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Hamburg: SIE erfüllen Schwerkranken ihren letzten Wunsch – „Total schön“

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Hamburg: Sie erfüllen schwerkranken Menschen ihren letzten Wunsch. Foto: IMAGO / MASKOT

Wir haben sie doch alle, diese Wünsche. Ans Meer zu fahren, ein Theater in Hamburg zu besuchen, etwas zu unternehmen, raus zu kommen. Aber was, wenn die unerfüllt bleiben? Was, wenn Menschen kurz vor ihrem Tod realisieren, dass sie unbedingt noch einmal an die Ostsee müssen?

Im Optimalfall springt dann der „ASB-Wünschewagen“ ein und fährt die Menschen an ihren Sehnsuchtsort. Jedes Bundesland hat mindestens einen „Wünschewagen“ zur Verfügung. Dahinter steht ein motiviertes Team an ehrenamtlichen Mitarbeitern, die ihre Zeit den sterbenskranken Menschen schenken. MOIN.DE hat mit dem „Wünschewagen Hamburg“ über diese geschenkte Zeit geredet.

Hamburg: Aufeinmal tauchen Wünsche auf

„Unsere Aufgabe ist es, Menschen, die in der letzten Lebensphase sind, einen letzten Wunsch zu erfüllen“, fasst Annett Habermann, Projektkoordinatorin des „Wünschewagen Hamburg“ zusammen. Gemeint sind damit schwerkranke Menschen jeden Alters. Kinder, Jugendliche, aber auch ältere Personen, denen noch etwas auf dem Herzen brennt.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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„Wenn jemand weiß, dass er nicht mehr viel Zeit hat, dann tauchen oftmals noch so Wünsche oder Erinnerungen an bestimmte Menschen oder Orte auf“, erklärt Habermann. „Orte, die man gesehen hat, oder die man sein ganzes Leben lang nicht geschafft hat, zu besuchen.“

Das sind die Wünsche aus Hamburg

Der „Wünschewagen“ fährt an diese Orte und erfüllt damit Wünsche. Die Orte würden von der Lieblingsparkbank bis ans Meer reichen, aber auch Konzert- und Fußballstadionbesuche seien mit unter den Wünschen. Sehr beliebt ist beim „Wünschewagen Hamburg“ die Küste. Ein Ausflug ans Wasser werde sich „sehr oft“ gewünscht. Im Januar 2022 seien von 16 Wunschanfragen fünf ans Meer gegangen.

Das ausschließlich von Spenden, Eigenmitteln und dem Engagement hunderter Ehrenamtlicher finanzierte Projekt schließe durch das Wunscherfüllen eine Lücke. Krankenkasse würden so etwas nicht bezahlen, lacht Habermann. Nicht einmal, wenn jemand im Hospiz liege und nur noch einmal in seinen eigenen Garten wolle.

Hamburg hat Vorteile durch kurze Distanzen

„Für den Kranken selbst, der im Hospiz liegt, ist das nicht mehr machbar.“ Oft könnten diese nur noch liegend transportiert werden und benötigten medizinische Versorgung, wie Sauerstoff und Medikamente. „Und das fängt der ‚Wünschewagen‘ auf.“

Die Wünsche selbst würden sich häufig sehr bescheiden und klein anhören. Sei es den eigenen Garten noch einmal zu sehen oder der Beerdigung des Ehepartners beiwohnen zu dürfen. Gerade innerhalb Hamburgs seien das keine großen Entfernungen.

Hamburg: Auch kurze Fahrten bedeuten viel Aufwand

Dennoch bedeute auch das viel Vorbereitung. „Wir müssen uns erstmal mit dem Patienten selbst auseinandersetzen, was hat der für Erkrankungen?“ Die Patientenverfügung werde sich für den Notfall genau angeschaut. „Ganz wichtig ist auch immer die Frage, ist das wirklich der Wunsch des Patienten selbst“, betont die Koordinatorin. Es ginge ihnen primär darum, die Menschen in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen. „Bis zuletzt.“

Zu den Vorbereitungen gehört es natürlich auch, die Fahrt so gut wie möglich zu planen. Teilweise geht es auch darum, Probleme zu lösen: „Wie kommen wir mit einem liegenden Patienten ins Fußballstadion?“

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Mitarbeiter aus Hamburg schenken anderen ihre Freizeit

Jede Fahrt werde zudem fachgerecht betreut. Mindestens zwei ehrenamtlich Qualifizierte seien immer anwesend. Dabei handelt es sich um eine Pflegefachkraft und einen Rettungssanitäter. Das zu organisieren „ist eine große Herausforderung“, da die Fachkräfte im Schichtdienst arbeiten und durch das Ehrenamt beim „Wünschewagen“ „Menschen ihre Freizeit schenken“.

