Nordsee: Spektakuläre Bilder im Morgengrauen! „Dramatische Veränderung“

Die Gubbas beobachten die „Odyssey of the Seas“ auf dem Weg über die Ems Richtung Nordsee
Die Gubbas beobachten die „Odyssey of the Seas“ auf dem Weg über die Ems Richtung Nordsee
Foto: dpa

Zwei Menschen sitzen am frühen Samstagmorgen im Campingstuhl an der Ems. Es sind Barbara und Reiner Gubba. Sie beobachten, was auf dem Wasser passiert. Etwas Großes hat sich in Bewegung gesetzt – Richtung Nordsee.

Es sind spektakuläre Bilder im Morgengrauen: Die „Odyssey of the Seas“ wird langsam rückwärts über die Ems Richtung Nordsee geschleppt. Wegen der Pandemie sind nur wenige Zuschauer dabei. Die Gubbas sind da eher die Ausnahme.

Nordsee: „Odyssey of the Seas“ verlässt Meyer-Werft

Der kriselnde Kreuzfahrtschiffbauer Meyer-Werft hat am Samstag seinen Neubau „Odyssey of the Seas“ auf die Schleppfahrt über die Ems zur Nordsee gebracht.

+++ Nordsee: Diese Baupläne kommen bei vielen überhaupt nicht gut an +++

Dafür wurde die Ems von Freitagmittag bis Sonntag aufgestaut, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung mitteilte. Die Werft kündigte die Überführung erst kurz vorher an: Der Anblick der Ozeanriesen auf der schmalen Ems lockt meist Tausende Schaulustige an - in Coronazeiten sollte ein großer Auflauf an den Deichen vermieden werden.

Das Schiff verließ den Werfthafen am Samstagmorgen gegen 4.00 Uhr. In der Nacht zum Sonntag gegen 0.30 Uhr wurde das Ems-Sperrwerk passiert. Ziel war zunächst Eemshaven in den Niederlanden. Nicht einmal 50 Schaulustige fanden sich im Morgengrauen an der Werft ein, viele in Fahrzeugen und Campingmobilen. Die Polizei hatte vorsichtshalber die Straßen abgesperrt.

347 Meter langes Kreuztfahrtschiff auf dem Weg zur Nordsee

Die 347 Meter lange „Odyssey of the Seas“ wurde für die US-Reederei Royal Caribbean gebaut und soll 4280 Passagiere aufnehmen. Für die Meyer-Werft ist es die erste von zwei Überführungen in diesem Jahr. Wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche in der Corona-Pandemie hat die Werft ihr Bautempo drosseln müssen. Damit drohen Hunderte Arbeitsplätze verloren zu gehen. Meyer beschäftigte am Standort Papenburg etwa 4500 Menschen.

+++ Aida: Diese Frau hat einen besonderen Job an Bord – sie wohnt wie ein Gast, darf aber verbotene Bereiche betreten +++

„Die Überführungsfahrt eines so schönen Schiffes stimmt mich nachdenklich. Durch die Streckung des Auftragsbuches sichern wir langfristig Arbeit, aber auf einem geringeren Niveau jedes Jahr. Für das letzte und auch die nächsten fünf Jahre werden wir jedes Jahr 40 Prozent weniger Arbeit pro Jahr haben“, sagte Jan Meyer, Geschäftsführer der Meyer Werft.

---------------

Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

---------------

„Wir arbeiten hart daran, uns auf diese dramatische Veränderung der Situation einzustellen. Auch wenn einige Kreuzfahrtschiffe bald wieder fahren können, bedeutet das noch lange keine neuen Aufträge“, ergänzte Meyer. Die Werft werde für viele Jahre keine neuen Aufträge großer Kreuzfahrtschiffe ihrer bisherigen Großkunden erwarten können.

+++ MV: Angler kämpfen 45 Minuten um Fang – als sie ihn rausziehen, können sie ihren Augen nicht trauen +++

---------------

Mehr von der Nordsee:

---------------

Nach Angaben des Betriebsrates will die Geschäftsführung 600 Jobs streichen. Von den übrigen Mitarbeitern verlange die Werft 200 Stunden unbezahlter Arbeit im Jahr, sonst müssten weitere 300 Personen gehen. Der Betriebsrat will dagegen um die Festangestellten kämpfen und fordert eine Reduzierung der Leiharbeit auf der Werft. Beide Seiten sollen sich bis Ende März einigen.

+++ „Mein Schiff“-Passagiere irritiert: Kreuzer ändert plötzlich die Route – selbst die Crew scheint nichts zu wissen +++

Die Endausrüstung der „Odyssey of the Seas“ soll in Bremerhaven stattfinden. Branchenangaben zufolge hat die Meyer-Werft danach noch acht feste Aufträge, die bei zwei Schiffen im Jahr bis 2025 reichen. (jds/dpa)