Sylt: Dieser Mann wohnte einst auf der Insel – was er dort erlebte, macht ihn noch immer traurig

Drei Jahre lange lebte Sönke Schröder mit seiner Familie auf Sylt.
Drei Jahre lange lebte Sönke Schröder mit seiner Familie auf Sylt.
Foto: imago images/localpic & Sönke Schröder

Sönke Schröder ist seit vielen Jahren regelmäßiger Besucher auf Sylt. Seit über 30 Jahren arbeitet er im Außendienst einer großen Gewürzfirma und besucht seine Kunden in Norddeutschland direkt vor Ort.

Dabei verschlägt es ihn – wenn nicht gerade Lockdown ist – wöchentlich nach Sylt. Vor fünf Jahren entschlossen seine Frau und er sich zu einem Schritt, von dem viele Insel-Fans ein Leben lang träumen: Die Familie zog nach Sylt.

Sylt: Familie zieht auf die Insel

Neben beruflichen hatte „das vor allem gesundheitliche Gründe“, erklärt der 58-Jährige MOIN.DE. Für seine Frau, die an einer Augenkrankheit leidet, sei die Meeresluft eine Wohltat gewesen.

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Die salzige Brise der Nordsee hat gleich mehrere, gesundheitsförderte Wirkungen: Zum einen kann das Salz Schleim lösen und damit die Atemwege befreien. Davon profitieren besonders Asthmatiker oder Menschen, die an chronischer Bronchitis leiden.

Zum anderen ist die Meeresluft deutlich ärmer an Schadstoffen und Pollen, was auch der Frau von Sönke Schröders zugute kam.

Zeit auf Sylt in guter Erinnerung

Da der Außendienstler bereits jahrelang die selben Kunden – Hotels, Kantinen, Gastronomen – besuchte, hatte er bereits ein Netzwerk von Kontakten, das sich über die ganze Insel zog.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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„Deshalb konnten wir zu einem relativ fairen Preis Wohnraum mieten“, erinnert er sich. Normalerweise eine kaum zu überwindende Hürde. Sönke Schröder denkt gerne an die Zeit auf Sylt zurück.

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Es war eine Phase, in der noch mehr Einheimische auf der Insel gelebt und sich oft getroffen haben. Da der 58-Jährige so viele Menschen kannte, seien solche Abende fast wie ein Familientreffen gewesen.

Ausverkauf der Insel Sylt

Was ihm besonders gefallen hat: „Die Sylter treffen sich draußen: Am Strand, auf der Promenade oder vor den Kneipen.“ Er fügt hinzu: „Wir haben tolle Leute kennengelernt.“

Doch nach und nach musste der gebürtige Kieler eine Entwicklung mitansehen, die ihn bis heute traurig macht: „Der Ausverkauf der Insel.“ Ein gewaltiges Problem.

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Die Grundstückpreise steigen immer weiter an, der Wert der Immobilien mit ihnen. Viele Anwesen, die vor Jahren noch ein paar tausend Euro gekostet haben, können jetzt Millionen wert sein.

Probleme mit Immobilien auf Sylt

Das verleitet viele Sylter dazu, ihre Häuser zu verkaufen und aufs Festland überzusiedeln. Doch selbst diejenigen, die gerne dort wohnen bleiben wollen, stehen oft vor einem Problem: Das Erbe der Eltern.

Wenn diese ihr Grundstück einem von mehreren Kindern vermachen, kann ein einzelner Erbe seine Geschwister meist nicht ausbezahlen.

Bei den astronomischen Preisen kein Wunder. Deshalb entschließen sie sich oft zum Verkauf. „Dann kaufen Leute die Häuser, die nie da sind“, bedauert Sönke Schröder.

Atmosphäre auf Sylt weniger persönlich

Tatsächlich gibt es auf Sylt viele Immobilien, die ganzjährig leerstehen. Ein Phänomen, das als „tote Betten“ bezeichnet wird. >>> Hier kannst du mehr darüber lesen

So wurde die Nordsee-Insel immer mehr zur Geisterstadt. „Das tut einem schon weh“, sagt der Außendienstler MOIN.DE. Der 58-Jährige empfand die Atmosphäre als immer unpersönlicher.

„Die wollen unter sich bleiben“, beschreibt er das Klientel, das heute auf der Insel unterwegs ist.

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„Das nachbarschaftliche Miteinander hat auch gefehlt“, bedauert er. Da die meisten Einheimischen im Tourismus und der Gastronomie tätig sind, hätten die Nachbarn während der Saison im Sommer und abends kaum Zeit gehabt.

Pendeln nach Sylt kräftezehrend

„Es ist schwierig, einen engeren Kontakt zu knüpfen.“ Auch für seinen Sohn sei es nicht so einfach gewesen, Anschluss zu finden. Hinzu kam das ständige Pendeln.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Zwei Mal pro Woche musste der Außendienstler die Insel verlassen, um die Kunden auf dem Festland anzusteuern. „Das war schon sehr anstrengend“, gibt er zu.

Spontane Ausflüge von Sylt aus kaum möglich

Die langen Fahrten und die immer vollen Züge – ein weiteres Problem, das bis heute in der Kritik steht (MOIN.DE berichtete) – zehrten an seinen Nerven. Trotzdem fühlt er sich eingeschränkt, wenn er mal längere Zeit auf der Insel bleiben konnte.

„Spontane Ausflüge sind nicht möglich“, erklärt er MOIN.DE. „Wir hatten oft das Gefühl, nicht wegzukommen.“ Als es seinen Eltern gesundheitlich nicht mehr gut ging, zogen sie schließlich aufs Festland zurück.

„Geile Zeit auf Sylt“

Seit etwas mehr als zwei Jahren lebt die Familie wieder in Kiel. Die Zeit auf der Insel bereut der Außendienstler aber keinesfalls. Das Leben auf Sylt war eine einzigartige Erfahrung für ihn. „Es war eine geile Zeit“, sagt er. „Und beruflich hat es mich weitergebracht.“

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Obwohl er auf dem Festland glücklich ist, fährt Sönke Schröder immer wieder gerne auf die Insel. Nach dem Lockdown dann auch wieder regelmäßig.