Da der „Wünschewagen“ ein reines Spendenprojekt ist, müssen auch die Fahrten selbst finanziert werden. Eine Fahrt an die Ostsee beispielsweise koste zwar selbst nicht die Welt, aber laufende Kosten würden dazu kommen: „Die Ausstattung, die Schulung der Ehrenamtlichen.“ Aus finanziellen Gründen habe der „Wünschewagen Hamburg“ aber noch nie einen Wunsch absagen müssen.

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So schnell können in Hamburg Fahrten organisiert werden

Generell dauere das Organisieren einer Fahrt zwei bis drei Tage, aber „wir haben schon Fahrten innerhalb eines Tages auf die Beine gestellt.“ Spontanität sei immer gefragt, doch letztendlich komme alles auf die Situation drauf an.

Auch die Gründe, warum eine Person an einen bestimmten Ort möchte, seien ganz individuell. „Es geht am Ende wirklich nur noch darum, das sozusagen nochmal zu erledigen“, erklärt Habermann die Beweggründe der Erkrankten. „Letztendlich gibt so eine Wunschfahrt den Leuten immer ziemlich viel Ruhe.“

Hamburg: Wünscheerfüllung bringt Frieden

Oft erfahren die ehrenamtlichen Mitarbeiter schon wenige Tage später von Angehörigen, dass die Person schon in der gleichen Nacht oder am nächsten Tag verstorben sei. „Die Leute erzählen uns auch, dass das demjenigen den Abschied erleichtert hat. Und das ist eigentlich total schön.“

Hauptsächlich schön sind anscheinend auch die Ausflüge selbst. Die Projektkoordinatorin aus Hamburg versichert: „Bei den meisten Fahrten wird mehr gelacht als geweint.“

Freiwillige aus Hamburg begleiten den letzten Wunsch

Auch für die ehrenamtlichen Mitarbeiter sei das Begleiten der Wünsche „eine große Nummer“, weil man nie wisse, was einen erwartet. Vor ihrer ersten Fahrt würden sich viele Ehrenamtliche Gedanken machen, nur um dann nach der Fahrt zu sagen: „Es war super schön.“

Durch die medizinische Ausbildung würden sich die Ehrenamtlichen ständig mit dem Tod beschäftigen. Doch anders als in ihrem normalen Beruf geht es bei dem Projekt darum: „Jemanden nochmal vor dem Tod eine schöne Zeit zu schenken.“ Um darauf vorbereitet zu werden, würden die Freiwilligen extra Schulungen bekommen. Anders als in ihrem Beruf sei es nicht ihre Aufgabe zu retten, sondern jemanden auf seinem letzten Weg zu begleiten.

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Hamburg: Wenn es schon zu spät ist

Es kommt allerdings auch oft vor, dass eine Fahrt nicht mehr stattfindet. „Weil die Kraft des Fahrgasts nicht mehr reicht, oder weil er leider schon verstorben ist.“

Deshalb sei es auch die Aufgabe des „Wünschewagen“: „Leuten Mut zu machen, diese letzten Wünsche zu formulieren.“ Und das frühgenug, denn „oftmals kommen die Wünsche einfach zu spät, wenn eine Umsetzung nicht mehr möglich ist.“

Hier kannst du in Hamburg helfen

Gedanken über den Tod und was kurz vorm Sterben noch wichtig ist begleiten die Ehrenamtlichen, die Angehörigen und sollten auch uns im Bewusstsein bleiben.

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Die Freiwilligen des „Wünschewagens“, machen sich diese Gedanken, damit schwerkranke Menschen „einen geschenkten Tag“ genießen können, damit ihr letzter Wunsch in Erfüllung geht, damit sie Ruhe finden können und damit auch Angehörige Abschied nehmen können.

Wer den „Wünschewagen Hamburg“ bei dieser Aufgabe unterstützen möchte, der kann sich auf der Website weiter darüber informieren oder direkt hier spenden. Und wer jemanden kennt, dessen letzter Wunsch der „Wünschewagen“ erfüllen kann, kann online eine Wunschanfrage ausfüllen.