Sylt will Ampeln und Zebrastreifen verbannen – mit diesem merkwürdigen Projekt

Auf Sylt soll es bald sogenannte „Begegnungszonen“ geben.
Auf Sylt soll es bald sogenannte „Begegnungszonen“ geben.
Foto: IMAGO / Rust

Seit einiger Zeit ist auch auf der beliebten Urlaubs-Insel Sylt die Verkehrswende in vollem Gange. Westerland will den Umbruch auf der Straße mit sogenannten Begegnungszonen voranbringen – ganz ohne Ampeln und Zebrastreifen. Doch das Projekt gilt als Flop.

In der Innenstadt von Westerland auf Sylt werden für die Begegnungszonen nach und nach rote und gelbe Punkte aufgemalt. Doch was soll damit erreicht werden?

Sylt: Steuergeld an anderer Stelle nötiger

In den gekennzeichneten Bereichen dürfen Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger und der öffentliche Nahverkehr die gesamte Straße nutzen – bei einem Höchst-Tempo von 20 Kilometern pro Stunde. Das Konzept soll den Durchzugsverkehr verringern, und so Geschwindigkeit sowie Unfallzahlen senken.

Die Gemeinde Sylt hat die Begegnungszonen zusammen mit der Verkehrsabteilung des Kreises Nordfriesland und der Polizeidirektion Flensburg als Modellprojekt in Auftrag gegegen. Die Westerländer Innenstadt gilt als besonders Verkehrsbelastet.

+++ Sylt: Insel-Wahrzeichen verschwindet – weil es dort zu gefährlich wurde +++

Doch nicht nur Anwohner sind wenig begeistert. In Flensburg wurden bereits im Jahr 2018 für mehrere Monate Begegnungszonen getestet – das Ergebnis: Die Zonen wurden nach kurzer Zeit wieder abgeschafft und die Investition landete 2019 im Schwarzbuch des Steuerzahlers.

----------

Das ist Sylt:

  • Sylt ist die nördlichste der nordfriesischen Inseln und die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Zahlreiche Gebiete auf Sylt stehen unter Naturschutz
  • Die Insel ist ein Touristen-Magnet: Jedes Jahr kommen knapp eine Million Besucher vom Festland
  • Westerland ist der größte Ort auf Sylt, mit circa 9.000 Einwohnern

----------

Auf Facebook lassen derweil Sylter Bürger und weitere Kritiker ihrem Frust freien Lauf. Viele Nutzer verweisen auf den gescheiterten Versuch in Flensburg. Andere bemängeln, dass es genug andere, wichtige Projekte gebe.

Besonders im Fokus stehen dabei Einrichtungen für Kinder. Es fehle an Sand für die Spielanlagen in Kindergärten, Bastelmaterial in Schulen und Jugendeinrichtungen wie Skateparks. Von „Schwachsinn“, „Aprilscherz“ und einem „nachgeäfften“ Projekt ist die Rede.

----------

Mehr von Sylt:

----------

Westerlands Bürgermeister Nikolas Häckel will zu den Kosten keine genauen Angaben machen. Bleibt zu hoffen, das die Sylter mit ihrem Konzept etwas zur Verkehrswende beitragen können – und die bunten Punkte doch noch zur Versöhnung beitragen. (wip)