien für Füchse einfacher zu räubern, als sich ein Kaninchen zu schnappen. Füchse könnten, ähnlich wie Damwild, vom Festland auf die meisten Ostfriesischen Inseln wandern, sagt Gundolf Reichert vom Nationalpark. Davon zeugten Sichtungen und Spuren im Watt.

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Auf den Ostfriesischen Inseln zählen auch Igel zu den ungebetenen Bewohnern. Dabei habe etwa auf Juist einst der bekannte Ornithologe Otto Leege selbst Igel ausgesetzt, um die Artenvielfalt zu vergrößern, berichtet Reichert. „Er hat aber schon sehr früh bemerkt, dass das keine gute Idee war.“

Denn auch Igel machen sich gern über Vogeleier her. Auf Wangerooge musste so vor einigen Jahren wegen der Igel der Nachwuchs einer Zwergseeschwalben-Kolonie dran glauben.


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„Immer, wenn der Mensch Sachen mit auf die Inseln bringt, die natürlicherweise dort gar nicht vorkommen, kann das ein Problem geben“, sagt Reichert. Auf einigen Ostfriesischen Inseln werden die geschützten Stacheltiere daher mithilfe von Wärmebildkameras und Spürhunden gesucht, eingesammelt und ans Festland gebracht. Auf Borkum und Langeoog seien so in den vergangenen zehn Jahren rund 400 Igel abgesammelt worden, sagt der Experte – längst nicht alle.

Damwild beschäftigt Borkum

Auf der Insel Borkum beschäftig die Jägerschaft bereits seit Jahren Damwild. 2013 wurden die Tiere auf Initiative des niedersächsischen Umweltministeriums auf die Insel gebracht. Experten versprachen sich davon einen Beitrag zum Landschaftschutz.

Der gewünschte Effekt stellte sich laut Nationalparkverwaltung aber nicht ein. Das Damwild wurde für den Versuch in einem Gehege gehalten – bis plötzlich das Gatter aufstand. Seitdem laufen die Tiere über die Insel.


Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung

Das Damwild ist auf Borkum seit Jahren ein Politikum zwischen der Nationalparkverwaltung und den Borkumer Jägerinnen und Jägern. Da ein Einfangen nicht mehr gelang, soll das Damwild nun nach einem Vergleich vor dem Oberverwaltungsgericht in Lüneburg abgeschossen werden.

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Im vergangenen Jagdjahr 2021/2022 wurden nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums zwölf männliche und sieben weibliche Tiere erlegt. Demnach wird das männliche Damwild das ganze Jahr über bejagt, für weibliche Tiere gibt es eine Schonzeit. (dpa/jds)