Nordsee: Die Menschen auf dieser Insel müssen auf etwas verzichten, es ist einfach zu teuer

Die Nordsee-Insel Wangerooge von oben.
Die Nordsee-Insel Wangerooge von oben.
Foto: imago/allOver-MEV

Wangerooge. Überall in Deutschland ist es noch selbstverständlich, doch auf der Nordsee-Insel Wangerooge hat man sich von einer speziellen Sache komplett verabschiedet.

Aber: die Einwohner der Nordsee-Insel scheint das nicht zu stören, ganz im Gegenteil.

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Nordsee: Entscheidende Veränderung auf Wangerooge

Seit gut einem Jahr kann man auf Wangerooge keine Centmünzen mehr von der Bank erhalten. Die Volksbank Jever, die als einzige noch mit einer Filiale auf Wangerooge vertreten ist, hatte im November 2019 entschieden, kein Kupfergeld mehr zu bestellen.

Für die Bank und die Kunden sei der Umgang mit dem Kleingeld einfach zu teuer gewesen. Die Kosten für Transport, Zählen, Prüfen und Verpacken der Münzen hätten den Geldwert überstiegen.

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„Wir haben einen spürbaren Anstieg bei Kartenzahlungen gehabt“, berichtet auch Rüdiger Mann, dem einer der zwei Supermärkte auf der Ferieninsel gehört.

Mehr Kartenzahlungen an der Nordsee

Das sei auch eine Generationenfrage, beobachtet er: „Die jungen Leute sind die, die sofort die Karte zücken.“ Durch die Corona-Pandemie habe sich der Trend noch einmal verstärkt.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Hotels, Restaurants, Boutiquen – die meisten Unternehmen auf Wangerooge rechnen ohnehin nur mit Euro, nicht mit Cent. Aber in den Supermärkten, in der Bäckerei, Apotheke oder im Buchladen spielt das Wechselgeld immer noch eine Rolle.

Münzen müssen vom Festland auf die Nordsee-Insel gebracht werden

Die Diskussion mit Kunden, ob ein Betrag auf- oder abgerundet wird, ist vielen Geschäftsleuten zu mühselig. Deshalb beschaffen die Kaufleute sich ihr Wechselgeld nun selbst.

Das ist zum Teil sehr aufwändig, da die verpackten Münzrollen vom Festland auf die Insel geschleppt werden müssen. Doch auf der Insel hilft man sich gegenseitig.

Nordsee: Einwohner helfen mit

Laut Bürgermeister Marcel Fangohr geben die Händler, die viele Centmünzen besitzen, den anderen davon ab. Oder ein Händler hole für mehrere Kollegen Münzen vom Festland.

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Auch die Einwohner der Insel helfen dazu. Viele hätten ihre Spardosen mit Kupfergeld vorbeigebracht. Ein Supermarkt habe zudem einen Automaten aufgestellt, in dem man Kleingeld einwirft und wie bei der Pfandrückgabe einen Einkaufsbon bekommt.

Nordsee-Insel als Vorreiter?

Für ihre Entscheidung habe die Bank laut Vorstand Martin Schadewald keine negative Rückmeldung bekommen. Seiner Meinung nach könnte Wangerooge eine Vorreiterrolle spielen bei einem vollständigen Verzicht auf Bargeld.

Das sei ein Projekt der Digitalisierung und Nachhaltigkeit. „Wir müssen eigentlich dahin, dass die Insel bargeldlos wird“, sagt Schadewald. (dap/lh)